700. Geburtstag: Bayerisch-Tschechische Landesausstellung feiert Karl IV.

01-01-2016

Das Jahr 2016 ist das Jahr des Gedenkens an Kaiser Karl IV. Anlässlich seines 700. Geburtstags wird unter anderem eine tschechisch-bayerische Landesausstellung über Karl IV. veranstaltet. Eröffnet wird sie am 14. Mai in Prag, dem Geburtstag des Kaisers. Später wird sie in Nürnberg gezeigt. Über die bevorstehende Ausstellung und das Begleitprogramm nun Interviews mit dem Generaldirektor der Prager Nationalgalerie, Jiří Fajt, und mit Wolfgang Jahn vom Haus der Bayerischen Geschichte.

Jiří Fajt (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag, CC BY-SA 4.0)Jiří Fajt (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag, CC BY-SA 4.0) Herr Fajt, wie gelang es Karl IV., die Kunst zur Hervorhebung seiner Macht zu nutzen?

„Ich glaube, dass Karl IV. die Kunst im Dienste der Politik oder seiner Macht inszenieren wollte. Es wäre ihm aber nicht gelungen, so viel Neues, so viele künstlerische Aufträge in die Wege zu leiten, hätte er nicht – ausgehend von den Prälaten – ein ganzes Netz von Anhängern und Unterstützern gehabt, die auch in seinem Sinne agiert haben. Sie haben sich Sachen am kaiserlichen Hof in Prag abgeschaut oder waren in seiner Kanzlei tätig und haben das weiter getragen, was der Kaiser unterstützt hat.“

Karl IV. (Foto: © City of Prague)Karl IV. (Foto: © City of Prague) Es ist kein Zufall, dass die Landesausstellung außer in Prag auch in Nürnberg gezeigt wird, obwohl die Tschechen Karl IV. für ihren „Otec vlasti“, also eine Art Urvater des Landes halten. Wird diese Wahrnehmung in der Schau reflektiert?

„Wir möchten diese Wahrnehmung der Persönlichkeit des Kaisers ein wenig ändern. Wir wollen zeigen, was für Karl selbst wichtig war, und das war zweifelsohne der Titel des Kaisers. Als er 1355 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, betrachtete er dies als den Höhepunkt seiner politischen Karriere. Dem sicherlich war sicherlich auch so. Die Ausstellung versucht, ihn als Kaiser Karl IV. zu zeigen und nicht als König von Böhmen. Denn er wurde mehrfach zum König gekrönt, er war König der Lombardei und von Burgund. Aber Böhmen stand ihm ganz nahe, weil seine Mutter Prinzessin aus der Přemysliden-Dynastie war. Er wählte zudem Böhmen als eine Art Sprungbrett für seine territoriale Macht. Böhmen war für ihn sehr wichtig. Er war ein sehr kluger, intellektueller Herrscher, der die Macht sehr schlau ausübte. Er hat viele für das Reich wichtige Impulse gegeben. Dazu gehörte vor allem die Goldene Bulle, deren Verabschiedung 1356 Karl IV. beiwohnte. Die Bulle war das Grundgesetz des Reichs bis 1806. Daran ist zu sehen, wie bedeutend Karl IV. war und wie er Sachen vorausgesehen hat – und auch wie seine Visionen verwirklicht wurden. Dies halte ich für besonders wichtig. Nicht bei jedem Herrscher war das so, aber Karl IV. hat die Kunst so inszeniert, dass sie als Vermittlerin seiner Machtvorstellungen eine große Bedeutung erlangte.“

Wird die Landesaustellung eine Kunstausstellung oder eher eine historische Ausstellung sein?

„Sie ist schon eine Kunstausstellung, auch wenn wir kulturhistorische oder historische Themen ansprechen möchten. Wir wollen anhand der Kunstwerke auch die Geschichte erzählen. Dabei wird man erfahren können, welche Mentalität Karl IV. hatte. Er gehört zu jenen Herrschern des mittelalterlichen Europas, über die wir verhältnismäßig viel wissen. Wir wissen ziemlich genau, wie er aussah, welche Motivation er hatte, als er zur Krönung nach Rom fuhr. Wir wissen wirklich eine Menge über ihn, und das wollen wir nicht verheimlichen, sondern der breiten Öffentlichkeit bekannt machen.“

In der Landesausstellung werden 180 Schaustücke gezeigt. Welche einzigartigen Exponate sind darunter?

