Fußball: Tschechien erhält Lehrstunde von Weltmeister Deutschland

David Pavelka (in der Mitte) Foto: ČTK

Bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ist die tschechische Mannschaft bereits nach der Vorrunde ausgeschieden. Aus drei Spielen holte sie nur einen Punkt. Jetzt, gut drei Monate später, sieht es nicht viel besser aus: In der WM-Qualifikation hat Tschechien nach dem torlosen Auftakt gegen Nordirland am Samstag in Hamburg 0:3 gegen Deutschland verloren. Dafür wurde in Ostböhmen gejubelt, denn bei der 126. Pardubitzer Steeplechase gab es einen tschechischen Sieg.

Bořek Dočkal  (links) Foto: ČTK
Die Fußball-Duelle zwischen Deutschland und Tschechien standen schon öfter in einem ganz besonderen Fokus. Vor 20 Jahren bestritten beide Mannschaften im Londoner Wembley-Stadion das Endspiel der zehnten Europameisterschaft. Deutschland gewann 2:1 nach Verlängerung durch das „Golden goal“ von Oliver Bierhoff. 20 Jahre zuvor, im Finale der fünften EM, siegte der Kontrahent: Die damalige Tschechoslowakei schlug das deutsche Team, die Auswahl der alten Bundesrepublik, nach einem 2:2 über 120 Minuten mit 5:3 im Elfmeterschießen. Bei diesem Novum markierte Mittelfeldass Antonín Panenka mit seinem berühmten Lupfer den Siegtreffer.

Auch nach der Jahrtausendwende waren die Tschechen obenauf. Bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal stellten sie eine bessere B-Mannschaft, bezwangen das DFB-Team um Oliver Kahn und Michael Ballack aber dennoch mit 2:1. Unter Trainer Brückner gewann Tschechien danach EM-Bronze, die deutsche Auswahl aber fuhr früh nach Hause. Und bei der letzten Auseinandersetzung, am 17. Oktober in München, triumphierten die Tschechen noch deutlicher – mit 3:0. (Hören Sie dazu mehr in der Audio-Version, Anm. d. Red.)

Tomáš Sivok  (Foto: ČTK)
Das 0:3 aus deutscher Sicht war dann auch der Endstand. Die Ausgangsposition für jene Begegnung war indes sehr spezifisch: Deutschland war für die EM in Österreich und der Schweiz bereits qualifiziert und trat nicht in Bestbesetzung an. Tschechien aber wurde anschließend sogar noch Gruppensieger, konnte bei der Endrunde aber nicht mehr überzeugen.

Sivok: „Die Deutschen waren der wohl schwerste Gegner, auf den ich in meiner bisherigen Karriere getroffen bin. Sie spielen schnell und direkt, die Spanier versuchen dagegen, den Gegner mit vielen Ballstafetten zu zermürben. Die Deutschen sind wie eine Maschine, leider.“

Mittlerweile hat sich das Blatt vollkommen gewendet. Deutschland gelangte seit der WM 2006 im eigenen Land bei jedem internationalen Großturnier mindestens bis ins Halbfinale und ist amtierender Weltmeister. Tschechien qualifizierte sich lediglich noch für die EM-Endrunden 2012 und 2016. Vor vier Jahren kam das Team um Kapitän Tomáš Rosický immerhin noch ins Viertelfinale, beim jüngsten Turnier in Frankreich scheiterten Čech, Rosický & Co. indes kläglich. Daher waren die Vorzeichen für das WM-Qualifikationsspiel im Hamburg auch völlig andere: Der Weltmeister empfing den Lehrling, und Tschechien erhielt dann auch eine kostenlose Lehrstunde. Schon nach gut einer Stunde schnürte Thomas Müller seinen Doppelpack und erzielte den Treffer zum 3:0. Damit sorgte der Münchner für den Endstand in einer Partie, in der die Gastgeber vom Anpfiff an klar dominierten und nie einen Zweifel daran ließen, wer diesmal – neun Jahre nach der Pleite von München – der Chef auf dem Platz ist. Die Reaktionen nach der Partie waren entsprechend unterschiedlich. Der deutsche Abwehrspieler Gerome Boateng war sehr zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft, in dem man gut kombiniert habe, so dass die Tschechen dem Ball ständig hinterherlaufen mussten. Dies musste auch der tschechische Abwehrchef Tomáš Sivok anerkennen. Er lobte den Sieger:

