Grenzenloses Europa? Nicht in Bayern!

12-06-2010

Immer wieder geistert das Thema durch die Medien und auch ich habe die Diskussion aufmerksam verfolgt: die Grenzkontrollen an der tschechisch-deutschen – oder genauer gesagt, der böhmisch-bayerischen Grenze. Lang ist die Liste der Beschwerden tschechischer Autofahrer über systematische und zeitweise schikanöse Kontrollen. Ich selbst habe bisher keine derartigen Erfahrungen gemacht. Das liegt möglicher Weise erstens daran, dass ich nur sehr selten mit dem Auto fahre. Und zweitens und vor allem daran, dass ich eher nach Sachsen und Österreich als nach Bayern fahre.

Kürzlich allerdings machte ich mich von Prag über Stuttgart auf den Weg nach Paris. Und eine solche Reise führt nun mal durch Bayern. Ob man es will oder nicht. Im Bahn-Expressbus von Prag nach Nürnberg kursierten unter den Stammfahrgästen schon die Wetten, ob man auch diesmal wieder aufgehalten werde. Ob’s diesmal mit oder ohne Gepäckdurchsuchung sein würde. Und wie groß wohl diesmal die Verspätung sein würde. Doch den ebenso großen wie verwaisten Autobahngrenzübergang Rozvadov / Waidhaus passieren wir unbehelligt. Doch die Freude währt nur kurz, denn schon in der ersten Betriebsumkehr und nur wenige Meter nach dem weiß-blauen Willkommensgruß im Freistaat steht ein auffällig-unauffälliger silberner BMW. Und nur wenige Augenblicke später taucht eben jener BMW vor unserem Bus auf, aus dem rechten Seitenfenster winkt eine rote Kelle und hinter der Heckscheibe steht unmissverständlich zu lesen: „Bundespolizei. Bitte folgen.“ Auf einem schäbigen Parkplatz angekommen, steigen zwei Herren in Zivil, aber mit einer beeindruckenden Sammlung von Pistole, Pfefferspray, Handschellen und weiteren Utensilien am Gürtel zu und verlangen forsch nach den Pässen. Mein österreichischer Personalausweis wird zunächst skeptisch beäugt, dann gemeinsam mit einigen anderen Ausweisen im Dienst-BMW einer kritischen Prüfung unterzogen.

Nach einer Viertelstunde dürfen wir weiterfahren. „Das ging aber schnell, diesmal, versichern einander die Stamm-Fahrgäste.“ Trotzdem, so wirklich willkommen im Freistaat Bayern fühle ich mich nach dieser Aktion nicht. Und nach einer einwöchigen Reise quer durch Frankreich, Luxemburg und zahlreiche deutsche Bundesländer und schließlich über Berlin zurück nach Tschechien ohne eine einzige weitere Polizeikontrolle frage ich mich, wovor man sich in Bayern denn gar so fürchtet. Und ob man in der Münchener Staatskanzlei am Ende irgendetwas mit dem Schengener Abkommen nicht so ganz verstanden hat. Fragen, denen auch Horst Seehofer bei seinem angekündigten Prag-Besuch wohl nicht entgehen wird können. Übrigens: Ich habe gerade die Fahrkarten für meinen nächsten Besuch in Deutschland gebucht. Es geht – erraten – nach Sachsen.

12-06-2010