Foto: Archiv der Nationalgalerie in PragFoto: Archiv der Nationalgalerie in Prag „Es werden 180 Schaustücke verschiedener Gattungen in Prag und 200 in Nürnberg zu sehen sein. Einige der prestigeträchtigsten Werke möchte ich auch erwähnen, obwohl es schwierig ist, aus den bereits bestätigten Leihgaben die Highlights herauszupicken. Aus Aachen wird die Krone nach Tschechien gebracht, die Karl 1349 in Prag anfertigen ließ. Danach fuhr er mit dieser Krone nach Aachen und ließ sich über dem Grab Karls des Großen zum König von Rom krönen. Die Krone wird zum ersten Mal seit deren Anfertigung wieder in Prag zu sehen sein. Es werden zwei Exemplare der Goldenen Bulle ausgeliehen – für Prag und für Nürnberg. Ich möchte zudem eine sehr wertvolle Skulptur aus Genua erwähnen: die Grabfigur von Margarete von Brabant. Das war die Großmutter von Karl IV. Das Grabmal gab deren Gatte Kaiser Heinrich VII. dem Bildhauer Giovanni Pisano in Auftrag. Pisano war eine der größten Künstlerpersönlichkeiten des 14. Jahrhunderts. Es freut uns, dass die Kollegen aus Genua bereit sind, uns dieses denkmalgeschützte Stück auszuleihen. Gezeigt wird auch das Antependium aus Pirna. Dabei handelt es sich um eine Stickerei im Großformat: 3,5 Meter breit und mehr als ein Meter hoch. Es ist einmalig, dass sie im Ausland gezeigt wird. Wir sind dafür den Kollegen von den Staatlichen Kunstsammlungen aus Dresden dankbar.“

Anlässlich des Jubiläums von Karl IV. wird auch Musik aus seiner Zeit erklingen. Gibt es etwas aus dieser Epoche, das erst vor kurzem entdeckt wurde und noch nicht bekannt war?

„Im Rahmen des Jubiläums arbeiten wir mit dem Ensemble Schola Gregoriana und David Eben zusammen. Eben ist nicht nur Interpret, sondern auch Musikwissenschaftler. Er hat Werke aus der Zeit von Karl IV. gefunden, die bisher nicht bekannt sind, und er hat sie neu arrangiert und aufgenommen. Es freut uns, dass wir den Besuchern der Landesausstellung diese CD anbieten können. Wir planen, mit David Eben zusammen einen Konzertzyklus zu gestalten, der im Agneskloster stattfinden wird.“

Votivtafel mit dem Pager Erzbischof Jan Očko von Vlašim (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)Votivtafel mit dem Pager Erzbischof Jan Očko von Vlašim (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag) Alle Veranstaltungen zum Jubiläum tragen dasselbe Logo, das aus dem Buchstaben K, einem Sternchen und der Ziffer 700 besteht. Wie ist das Logo entstanden?

„Über das Logo haben wir lange mit den Graphikern Aleš Najbrt und Pavel Lev diskutiert. Wir wussten, dass wir das K nutzen müssen – es steht für Karl – sowie die Zahl 700. Aber weiter fehlte etwas. Da sind wir auf die kleinen Sterne gestoßen, die auf den Gemälden aus der Zeit von Karl IV. zu sehen sind, konkret auf der Votivtafel mit dem Pager Erzbischof Jan Očko von Vlašim. Auf dem Bild kniet Karl mit einer Krone auf dem Kopf, die mit Sternchen verziert ist. Das war eine Inspirationsquelle. Die andere Inspirationsquelle fanden wir in der Kreuzkapelle auf der Burg Karlstein. Das vergoldete Gewölbe ist mit zahlreichen Sternen übersät. Diese Sternmotive haben wir dem Jubiläum angepasst und sie graphisch gestalten lassen. Jetzt ist das Sternchen Bestandteil des Logos gemeinsam mit dem K und der Ziffer 700.“

