Auf dem Fahrrad durch Afrika

11-09-2019

Ganze 18.000 Kilometer in nur 252 Tagen. Auf diese Leistung kann Daniel Soutner zurückblicken. Auf seinem Fahrrad ist er von Tschechien bis nach Lesotho im Süden Afrikas gefahren. Vor kurzem war er bei den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks zu Gast.

Daniel Soutner (Foto: Archiv von Daniel Soutner)Daniel Soutner (Foto: Archiv von Daniel Soutner)

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner „Ich bin Mitglied einer Pfadfinder-Gruppe, die Kalahari heißt. Dort wurde irgendwann die Idee geboren, dass jemand von uns die Wüste Kalahari im Süden Afrikas besuchen sollte. Zudem bin ich Mitglied des Vereins Plzeň na kole (auf Deutsch: Pilsen auf dem Fahrrad, Anm. d. R.). Ich mag Radfahren, bin aber nie besonders weit gekommen. Außerdem habe ich lange Zeit als Forscher im IT-Bereich gearbeitet. Ich saß am Computer und sagte einmal zu mir: ich könnte doch für ein paar Monate einfach abschalten. Aus alledem hat sich dann meine Fahrradtour durch Afrika ergeben.“

Das erzählt Daniel Soutner, ein 34-jähriger IT-Experte aus Pilsen, über die Motivation für seine Reise. Er ist am 8. August 2018 aufgebrochen und im April dieses Jahres kehrte er wieder nach Tschechien zurück. Auf seiner Fahrt brachte er monatlich im Schnitt 2000 Kilometer hinter sich. Dabei hatte er etwa 30 Kilo Gepäck auf dem Rücken und im Kopf einen Plan, der im Laufe der Zeit mehrere Male korrigiert werden musste.

„Die Afrikaner sind Meister der Improvisation.“

„In Afrika steht die Improvisation an erster Stelle. Von Plänen bleibt immer etwas übrig, viel ist es aber nicht. Der Kontinent kann einen jederzeit überraschen. Die Afrikaner selbst sind Meister der Improvisation.“

Die Fahrt Daniel Soutners führte zunächst durch halb Europa bis nach Spanien und dann über Gibraltar weiter. Marokko war schließlich seine erste Station in Afrika:

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner „In Marokko war ich vor einigen Jahren schon einmal. Das Land hat sich sehr verändert, alles entwickelt sich dort aufwärts. Der Übergang von Europa nach Afrika ist dennoch sehr kontrastreich.“

Von der spanischen Enklave Ceuta aus hat er die Grenze nach Marokko überschritten:

„Dort stehen zwei hohe Zäune und dahinter wartet eine andere Kultur. Und auch das, was man erwartet hat: unzählige Flüchtlinge warten dort auf eine Möglichkeit, nach Europa zu gelangen. Es ist ein seltsames Gefühl, die Menschen zu treffen, die sehr wenig haben und versuchen, aus Afrika wegzugehen. Sie erhoffen ein besseres Leben für sich und ihre Familie. Dann komme auf einmal ich und reise nur so zum Spaß. Ich habe ihnen und mir selbst dort versprochen, möglichst viel über Afrika zu berichten.“

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner Das tut Daniel Soutner bei öffentlichen Debatten, auf seiner Webseite und in den Medien.

„Die Vorstellung der Afrikaner über Europa ist sehr idealisiert. Auch die Erwartung, dass sie hier ankommen und gleich arbeiten und viel Geld verdienen können, dass alles einfach sein wird. Erst wenn man mit ihnen spricht, erfahren diese Menschen, dass sie etwa ein Visum brauchen. Sie verstehen nicht, dass sie die Sprache lernen müssen. Sie glauben, mit Französisch oder Englisch überall arbeiten zu können. Ihre Vorstellung unterscheidet sich sehr von der Realität, und die Enttäuschung ist oft groß, wenn sie dann in Europa angekommen sind.“

Bis nach Dakar im Senegal hatte Daniel eine klare Vorstellung über seine Route:

„Die Vorstellung der Afrikaner über Europa ist sehr idealisiert.“

„Die Sahara kann man mit dem Fahrrad im Prinzip nur auf zwei Wegen überwinden. Der eine führt über Westsahara, der andere durch das Tal des Nils. Andere Strecken wären zu anspruchsvoll. Ich bin also in Westsahara durch die Wüste gefahren.“

Einen Helm hat der Radfahrer nur selten auf dem Kopf getragen. Dieser stellte sich in der Wüstenhitze nicht unbedingt als der beste Schutz heraus:

