Tschechiens Fußballer sichern Verbleib in der B-Liga der Nations League

20-11-2018

In den zurückliegenden Tagen stand „König Fußball“ im Blickpunkt der Sportöffentlichkeit in Tschechien. Die Nationalmannschaft bestritt am Montag ihr abschließendes Spiel in der Nations League gegen die Slowakei, und der erfolgreichste Club des Landes, Sparta Prag, feierte seinen 125. Geburtstag.

Foto: ČTK / Michal KamarytFoto: ČTK / Michal Kamaryt In diesem Jahr wurde hierzulande die Entstehung der früheren Tschechoslowakei vor 100 Jahren gefeiert. Den Staat gibt es aber nicht mehr, denn am 1. Januar 1993 haben die Tschechen und Slowaken ihre Eigenständigkeit ausgerufen. Getrennte Wege gehen sie seitdem auch im Fußball. In den zurückliegenden fast 26 Jahren ist es so auch zu mehreren Nachbarschaftsduellen gekommen. Der ehemalige tschechische Nationalspieler und Bundesligaprofi Pavel Kuka hat einige davon bestritten:

„Natürlich waren dies immer brisante Duelle. Wenn wir zum Beispiel in Bratislava gespielt haben, herrschte nicht gerade die freundlichste Atmosphäre. Jede der beiden Nationen wollte es der anderen zeigen und die gegnerische Nationalmannschaft besiegen. Das Prestige ist groß, besonders wenn es sich um Qualifikationsspiele für eine WM oder EM handelt. Da wird sich nichts geschenkt.“

Patrik Schick (Mitte). Foto: ČTK / Michal KamarytPatrik Schick (Mitte). Foto: ČTK / Michal Kamaryt Solch eine Begegnung stand auch am Montag in Prag wieder auf dem Programm. Diesmal allerdings in der neu geschaffenen Nations League. In der Gruppe B1, in der die Ukraine bereits als Gruppensieger feststand, musste dabei die Frage beantwortet werden: Wer von beiden darf in der Liga B bleiben, und wer muss absteigen in die Liga C? Das Spiel war spannend, und so wurde diese Frage erst mit dem Schlusspfiff beantwortet:

„Die Tschechen hatten mehr vom Spiel und auch ein leichtes Plus an Chancen. Ihre Kontermöglichkeiten aber haben sie in der Mehrzahl nicht gut zu Ende gespielt. So steht es durch das Tor von Patrik Schick in der 32. Minute immer noch 1:0 für die Gastgeber. Und nun pfeift der Schiedsrichter die Partie ab.“

Jakub Jankto (rechts). Foto: ČTK / Michal KamarytJakub Jankto (rechts). Foto: ČTK / Michal Kamaryt Der Name des Torschützen wurde von den Zuschauern lautstark skandiert und der Stürmer des AS Rom bei seiner Auswechslung kurz vor Spielende dann auch gebührend bejubelt. Vor dem Treffer wurde Schick von Jakub Jankto wunderbar freigespielt, so dass er mutterseelenallein auf das von Martin Dúbravka gehütete slowakische Gehäuse zulief:

„In dem Moment hatte ich zwei Gedanken im Kopf: Entweder ich fackele nicht lange und knall den Ball ins Tor, oder ich versuche es mit einem Lupfer. Weil Dúbravka weit vor seinem Kasten stand, habe ich die Kugel über ihn hinweggehoben. Danach habe ich nur noch gehofft, dass sie auch ins Tor geht.“

Jaroslav Šilhavý: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mit diesem Aufwärtstrend gerechnet habe. Ich bin glücklich, dass ich den Trainerjob in dieser Weise begonnen habe. Noch mehr freut es mich für meine Spieler und unsere Zuschauer.

