Golf in Tschechien: Einst verpönt, heute beliebt

19-08-2019

Gerade sind die Czech Masters im Golf zu Ende gegangen. Doch in dieser Woche startet gleich das nächste Turnier, aber für Frauen: die Czech Ladies Open. Auch das zeigt, dass der einst verpönte Sport hierzulande angekommen ist. Und obwohl viele Menschen Golf weiter mit hohen Kosten verbinden, wächst die Zahl der Spieler, die beim tschechischen Verband registriert sind.

Golfplatz Kestřany (Foto: Daniela Tollingerová)Golfplatz Kestřany (Foto: Daniela Tollingerová)

David Vaculík (Foto: Daniela Tollingerová)David Vaculík (Foto: Daniela Tollingerová) David Vaculík schlägt ab, und der Ball fliegt 180 Meter weit. Seit zehn Jahren spielt er Golf. Wenn David jemandem sagt, welchen Sport er betreibt, dann wird er oft als Snob bezeichnet. In der tschechischen Gesellschaft überwiege nämlich die Meinung, dass Golf nur etwas für gut situierte Menschen sei, erzählt der Hobbyspieler:

„In meinem Umfeld ist es mittlerweile ziemlich normal, dass man Golf spielt, aber sonst wundern sich die Leute und denken, dass dieser Sport zu teuer ist. Ich sage dann: Nein, er ist gar nicht so teuer. Es hängt davon ab, welche Ausrüstung man kauft. Man kann sich eine für 5000 Kronen anschaffen oder auch für 100.000 Kronen. Deshalb finde ich, dass es wirklich von der konkreten Person abhängt.“

Nur etwas für die obere Schicht?

Die Preise für die Ausrüstung variieren je nach Marke. Aber auch die Kosten für die Nutzung von Golfplätzen können sich stark unterscheiden. Ohne die Mitgliedschaft in einem Verein sind einzelne Spiele auf dem Platz ziemlich teuer. Zahlt man aber den üblichen Mitgliedsbeitrag von ungefähr 10.000 Kronen (400 Euro) pro Saison, kann man auf seinem Golfplatz so häufig spielen, wie man möchte – ohne weiteres auch 250 Tage im Jahr. In solch einem Fall kostet ein Spiel nur noch ungefähr 40 Kronen (1,65 Euro). Es gibt aber noch weitere Varianten.

Juraj Werner (Foto: Tschechisches Fernsehen)Juraj Werner (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Ich bin Mitglied des Klubs in Pyšely, wo ich auch wohne. Da zahle ich etwa 4000 Kronen im Jahr, dafür habe ich aber drei Spiele auf dem Golfplatz gratis“, erläutert David Vaculík.

Beim tschechischen Golfverband (ČGF) sind über 50.000 Spieler registriert. Tatsächlich könnte die Zahl jener, die regelmäßig den Schläger schwingen, doppelt so hoch sein. Das meinen zumindest die Funktionäre. Im Vergleich zu den anderen postkommunistischen Staaten in Mitteleuropa liegen beide Zahlen unglaublich hoch, sagt der Vizepräsident der Tschechischen Golf-Föderation (ČGF), Juraj Werner:

„Wir stehen am besten da. In der Slowakei gibt es 7500 Golfer, in Polen recht ähnlich ungefähr 5000 oder 6000 und in Ungarn nur ein paar Hundert. Wir können stolz darauf sein. Manche sagen, das sei so, weil Golf schon früher bei uns ein bisschen gespielt wurde, andere, dass es die keltischen Wurzeln seien. Unsere Spielerzahl liegt wirklich hoch, der Unterschied ist enorm.“

In der Tschechoslowakei wurde Golf nicht nur zwischen den Weltkriegen gespielt, sondern auch zu Zeiten des Kommunismus. Golfplätze gab es zum Beispiel in Líšnice bei Prag oder in Karlovy Vary / Karlsbad. Allerdings war der Sport vor der politischen Wende von 1989 nur einer kleinen Schicht vorbehalten. In Líšnice hätten damals hauptsächlich einheimische und ausländische Diplomaten gespielt, erzählt Juraj Werner.

Golfplatz Kestřany (Foto: Daniela Tollingerová)Golfplatz Kestřany (Foto: Daniela Tollingerová) „Die Golfer waren in zwei Gruppen geteilt. Einige haben gespielt, und die anderen haben diese überwacht. Es kamen viele Geheimpolizisten. In Líšnice wird sich noch heute erzählt, dass die Geheimpolizisten direkt hinter den Diplomaten aus dem Gebüsch gekrochen kamen und hinter ihnen herliefen. Sie sollten kontrollieren, ob nicht zufällig eine Depesche in einem der Löcher oder irgendwo anders hinterlassen worden war. Der Golfplatz war nicht die ganze Woche über geöffnet, da es zu wenige Wächter gab. Auch deshalb sind die Tschechen mit diesem Sport nicht warm geworden. Die Kommunisten haben zwar das Tennisspiel rehabilitiert, beim Golf ist das aber bis jetzt noch nicht passiert. Golf war kein solch offizieller Sport“, so der Vizepräsident.

Studiengang Golf-Profi

Heute kann man Golf in Tschechien auch als Profi betreiben. Etwa 250 von ihnen sind beim Verband gemeldet. Sie spielen Turniere, kümmern sich um die Golfplätze, leiten diese und trainieren andere Golfer. Jiří Filip ist einer von ihnen. Er spielt seit rund zwanzig Jahren Golf und hat letztens in der Nähe von Písek in Südböhmen ein Training geleitet.

Jiří Filip (Foto: Daniela Tollingerová)Jiří Filip (Foto: Daniela Tollingerová) „Ich spiele seit meiner Kindheit Golf. Angefangen habe ich in Hluboká, dort habe ich auch beim Training der Jugend mitgeholfen. Danach hat es sich so entwickelt, dass ich zu den Profis übergangen bin und als Trainer in Kestřany begonnen habe. An der Fakultät für Körpererziehung der Prager Karlsuniversität bin ich im Studiengang Golf-Profi eingeschrieben, mittlerweile im sechsten Semester. Denn ohne die nötige Qualifikation kann man keine Golfspieler trainieren“, so der Profi.

Dabei gibt es neben dem Vorwurf des Snobismus noch ein weiteres Klischee über das Golfen: dass dies eigentlich gar kein Sport sei. Jiří Filip widerspricht dem jedoch vehement:

„Natürlich ist Golf ein Sport. Die meisten Menschen, die probeweise herkommen und dies denken, merken schnell, dass sie sich irren. Sie fangen an zu schwitzen und haben Rückenschmerzen. Spätesten nach der ersten Stunde geben sie zu, dass Golf wirklich ein Sport ist. Und wenn man die Technik erlernt hat, bleibt die mentale Seite das Schwierigste. Wichtig ist, auf dem Golfplatz ruhig zu bleiben.“

Dabei ist das Besondere an dem Sport, dass gleich drei Generationen regulär gegeneinander spielen können, wie Jiří Filip bestätigt. Der Profi hält aber einen weiteren Aspekt für das Beste – und zwar, dass man in der Natur ist und etwas für seine Gesundheit macht. Allerdings ist Golf kein einfacher Sport. Um das Spiel richtig zu lernen, muss man viele Stunden auf der Übungswiese verbringen und dabei mehrere Tausend Bälle abschlagen.

Foto: Daniela TollingerováFoto: Daniela Tollingerová
19-08-2019