Grünes Band Bayern-Böhmen in Fotos

24-04-2020

Vor 14 Jahren wurde das Centrum Bavaria Bohemia im bayerischen Grenzort Schönsee eröffnet. Seitdem ist es als eine Koordinierungsstelle für bayerisch-tschechische Zusammenarbeit tätig. Im Folgenden ein Gespräch mit der Leiterin des Centrums, Veronika Hofinger, über einen neu gestarteten grenzüberschreitenden Fotowettbewerb und weitere Aktivitäten.

Veronika Hofinger (Foto: Pavel Polák, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Veronika Hofinger (Foto: Pavel Polák, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Centrum Bavaria Bohemia (Foto: Zvany.bany, Wikimedia Commons, CC0 1.0)Centrum Bavaria Bohemia (Foto: Zvany.bany, Wikimedia Commons, CC0 1.0) Frau Hofinger, das Centrum Bavaria Bohemia veranstaltet einen Fotowettbewerb zum Thema „Natur- und Kulturerbe. Grünes Band Bayern-Tschechien“. Was sind die Beweggründe?

„Der Beweggrund liegt einerseits in der Tätigkeit des Centrums Bavaria Bohemia, aber auch in der geografischen Lage. Wir sind ein deutsch-tschechisches Kultur- und Begegnungszentrum in Schönsee, genau in der Mitte des tschechisch-bayerischen Grenzgebiets gelegen, unmittelbar an der Grenze, sodass wir dieses Grüne Band, diese fantastische Natur- und Kulturlandschaft direkt vor der Haustür haben. Im vergangenen Jahr hat sich eine Initiative der Regierung der Oberpfalz und des Kreises Pilsen entwickelt, die gemeinsam eine Machbarkeitsstudie zum Thema Grünes Band erarbeitet haben. Einige der Workshops und die öffentliche Vorstellung fanden im Centrum Bavaria Bohemia statt. Dabei haben wir deutlich unser Interesse bekundet, dazu beizutragen, dass entlang der bayerisch-tschechischen Grenze zumindest im Bereich der Oberpfalz dieses internationale Projekt des Grünen Bandes zustande kommt. In diesem Rahmen entstand auch die Idee, einen Fotowettbewerb auszurufen und die verschiedenen Sichtweisen auf das Grüne Band von beiden Seiten der Grenze zusammenzutragen.“

Foto: Archiv Centrum Bavaria BohemiaFoto: Archiv Centrum Bavaria Bohemia Für wen ist der Wettbewerb bestimmt?

„Der Wettbewerb ist prinzipiell offen. Wir laden Profis, Amateure und auch Leute, die mit ihrem Handy fotografieren, ein, ihre Bilder einzureichen. Wir richten uns an Teilnehmer, die ihren Wohnsitz in Deutschland oder in Tschechien haben. Und was wichtig ist: Die Bilder müssen aus der bayerisch-tschechischen Grenzregion kommen.“

Werden die Fotos von einer Jury beurteilt und anschließend in einer Ausstellung gezeigt?

„Die Fotos werden über unsere zweisprachige Kulturdatenbank www.bbkult.net eingereicht. Da gibt es ein Anmeldemodul. Wir sammeln bis 18. Mai alle Fotos. Die Fotos werden dann von einer deutsch-tschechischen Jury bewertet, in der sowohl Fotografen, als auch Leute aus dem Bereich des Naturschutzes vertreten sind. Die Jury trifft eine Vorauswahl der Bilder, die veröffentlicht werden. Es gibt dann eine Online-Ausstellung, die ebenfalls über www.bbkult.net präsentiert wird. Und soweit es wieder möglich wird, möchten wir auch eine physische Ausstellung machen, die im Centrum Bavaria Bohemia stattfindet und später an einigen Orten gastieren wird. Wir haben bereits einige Interessenten.“

Werden die schönsten Aufnahmen mit Preisen gewürdigt?

Online-Ausstellung des tschechischen Künstlers Jan Knap (Foto: Archiv Centrum Bavaria Bohemia)Online-Ausstellung des tschechischen Künstlers Jan Knap (Foto: Archiv Centrum Bavaria Bohemia) „Ja, die Ausstellung findet im Rahmen eines Projekts des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds statt, das auch vom Landkreis Schwandorf unterstützt wird. Damit haben wir die Möglichkeiten, die besten Bilder mit Preisen zu belohnen. Die Jury wird nicht die Siegerbilder auswählen. Die Siegerbilder gehen dann aus einer Publikumsabstimmung hervor.“

Wegen der Corona-Pandemie dürfen keine Festivals, Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Zudem waren bis jetzt die Grenzen praktisch geschlossen. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeit des Centrums aus?

„Für uns im Kulturbereich ist die Situation sehr schwierig. Denn wir leben davon, dass Veranstaltungen und Begegnungen über die Grenze hinweg stattfinden. So sind wir doppelt betroffen: durch die Schließung von Kultureinrichtungen und durch die Einschränkung von Reisemöglichkeiten. Nichtdestotrotz glaube ich, dass die Kulturarbeit über die Grenze hinweg wichtiger ist als je. Man muss im Gespräch bleiben, sich weiter austauschen und sich zwischen den Staaten versichern, dass wir weiterhin auf die Freundschaft aufbauen können, die in den letzten 30 Jahren entstanden ist. Ganz praktisch bedeutet dies, dass wir verstärkt auf Online-Angebote setzen. Die erste Online-Ausstellung, die auf www.bbkult.net zu bewundern ist, kommt vom tschechischen Künstler Jan Knap. Diese Ausstellung führen wir gemeinsam mit der Stadt Tirschenreuth und Planá. Weitere Online-Projekte werden folgen.“

Veronika Hofinger (Foto: Pavel Polák, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Veronika Hofinger (Foto: Pavel Polák, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Welche Projekte planen Sie für die Zeit nach der Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen?

„Zu den größeren Projekten, die anstehen und momentan am Eis liegen, gehört das der Kulturstadt Bayern-Böhmen. Dabei geht es darum, das Kulturleben der bayerischen und tschechischen Nachbarregionen entlang der Grenze beziehungsweise in den Bereichen Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern sowie den Kreisen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen in einer Stadt, in einer Saison auf die Bühne zu bringen. Diese Sommersaison mit Schwandorf fällt schon aus. Wenn alles gut läuft, beginnen wir im August mit den ersten kleinen Veranstaltungen und hoffentlich im September und Oktober mit einem intensiveren Programm, das sich über den Winter hin bis in den Mai 2021 zieht. Dann gehen wir nahtlos in die Kulturstadt 2021 über, und das ist Wunsiedel in Oberfranken. Da haben wir jeweils um die 50 grenzüberschreitenden Kulturprojekte, zu denen wir deutsche und tschechische Künstler einladen können. Zudem haben wir das Projekt Barockregion Bayern – Böhmen. Da überlegen wir momentan, welche Online-Angebote wir schaffen können.“

Details zu dem Fotowettbewerb finden Sie unter www.bbkult.net. Der Einsendeschluss ist am 18. Mai.

24-04-2020