Meeting Zlatá tretra ist Tafelsilber der tschechischen Leichtathletik

24-06-2019

Wenn der Sommer erst einmal da ist, dann wird die Leichtathletik zum wichtigsten Sport in Tschechien. Im Juni finden stets mehrere hochkarätige Meetings statt, darunter der „Zlatá tretra“ im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau. Der Wettkampf genießt weltweit große Anerkennung.

Foto: ČTK / Jaroslav OžanaFoto: ČTK / Jaroslav Ožana

Sam Kendricks (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)Sam Kendricks (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana) Die 58. Auflage des Leichtathletik-Meetings „Zlatá tretra“ (Golden Spike) in Ostrau wurde am vergangenen Donnerstag ausgetragen. Einige internationale Top-Athleten mussten ihre Teilnahme verletzungsbedingt zwar kurzfristig absagen, dennoch war die World-Challenge-Veranstaltung großartig besetzt. Zu den auserlesenen Gästen gehörte unter anderem der US-amerikanische Stabhochspringer Sam Kendricks. Nach seinem Eintreffen in der nordmährischen Industriestadt ließ er wissen:

„Seit 2015 bin ich Profi, und schon damals hatte der Golden Spike einen weltweit guten Ruf. Für uns Amerikaner ist das ein besonderer Wettbewerb. Wegen der Veranstaltung reisen wir ans andere Ende der Welt, obwohl es kein Meeting der Diamond League ist. Es ist in Anführungszeichen nur eine Veranstaltung der World Challenge. Andererseits aber ist es etwas ganz Spezielles, es ist der Golden Spike.“

Zu diesem positiven Image hat besonders ein Athlet beigetragen: Usain Bolt aus Jamaika. Der mehrfache Olympiasieger und Weltmeister im Männersprint gastierte insgesamt neun Mal beim Golden Spike. Das sei der klare Beleg dafür, dass dies ein großes Meeting ist, meint auch der Stabhochspringer Kendricks. Deshalb sei er froh, jetzt auch dabei zu sein.

Maria Lasickene (Foto: ČTK / Petr Sznapka)Maria Lasickene (Foto: ČTK / Petr Sznapka) Neben dem Amerikaner folgten auch der neuseeländische Kugelstoß-Weltmeister Tom Walsh, die Olympiasiegerin über 400 Meter, Shaunae Miller-Uibo von den Bahamas oder die zweifache Hochsprung-Weltmeisterin Maria Lasickene aus Russland der Einladung der Organisatoren und kamen nach Ostrau. Über so viele Top-Gäste freut sich auch der Chef des tschechischen Leichtathletik-Verbandes (ČAS), Libor Varhaník:

„Ich denke, dass der Golden Spike unser Tafelsilber ist. Es ist etwas, was sich in der tschechischen Leichtathletik behauptet hat. Wir sind sehr froh, dass dieses Meeting so gut funktioniert. Gerade erst vor 14 Tagen war ich in Monte Carlo bei Beratungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes zu Fragen der Diamond League und der europäischen Wettbewerbe. Und ich habe erneut gespürt, welch einen guten Ruf wir dort haben. Dazu muss ich den Organisatoren gratulieren.“

Libor Varhaník: „Ich denke, dass der Golden Spikes unser Tafelsilber ist. Es ist etwas, was sich in der tschechischen Leichtathletik behauptet hat. Wir sind sehr froh, dass dieses Meeting so gut funktioniert."

Der Veranstalter ist eine Gruppe von Personen, die sich um den Unternehmer Miroslav Černošek geschart hat. Der 71-jährige Selfmademan besitzt mehrere Firmen, die sich mit der Organisation von Sportevents und derem Marketing befassen. Die bekannteste von ihnen ist die Agentur Česká sportovní. Mit diesen Firmen unterstützt Černošek vor allem den Tennissport, aber auch Eishockey und die Leichtathletik. Der Unternehmer aus Prostějov / Proßnitz schafft es dabei immer wieder, auch öffentliche Gelder dafür zu gewinnen. Das Meeting Zlatá tretra unterstützt er seit 18 Jahren.

