Kveta Pacovska - ein Portrait

28-03-2004

Im heutigen Kultursalon stellt Ihnen Katrin Sliva eine tschechische "Allroundkünstlerin" vor. Kveta Pacovska ihr Name. Klingelt's? Noch nicht? Dann lassen Sie sich aufklären. Viel Spaß dabei.

Kveta Pacovska ist 75 Jahre alt. Weder ihr selbst, noch ihrer Kunst sieht man das aber an. Vielleicht ist es gerade die Kunst, die sie jung hält. Keine gebrechliche alte Dame ist sie. Zart, das schon, aber sie strotzt vor Energie und Tatendrang. Dabei kann sie allein in den vergangenen 40 Jahren auf 65 Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken, in deren Rahmen Besucher ausschließlich ihre Werke bewunderten. Sie selbst charakterisiert sich als Malerin und sträubt sich dagegen, als Künstlerin bezeichnet zu werden. Dabei widmet sie sich weit mehr Bereichen als nur der Malerei. Grafiken, Skulpturen, Reliefe und Plastiken gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie das Illustrieren und Entwerfen von Büchern. Spätestens an dieser Stelle könnte dem einen oder anderen ein Licht aufgehen. Ja, die Kveta Pacovska ist es. Denn gerade ihre Buchkunst hat ihr zu großem Ruhm verholfen. Auch in Deutschland. Ihre Bücher sind in über einem Dutzend Sprachen erschienen. Neben Deutsch und anderen europäischen Sprachen auch auf Japanisch, Koreanisch und Chinesisch. Und sie ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Doch lassen Sie uns einen Blick auf einige Stationen in Kveta Packovas Lebenslauf werfen:

Kveta Pacovska wird am 28. Juli 1928 in Prag geboren. Ihre Mutter unterrichtet Fremdsprachen, ihr Vater ist unter anderem Opernsänger und ein enger Freund von Bohuslav Matinu. In ihrer Kindheit liebt sie es, in der Bibliothek ihres Vaters zu stöbern und in seinen Büchern zu blättern. Mit der Großmutter bastelt sie viel und entwirft ihre eigenen Bücher. Sie wächst in Prag auf, wo sie auch ihr Studium der Malerei an der Kunsthochschule aufnimmt. Ihr Lehrmeister ist Professor Emil Filla, ein anerkannter tschechischer Maler. Im Alter von 23 Jahren beendet sie ihr Studium. Sie beginnt, sich der Buchkunst zu widmen. Bücher werden zu dreidimensionalen Objekten ihrer Kunst. Darüber hinaus illustriert sie sie auch und veröffentlicht sogar eine eigene Übersetzung von vier Märchen der Gebrüder Grimm. Daneben malt sie aber weiterhin. Ihre Arbeiten stellt sie in Museen in der ganzen Welt aus. In den Jahren 1992 und 1993 arbeitet sie als Gastprofessorin an der Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) in Berlin. Sie folgt dem Ruf der dortigen Studenten, die sie sich als Dozentin wünschen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie gerade in jenem Jahr gleich zweimal ausgezeichnet wird: Mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis für ihr Lebenswerk und mit der "Goldenen Letter", einem der wichtigsten internationalen Preise für Buchkunst. Nur fünf Jahre später wird ihr der Leipziger Gutenbergpreis verliehen. Im Jahre 1999 verleiht ihr die Kingston University in Großbritannien ein Ehrendoktorat.

Neben den großen Erfolgen, die Kveta Pacovska mit ihrer Buchkunst feierte, hat sie nie aufgehört zu malen und Plastiken und Skulpturen zu kreieren. Einen Ausschnitt aus diesem Bereich ihrer Arbeit zeigt die Ausstellung "Kveta Pacovska - Verticals" im Prager "Museum Kampa". Es handelt sich nicht um eine Retrospektive, sondern um einen Querschnitt ihrer Arbeiten aus den 60er und den 90er Jahren. Kurz vor der Eröffnung der Ausstellung am 16. März sagte Kveta Pacovska freudestrahlend:

"Die 60er-Jahre sind der Schwerpunkt dieser Sammlung. Ich bin sehr, sehr glücklich, die Möglichkeit zu haben, meine Arbeiten aus jener Zeit hier in diesen Räumlichkeiten zu zeigen, da sie auch für mich einen Schwerpunkt meines Schaffens darstellen."