Tomáš Rosický  (Foto: Miroslav Bureš,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das war der wohl schwerste Gegner, auf den ich in meiner bisherigen Karriere getroffen bin. In der ersten Halbzeit wollten wir die Deutschen ein wenig überraschen, indem wir versucht haben, sie im Spielaufbau sehr früh zu attackieren. Doch sie waren uns in allen Belangen überlegen und sind mit ihrem druckvollen Passspiel immer wieder in unseren Strafraum eingedrungen. Sie waren für mich ein noch stärkerer Gegner als die Spanier bei der EM. Die Deutschen spielen schnell und direkt, die Spanier versuchen dagegen, mit vielen Ballstafetten den Gegner zu zermürben. Doch ich muss sagen, die Deutschen sind wie eine Maschine, leider.“

Auch Pavel Kadeřábek, am Samstag der einzige Bundesligaprofi, der im tschechischen Team zum Einsatz kam, sah es ähnlich:

„Die Deutschen sind eine eingespielte Truppe. Sie harmonieren blendend miteinander, jeder weiß, was er zu tun hat. Sie sind ein wahnsinnig gutes Team, entsprechend schwer war es für uns heute.“

David Pavelka  (in der Mitte) Foto: ČTK
Der einzige Tscheche, der das Tor der Deutschen zweimal bedrohte, war der Mittelfeldspieler von Sparta Prag, Bořek Dočkal. Wie er selbst betonte, war dies aber erst beim Stand von 3:0 der Fall, als die Hausherren die Zügel etwas schleifen ließen. Dennoch war sein erster Torschuss eine Riesenchance. Und sie wäre vermutlich ein Tor geworden, wenn ein anderer als Weltklassetorwart Manuel Neuer zwischen den Pfosten gestanden hätte.

„Aus meiner Sicht war das ein phantastischer Reflex von ihm. Denn vor ihm lief ein Mitspieler, der ihm die Sicht versperrte. Ich habe den Ball an dem Spieler vorbeigezirkelt, von daher hat ihn Neuer wohl erst im allerletzten Moment kommen sehen. Ich weiß nicht, wie viele Torhüter außer ihm diesen platzierten Schuss gehalten hätten. Jedenfalls so, wie ich das auf dem Platz gesehen habe.“

Jarolím: „Wir sind auf einen Gegner der absoluten Weltspitze getroffen. Deshalb sage ich: Das war eine große Erfahrung für meine Spieler, und ich glaube, dass wir alle daraus Lehren ziehen werden für das nächste Match.“

Erst sein 13. Länderspiel bestritt Mittelfeldakteur David Pavelka, der seit Saisonbeginn in der türkischen Liga kickt. Für den 25-Jährigen war die Partie in Hamburg eine neue Erfahrung:

„Natürlich waren uns die Deutschen qualitativ klar überlegen. Wir dagegen konnten das, was wir uns vorgenommen hatten, nicht umsetzen. Dazu haben auch unsere leichten Fehler im Spielaufbau beigetragen, dadurch haben uns die Deutschen noch stärker unter Druck gesetzt. Und beim Stand von 3:0 haben sie dann Dinge gezeigt, die sie sich in ihrer Überlegenheit einfach erlauben konnten.“

Dass seine Spieler aus der Begegnung mit dem Weltmeister viele und lehrreiche Erfahrungen gesammelt haben, darauf baut Tschechiens Trainer Karel Jarolím:

Karel Jarolím  (Foto: Petr Pavel,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wir sind auf einen Gegner der absoluten Weltspitze getroffen. Deshalb sage ich: Das war eine große Erfahrung für meine Spieler, und ich glaube, dass wir alle daraus Lehren ziehen werden für das nächste Match.“

Und das steigt schon am Dienstag, wenn die tschechische Elf im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau die Mannschaft aus Aserbaidschan empfängt. Und Trainer Jarolím schwört seine Mannen bereits intensiv auf diese wegweisende Begegnung ein:

„Jetzt beginnt die Qualifikation für uns erst so richtig. Gegen Aserbaidschan müssen wir auf der Hut sein, das Team aus dem Osten hat 2:0 gegen Norwegen gewonnen. Wir dürfen niemanden unterschätzen. Jedes Qualifikationsspiel, das wir noch zu bestreiten haben, ist äußerst wichtig.“


Jockey Faltejsek gewinnt Pardubitzer Steeplechase zum vierten Mal

Foto: ČTK
Im Fußball hängen die Trauben für die Tschechen also inzwischen sehr hoch. Dafür haben sie im Pferderennsport jedes Jahr im Oktober Grund zum Jubel. Denn am jeweils zweiten Sonntag dieses Monats wird im ostböhmischen Pardubice die Große Steeplechase ausgetragen. Sie gilt als eines der schwierigsten Hindernisrennen der Welt. Bei ihrer 126. Auflage, die jetzt ausgetragen wurde, siegte erneut ein nationaler Lokalmatador. Es war Jockey Jan Faltejsek, der das Rennen auf dem schweren Geläuf mit dem Braunen Charme Look vom Rennstall Orling gewann. Dabei sprang Faltejsek nur für die verletzte Reiterin Barbora Málková ein, die wegen eines gebrochenen Wirbels nicht antreten konnte. Der 33-Jährige hat in den Jahren von 2012 bis 2014 die Steeplechase schon dreimal gewonnen, allerdings immer mit der Stute Orphee des Blins. Den neunjährigen Braunen Charme Look ritt er zum ersten Mal. Doch auch auf ihm fühlte sich Faltejsek sichtlich wohl:

„Natürlich habe ich dieses Pferd so gut wie nicht gekannt. Mit Orphee des Blins hatte ich zuvor schon einige Rennen gewonnen. Beide Pferde sind sich vom Typ her jedoch sehr ähnlich, es sind einfach Maschinen. Und solche Pferde liegen mir.“

Mit vier Siegen hat Jan Faltejsek in der ewigen Bestenliste des Rennens nunmehr zu den auf Platz zwei liegenden Jockeys Václav Chaloupka und Peter Gehm aufgeschlossen. Einsame Spitze ist nach wie vor der legendäre Josef Váňa, der es auf insgesamt acht Siege gebracht hat. Alle diese Erfolge haben indes auch einen kleinen faden Beigeschmack – sie wurden fast ausschließlich nur gegen die nationale Konkurrenz errungen. Internationale Top-Pferde und Reiter haben es dagegen weiter schwer, sich für die Pardubitzer Steeplechase überhaupt zu qualifizieren. Nach Aussage von Jockey Josef Bartoš, der bereits zweimal die offene italienische Meisterschaft gewann, liegt dies an den Veranstaltern. Sie bemühten sich zu wenig, um erstklassige Ausländer nach Pardubice zu locken. Das bedauert auch der 63-jährige Váňa:

„Die Champions aus Irland und Frankreich sind zu großen Leistungen fähig. Von daher bin ich überzeugt davon, dass wir es eines Tages erleben werden, wie der Siegeszug der Tschechen bei der Pardubitzer Steeplechase zu Ende geht.“

Und vielleicht wird ja schon im nächsten Jahr dazu ein Anfang gemacht.

Autor: Lothar Martin
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