„Wir sind im Jahr 2001 in diese Veranstaltung eingestiegen, der Anfang war sehr hart. Danach ging es mit dem Meeting steil bergauf, ich denke, dazu hat die mehrfache Teilnahme von Usain Bolt immens beigetragen. In den zurückliegenden zwei Jahren ist der große Hype etwas zurückgegangen, doch es ist immer noch ein Meeting, das ich sehr schätze. Ich bin froh, dass es existiert.“

Miroslav Černošek (Foto: Tschechisches Fernsehen)Miroslav Černošek (Foto: Tschechisches Fernsehen) Gleich darauf macht Černošek deutlich, dass dies nicht selbstverständlich sei:

„Ich möchte noch einmal auf die Frage zurückkommen: Wo ist der Golden Spike, und wo ist die Konkurrenz? In Mittel- und Osteuropa erinnere ich mich noch an die großen Memorials in Moskau, Warschau und Bratislava. Doch wo sind diese Meetings heute? Das in Ostrau gibt es immer noch.“

Dies weiß natürlich auch Verbandschef Varhaník zu schätzen:

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass der Golden Spike in der tschechischen Leichtathletik eine führende Rolle einnimmt. Denn das Meeting ist für unsere Athleten Impuls und Chance zugleich, sich mit der Weltelite zu messen. Und das wiederum bringt unsere Sportart voran.“

Miroslav Černošek: „Wir sind im Jahr 2001 in diese Veranstaltung eingestiegen, der Anfang war sehr hart. Danach ging es mit dem Meeting steil bergauf, ich denke, dazu hat die mehrfache Teilnahme von Usain Bolt immens beigetragen."

Die besten Athletinnen und Athleten des Landes waren dann auch nahezu komplett in Ostrau am Start. Darunter die zweifache Olympiasiegerin im Speerwerfen der Frauen, Barbora Špotáková. Die 37-Jährige brachte im vergangenen Jahr ihren Sohn Darek zur Welt. In dieser Saison versucht sie nun, erst einmal wieder Anschluss zu finden. Libor Varhaník lobte, dass sie dazu auch den Golden Spike in Ostrau nutzte:

„Ich bin sehr froh, dass sie hier dabei ist. Damit hat sie einmal mehr ihre Loyalität zu diesem Meeting unter Beweis gestellt. Wir wissen alle, dass Barboras großes Ziel die Olympischen Spiele in Tokio sind, die diesjährige Saison nach ihrer zweiten Babypause aber nicht von so großer Bedeutung ist. Dennoch halte ich es für wichtig, dass sie in Ostrau antritt, denn sie braucht einfach Wettkämpfe.“

Barbora Špotáková (Foto: ČTK / Petr Sznapka)Barbora Špotáková (Foto: ČTK / Petr Sznapka) Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen bestätigte die Athletin aus Jablonec nad Nisou / Gablonz die Worte ihres Verbandschefs:

„Das habe ich schon zu Beginn der Saison gesagt: Die Spiele in Tokio sind die Motivation dafür, warum ich überhaupt weitermache. Bislang ist diese Saison wirklich sehr eigenartig für mich. Alles muss ich von Neuem probieren, es ist wirklich einiges anders als vorher.“

In der Speerwurf-Konkurrenz von Ostrau war ihr die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken. Mit einer Weite von 60,01 Meter belegte Špotáková den undankbaren vierten Platz. Doch dieses Resultat nahm sie gefasst und locker auf:

„Es ist doch keine Tragödie passiert. Im Gegenteil, es war ein insgesamt schöner Wettbewerb mit tollen Zuschauern.“

Jakub Vadlejch (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)Jakub Vadlejch (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana) Viel tiefer als sie stürzte hingegen ihre tschechische Teamkollegin Nikola Ogrodniková ab. Nach der sehr guten Saison des Vorjahres hoffte die 28-Jährige auf eine Fortsetzung ihrer Leistungsentwicklung. Doch beim Wettkampf vor eigenem Publikum in Ostrau war sie völlig von der Rolle und lande mit enttäuschenden 53,97 Meter nur auf den achten und letzten Platz. Siegerin wurde die Kroatin Sara Kolak, die den das Gerät auf 64,45 Meter schleuderte.