Warum sie ausgerechnet die 60er und die 90er Jahre in dieser Ausstellung zusammenführt? Zum einen, aus einem Zufall heraus, der da war: Es sollte eine besonders schöne Ausstellung werden und während der Vorbereitungen kristallisierte sich heraus, dass besonders die Arbeiten der 60er Jahre diesem Anspruch der Malerin gerecht wurden. Aber es gibt noch einen weiteren Grund:

"Ja, ich könnte sagen, dass es eine Verbindung zu dem ist, was ich heute mache. Hinsichtlich des Materials, da die hier präsentierten Arbeiten aus Metall sind und die letzten ebenfalls. Aber, auch was die Sichtweise betrifft, denn es gibt eine gewisse Kontinuität in der Ästhetik, der Bildenden Kunst und in dem, was ich vielleicht sagen oder zeigen wollte beziehungsweise dem, was die Betrachter darin sehen konnten."

Einen Bezug, nicht nur zwischen den Werken der 60er, 90er und ihren aktuellen Arbeiten, sondern auch zwischen den unterschiedlichen Gattungen jener Zeit untereinander will Kveta Pacovska hier aufzeigen. Objekte aus den 60er Jahren sind hier zu sehen, Reliefe aus Fingerhüten beispielsweise. Ein Skulpturenensemble aus Metall, in den Farben rot und schwarz bildet das Herz der Ausstellung. Die Vertikale spielt hier eine große Rolle, durchbrochen von der Horizontalen. Durch die kontrastreiche Farbgebung und dank des Licht- und Schattenspiels, das durch die gezielte Beleuchtung der Skulpturen entsteht, wirken sie bewegt und es entsteht eine Art Rhythmus. An den Wänden sind Bilder der Künstlerin zu sehen. Einige von ihnen sind auf den ersten Blick ganz weiß. Was es mit ihnen auf sich hat, erklärt Kveta Pacovska selbst:

"Ich zeige hier diese weißen Bilder. Sie stammen aus der Zeit, als ich in den 90er Jahren in Berlin war. Ich wollte dort viele große, schöne Bilder malen in ganz kräftigen Farben. Ich habe die reinen, noch unbemalten Leinwände an die Wände meines Studios gehängt und musste feststellen, dass ich gar keine Farben auftragen konnte. Ich fand es so schön dieses Weiß, dass ich mich entschied, nur Stufen einzuzeichnen und mit unterschiedlichen Nuancen der Farbe Weiß zu arbeiten. Entstanden ist eine große, herrliche, weiße Stille, die uns viel zu sagen hat."

Welche Bedeutung die Zeit in Berlin für Kveta Pacovska hatte, hat mich interessiert:

"Die ist ganz grundsätzlich. Damals war die Bedingung, die ich stellte, bevor ich mich dafür entschied, nach Berlin zu gehen, dass ich ein Atelier bekomme. Die Möglichkeit große, ja sehr große Bilder zu malen, habe ich sehr genossen. Das war eine tolle Zeit für mich."

Auf Diskussionen darüber, welcher Bereich ihrer Kunst für sie persönlich am wichtigsten war und ist, will sich Kveta Pacovska nicht einlassen. Ihre Maxime lautet:

"Das kann ich nicht sagen und das will ich nicht sagen, weil ich denke, dass alles eine große Bedeutung hatte. Wichtig ist, dass man seine Sache gut macht, auf der höchstmöglichen Schaffensebene. Dafür habe ich immer gekämpft. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist - manchmal mehr, manchmal weniger, aber unabhängig davon, ob im Bereich der Architektur, Skulptur, der Malerei oder in meinen Büchern."

Aber zu einer Einschätzung dessen, was ihr den größten Erfolg eingebracht hat, lässt sich Kveta Pacovska verleiten:

"Ich denke, einen großen Anteil daran hatten die Bücher, denn Sachen, die gedruckt sind, und in die ganze Welt gelangen, haben diese Chance. Aber umso mehr schätze ich diese Ausstellung, weil sie mir ermöglicht, eben diesen Bereich meines Schaffens zu präsentieren. Und es ist der richtige Ort dafür."

Die Ausstellung "Kveta Pacovska - Vertikals" ist noch bis zum 16. Mai täglich von 10 - 18 Uhr im Museum Kampa zu sehen. Die Adresse lautet: U Sovovych mlynu 2, Prag 1. Der Eintritt beträgt 120 Kronen, Studenten und Rentner zahlen die Hälfte, für Kinder bis sechs Jahre ist der Eintritt frei.

28-03-2004