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner „Ich habe verschiedene Kopfbedeckungen getragen, je nach dem, was gerade die Einheimischen auf dem Kopf hatten. Sie wissen am besten, was funktioniert. In der Wüste war der Turban besonders gut. Außerdem haben mich damit die Einheimischen umso euphorischer begrüßt.“

Nach Dakar kam schließlich die Improvisation. Unter anderem die undurchsichtige Visa-Politik der meisten afrikanischen Staaten hat diese geprägt. Ein Visum für Ghana hat Daniel nicht bekommen:

„Das hat meine Route ein wenig nach Westen abgelenkt. Ich habe jeweils in Mali und Burkina Faso ein Visum beantragt und bin so durch die Sahel-Zone gefahren. So habe ich zwar den Dschungel verpasst, habe stattdessen aber andere Sachen gesehen. Mali hat eine einzigartige Seele, die ich nur schwer beschreiben kann. Darin spiegelt sich, dass es entlegen und im Inland liegt, zum Teil in der Wüste. Die Leute sind arm, aber sehr begeistert. Also wirklich eine besondere Seele.“

„Die Dorfeinwohner nehmen den Gast in ihre Obhut.“

Der Tscheche hatte immer sein Zelt dabei. Dieses schlug er aber in der Regel nicht im freien Gelände auf, sondern mitten in den Dörfern:

„In Westafrika wird es aus Sicherheitsgründen so empfohlen. Man soll im Dorf um Erlaubnis bitten, dort zu übernachten. Die Dorfeinwohner nehmen dann den Gast in ihre Obhut. Und zudem macht es Spaß, am Abend mit ihnen zu diskutieren, mit ihnen zu essen und Bonbons mit ihnen zu teilen.“

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner Seine Stirnlampe, ein Solarpanel oder aber der Gaskocher hätten ganz besonders die Aufmerksamkeit der Einheimischen auf sich gezogen, erzählt Soutner. Das Essen hat er sich auf der Reise besorgt:

„Supermärkte gibt es dort kaum. Erst im Süden Afrikas, in Botswana und in der Republik Südafrika. Sonst sind überall Märkte beziehungsweise kleine Läden. Ich habe am liebsten auf den Märkten eingekauft. Es dauert länger, macht aber mehr Spaß. Beim Essen ist es nicht üblich, über den Preis zu handeln. Aber bei anderen Waren muss man es sogar.“

Aus Sicherheitsgründen sowie wegen der Schwierigkeiten mit den Visa in Nigeria und Kamerun ist Daniel Soutner einen Teil der Strecke geflogen. Er landete in Gabun. Noch im Senegal musste er wiederum in einem Nationalpark den dortigen Bus benutzten:

Foto: Archiv von Daniel SoutnerFoto: Archiv von Daniel Soutner „Dort ist es verboten, zu Fuß zu wandern beziehungsweise Rad zu fahren. Und zwar wegen der Löwen. Ich habe daher einen Bus gestoppt. Man hat mein Rad auf das Dach gepackt und mich mit reingenommen. Ich bin etwa 80 Kilometer mit dem Bus gefahren, die Reise dauerte knapp fünf Stunden. Mit dem Fahrrad wäre es ähnlich. Die Löwen habe ich aber leider nicht gesehen.“

Auf der Tour hat der Tscheche mit allen möglichen Menschen gesprochen. Die Menschen in Afrika seien sehr entgegenkommend, sagt er:

„Vor allem, wenn ein weißer Mensch auf einem Rad unterwegs ist. Dann wird man immer wieder angesprochen. Am liebsten habe ich mit Leuten geredet, die Englisch beherrschten. Meine Französisch-Kenntnisse sind begrenzt, das war ein großes Hindernis. Bis nach Kongo sind die Länder französischsprachig. Es war eine harte Schule für mich.“

„Wenn ein weißer Mensch auf einem Rad unterwegs ist, wird er immer wieder angesprochen.“

Die Fahrt endete in Lesotho. Dieses Land hat Daniel Soutner sehr beeindruckt:

„Das ist ein Königreich, ein Bergland mitten in der Republik Südafrika. Die Gipfel sind dort etwa 3000 Meter hoch. Für einen Radfahrer ist die Landschaft ziemlich anspruchsvoll, man kann sich nicht ausruhen. Aber es ist wunderbar. Die Hirten in ihren schönen bunten Kleidern haben mir dort die ganze Zeit zugewunken, das war schön. Nach der kargen Landschaft, die ich zuvor passiert habe, war die Gegend wieder grün und feucht. Und die Menschen dort sind sehr nett. Aber manchmal auch aufdringlich. Die Kinder sind mit mir einige Kilometer mitgelaufen, um einen Bonbon zu bekommen. Ich hatte da aber schon keine mehr.“

11-09-2019