Bei den Männern erreichte der beste Tscheche, Jakub Vadlejch, immerhin einen Podestplatz. Mit einer Weite von knapp 83 Metern wurde er Dritter. Doch das ist nicht der Anspruch des Vize-Weltmeisters, der den Golden-Spike-Wettkampf im Vorjahr noch mit einer Weite von über 88 Metern gewonnen hatte. Deshalb war der 28-Jährige auch nicht ganz zufrieden:

Mike Rodgers (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)Mike Rodgers (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana) „Ich habe keine herausragende Leistung vollbracht. Drei oder vier meiner Würfe waren über 80 Meter, von daher war es auch kein schlechter Wettkampf von mir. Doch leider ist auch kein Wurf richtig weit geflogen.“

Die Konkurrenz gewann der Este Magnus Kirt mit einer Weite von 90,34 Meter. Kirt bezwang die 90-Meter-Marke zum ersten Mal. Überhaupt drückten mehrere ausländische Top-Athleten dem Meeting ihren Stempel auf. So gewann Weltmeister Tom Walsh aus Neuseeland das Kugelstoßen der Männer mit der hervorragenden Weite von 22,27 Metern. Der Tscheche Tomáš Staněk wurde mit guten 21,04 Metern Dritter. Das 100-Meter-Sprintfinale der Männer wurde von acht Athleten bestritten, deren persönliche Bestleistung bei unter zehn Sekunden liegt. Als Erster von ihnen erreichte der US-Amerikaner Mike Rodgers in 10,04 Sekunden das Ziel. Im Hochsprung der Frauen versuchte sich die Russin Maria Lasickene am Weltrekord von 2,10 Meter. Sie scheiterte dreimal knapp, doch mit 2,06 Meter verbesserte den Meeting-Rekord um einen Zentimeter. Und schließlich wurde auch ein neuer Weltrekord gelaufen. Er geht auf das Konto von Shaunae Miller-Uibo von den Bahamas. Die 400-Meter-Olympiasiegerin stellte ihn allerdings auf der wenig gelaufenen 300-Meter-Distanz auf, mit der Zeit von 34,41 Sekunden verbesserte sie den alten Rekord um satte 89 Hundertstel.

Alfons Juck: „Karsten Warholm hat Interesse daran, bei der nächsten Gelegenheit beim Golden Spike zu starten. Ich kann feststellen: Wir können auch in Zukunft auf Bewährtem aufbauen, denn die Stars kommen gern zu uns.“

Das Konzept der Organisatoren des „Zlatá tretra“, möglichst viele Stars zu engagieren, ist also erneut aufgegangen. Dabei mussten einige leider noch kurzfristig absagen. Zu ihnen gehört der norwegische Weltmeister über 400 Meter Hürden, Karsten Warholm. Ihm tat sein verletzungsbedingtes Fehlen leid, doch umso mehr wolle künftig auch einmal nach Ostrau kommen, bestätigte der Manager des Meetings, Alfons Juck:

„Karsten Warholm hat mir noch am Abend geschrieben, dass er sehr erfreut darüber ist, welch gute Leistungen in Ostrau erzielt wurden. Er gab mir zu verstehen, dass er ein Interesse daran habe, bei der nächsten Gelegenheit beim Golden Spike zu starten. Ich kann also feststellen: Wir können auch in Zukunft auf Bewährtem aufbauen, denn die Stars kommen gern zu uns.“

Für das kommende Jahr wollen die Veranstalter allerdings einen früheren Termin zu Anfang Juni erhalten. Damit wollen sie dem Höhepunkt des Jahres 2020, den Olympischen Spielen in Tokio, etwas aus dem Weg gehen. Zudem soll die Diamond League etwas schlanker werden, statt bisher 14 Wettkämpfen sollen nur noch 12 Meetings ausgetragen werden. In Tschechien hofft man nun, dass der „Zlatá tretra“ von den Veranstaltungen, die nach der Liga folgen, weiter aufgewertet wird.

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