Kritische Hochwasserlage hält an einigen tschechischen Flüssen an

01-04-2006

Die Hochwasserlage hat sich am Sonntag an einigen Flüssen in Böhmen und Mähren zugespitzt. Am Samstag galt Katastrophenalarm in bedrohten Gebieten von sechs der insgesamt 14 Landkreise Tschechiens. Sondermaßnahmen wurden auch im Landkreis Usti nad Labem/Aussig angekündigt. Um 23.00 Uhr kommt in Prag der zentrale Hochwasserkrisenstab zusammen. Zur debatte steht u.a. auch die Beschwerde der Landkreisregierung von Olomouc, dass die Wetterprognosen der Meteorologen falsche und verspätete Informationen beinhalten. Am Sonntag wird auch das tschechische Kabinett zu einer Sondersitzung zusammentreffen.

Am Samstag haben die Überschwemmungen ein fünftes Todesopfer gefordert. Im südböhmischen Veseli nad Luznici, wo eine Zwangsevakuierung in etwa sechs Strassen ausgerufen wurde, stehen mehrere hundert Häuser im Wasser. Kritische Situation herrscht nach wie vor in der Region der mittelmährischen Städte Olomouc (Olmütz) und Litovel, wo die Pegelstände der Morava / March gestiegen sind. Mit Verkehrsproblemen müssen auch PKW-Fahrer rechnen, da etwa 20 Straßen zweiter und dritter Kategorie in den gefährdeten Gebieten geschlossen wurden. Direkt in Litovel sind bereits mehrere Straßen vom Wasser überschwemmt und als unbefahrbar gesperrt worden.

Ein großer See, der bereits am Freitag etwa 500 Hektar Felder und Wiesen überschwemmt hat, bedroht immer noch die südmährischen Gemeinden Jevisovka und Hrusovany in der Region von Znojmo /Znaim. Über dem Wasserpegel der durch das Hochwasser gebildeten Lagune ragt ein Eisenbahndamm mit der Eisenbahnstation Jevisovka, die schon früher geschlossen wurde. Für den Fall einer Verschlechterung der Lage hat die Feuerwehr einen Plan für die Evakuierung von rund 800 Einwohnern aus Hrusovany vorbereitet.

Etwa 400 Menschen der südmährischen Gemeinde Pohorelice bei Breclav mussten heute Nachmittag ihre Häuser verlassen. Laut Prognose soll hier der Fluss Jihlava zwischen 18.00 und 20.00 Uhr den Scheitelpunkt erreichen. Als eine provisorische Unterkunft wurde den evakuierten Personen die Grundschule zur Verfügung gestellt.

Die Hochwasserlage im bis vor kurzem höchst gefährdeten Znojmo / Znaim entspanne sich zunehmend mit jeder Stunde. Dies sei auf die sinkende Durchflussmenge der Thaya zurückzuführen, informierte der Bürgermeister der südmährischen Stadt, Pavel Balik. Ihm zufolge kehren die Einwohner der evakuierten Stadtteile langsam in ihre Heime zurück. Die Hochwasserkommission sowie die Teams des Schutzdienstes bleiben jedoch weiterhin in Bereitschaft.

Eine kritische Lage herrscht auch an den südböhmischen Flüssen Luznice und Nezarka. In Veseli nad Luznici stehen Hunderte Häuser im Wasser, die Pegel der beiden Flüsse steigen. Die Durchfahrt durch die Stadt ist gesperrt worden, rund 1000 Einwohner haben ihre Häuser bereits verlassen.

In der Umgebung von Decin / Tetschen und Litomerice / Leitmeritz sind mehrere Strassen unter Wasser. Weitere Einwohner dieser Städte haben ihre Häuser verlassen. In einen großen See, aus dem die Hausdächer hervorlugen, verwandelte sich die Gemeinde Kresice.

In Usti nad Labem / Aussig soll der Höchststand der Elbe am Montag bei 900 cm liegen. Zwei Meter sind normal. Aussiger Bürgermeister Petr Gandalovic wies die Äußerung von Premier Jiri Paroubek zurück, dem nach "die Stadt" die Möglichkeit versäumt habe, Hochwasserbarrieren zu bauen. Paroubek besuchte Usti am Freitag.

Der Vorsitzende der mittelböhmischen Landkreisregierung, Petr Bendl hat in 16 Hochwassergebieten Alarmbereitschaft ausgerufen. Laut Wetterprognosen ist dort die Erhöhung der Pegelstände zu erwarten.

In der tschechischen Hauptstadt gilt vorläufig die zweite Warnstufe. Um 21.00 Uhr kommt wieder die Hochwasserkommission zusammen, um aufgrund der aktuellen Lage über weitere Maßnahmen zu entscheiden. Nach Informationen des Prager Oberbürgermeisters Pavel Bem hängt vieles von Wetterprognosen und der Situation in den an der Moldau liegenden Talsperren ab. Sollte sich die Durchflussmenge am Prager Abschnitt der Moldau wesentlich erhöhen, müssten in der Stadt die dritte Alarmstufe ausgerufen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden, sagte Bem am Samstagvormittag.

01-04-2006