 

Foto: Archiv der Nationalgalerie in PragFoto: Archiv der Nationalgalerie in Prag Herr Jahn, in wie weit ist Karl IV. in Bayern bekannt? In Tschechien wurde der Kaiser vor einigen Jahren in einer Umfrage zum „größten Tschechen“ gewählt…

„Da ist er in Bayern, glaube ich, etwas davon entfernt. Die Verehrung, die er in der Tschechischen Republik genießt, ist in Bayern nicht ganz so groß. Karl IV. war ein ganz großer Kaiser auf europäischem Boden, und er hat auch sehr viel für Bayern, beispielsweise für Nürnberg getan. Aber ich glaube, dass wir uns mehr durch seine Bauwerke, die er hinterlassen hat, an ihn erinnern, und durch seine Tätigkeit, beispielsweise die Goldene Bulle, die jahrhundertelang prägend war. Aber uns fehlt der emotionale Zugang zu dem Kaiser. Vielleicht können wir diese Barriere durch die Ausstellung etwas abbauen, um ihn ein bisschen emotionaler zu empfinden als bisher.“

Es gibt, wie Sie gesagt haben, mehr als 200 Anmeldungen von Institutionen und Interessenten, die am Begleitprogramm zu Karls Geburtstag teilnehmen wollen...

Foto: Archiv der Nationalgalerie in PragFoto: Archiv der Nationalgalerie in Prag „Diese 200 Ereignisse sind aufgeteilt in Ausstellungen, Führungen, Lesungen und alle kulturellen Aktivitäten, die in der Hauptsache mit der Zeit Karls IV. zu tun haben, aber auch Beispiele sind für die grenzüberschreitende bayerisch-tschechische Zusammenarbeit. Wir wollen mit dem Begleitprogramm nicht nur die Zeit Karls IV. lebendig werden lassen, sondern auch die grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Bayern in vielen Aktivitäten zeigen. Es gibt gemeinsame Tagungen, gemeinsame Musikauftritte, um dieses harmonische Miteinander an der Grenze und weit über die Grenze hinaus darzustellen. Karl IV. ist für uns ein sehr guter Anlass, um das in einen breiten Bevölkerungskreis, der sonst vielleicht mit dieser Thematik nicht so vertraut ist, hineintragen zu können. Durch die Veranstaltungen des Begleitprogramms, die sich in einer geographischen Breite von Passau bis Würzburg entlang der bayerisch-tschechischen Grenze ziehen, wollen wir auch eine Nachhaltigkeit schaffen weit über die Landesausstellung hinaus. Ausstellungen werden nach einem bestimmten Tag abgebaut und sind dann nicht mehr da. Aber die Veranstaltungen des Begleitprogramms sollen weiter wirken. Das Ziel ist es, Kaiser Karl IV. als europäische Figur sichtbar werden zu lassen. Wir hoffen, dass wir durch die Ausstellung sehr viele Impulse anstoßen können.“

Foto: Archiv der Nationalgalerie in PragFoto: Archiv der Nationalgalerie in Prag Wird beispielsweise ein Wanderweg oder eine Straße nach Karl IV. benannt?

„Es wird eine Reihe von Initiativen entlang der sogenannten ‚Goldenen Straße‘ geben, wo im Sinne des Tourismus zertifizierte Radwege und Wanderwege auf den Spuren Karls IV. auch bleiben werden. Wir müssen auf die Bedürfnisse der Menschen von heute eingehen, die sich gern bewegen. Da ist ein Radweg auf den Spuren des großen Kaisers eine gute Sache.“

Gibt es irgendwo in einem Freilichtmuseum die Möglichkeit, die Zeit von Karl IV. direkt in Augenschein zu nehmen?

„Wir versuchen, mit anspruchsvollen Rekonstruktionen der Zeit von Kaiser Karl IV., mit der Musik oder auch mit Festen, die nachgespielt werden, ein bisschen von dieser Aura lebendig werden lassen. Damit die Menschen sehen, wie damals das Leben aussah, dass es manchmal eine schwierige Zeit war, aber dass man auch sehr friedlich zusammenleben konnte.“

01-01-2016

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