Durch diesen Sieg hat Tschechien den Klassenerhalt in der Nations League geschafft. Das ist auch das Verdienst von Nationaltrainer Jaroslav Šilhavý, der erst seit Mitte September im Amt ist. Drei der vier Begegnungen unter ihm haben seine Schützlinge gewonnen, und auch spielerisch haben sie deutlich zugelegt. Trotz dieser guten Entwicklung bleibt Šilhavý aber auf dem Teppich:

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mit diesem Aufwärtstrend gerechnet habe. Ich bin glücklich, dass ich den Trainerjob in dieser Weise begonnen habe. Noch mehr freut es mich für meine Spieler und unsere Zuschauer. Auf der anderen Seite aber sage ich auch nicht: Alles ist gut und es wird so weiterlaufen. Wir müssen bescheiden bleiben und weiter hart arbeiten.“

Der neue Kapitän unter Trainer Šilhavý ist Mittelfeldspieler Bořek Dočkal. Seitdem der 30-Jährige die Binde trägt, setzt er auch klare Prioritäten:

Jaroslav Šilhavý (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Jaroslav Šilhavý (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) „Zumindest aus meiner Sicht sehe ich es so, dass wir den mit dem Trainer eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen müssen. Das war für mich wichtiger als das Abschneiden in der Nations League, auch wenn wir natürlich in der B-Liga bleiben wollten. Und man hat die Bedeutung der heutigen Partie auch gesehen: Beide Teams haben wirklich alles gegeben.“

Der wesentliche Grund dafür liegt auf der Hand: Es war nicht bloß ein Freundschaftsspiel, sondern eine Begegnung in der Nations League. Sehr zur Freude von Trainer Šilhavý:

„Ich begrüße das. Denn ansonsten hätten wir zu diesem Zeitpunkt wohl nur ein Testspiel ausgetragen. So aber war es eine Partie, die Zündstoff in sich barg und auch attraktiv war für die Zuschauer.“

Bořek Dočkal: „Ich sehe es so, dass wir den mit dem Trainer eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen müssen. Das war für mich wichtiger als das Abschneiden in der Nations League, auch wenn wir natürlich in der B-Liga bleiben wollten.

Bedingt durch den Modus gehen die Tschechen und Slowaken nun vorerst auch in der Nations League getrennte Wege. Tschechien könnte dabei im nächsten Wettbewerb auch auf Deutschland treffen, da der vierfache Weltmeister aus der A-Liga abgestiegen ist. Für Pavel Kuka ist es jedoch auch so bewundernswert, was die Teams der ehemaligen Tschechoslowakei noch heute leisten:

„Wir sind zwei verhältnismäßig kleine Nationen, da ist es manchmal schon ein Wunder, welch gute Spieler wir hervorbringen. Es gibt aber natürlich immer Phasen, in denen eine Generation an Spielern besonders stark oder aber weniger gut ist. Man wird immer wieder Klassespieler haben, wie es Pavel Nedvěd, Tomáš Rosický oder Jan Koller waren – oder jetzt bei den Slowaken Marek Hamšík, der für Neapel spielt. Aber genügend solcher Akteure zu finden und zu einem Team zu formen, darin sehe ich das Problem.“

 

125 Jahre Sparta Prag: Der Traditionsverein will zurück in die Erfolgsspur

Tomáš Rosický (Foto: joshjdss, Flickr, CC BY 2.0)Tomáš Rosický (Foto: joshjdss, Flickr, CC BY 2.0) Man darf nicht aufgeben – dies sei die Parole, mit der er Sparta Prag stets verknüpft und definiert habe, sagt der ehemalige tschechische Nationalspieler und Bundesligaprofi Tomáš Rosický in einem Videoclip über seinen ersten und nun auch wieder aktuellen Arbeitgeber. Bei diesem Club wurde Rosický einst ausgebildet, heute ist er der Sportmanager von Sparta. Der Grund für das Video war ein besonderer: Am vergangenen Freitag beging der Traditionsverein sein 125-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er am 16. November 1893.

Am Tag seiner ersten urkundlichen Erwähnung hieß der Verein noch Athletic Club Královské Vinohrady, benannt nach einem Prager Stadtteil. Doch schon ein Jahr später wurde er in Sparta Prag umbenannt. Und seitdem hat er sich zum erfolgreichsten Fußballclub des Landes gemausert. In der Vereinschronik stehen 36 nationale Meisterschaften und 14 Landespokalsiege zu Buche. Hinzu kommt der dreifache Gewinn des sogenannten Mitropacups. Dies war der erste große internationale Wettbewerb der Welt für Vereinsmannschaften. Er wird als Vorgänger des Europapokals beziehungsweise der Champions League gesehen.

Die Erfolge des Vereins sind auf mehrere Epochen verteilt. Eine besonders glanzvolle Ära waren die 1980er und 1990er Jahre. In dieser Zeit gewann Sparta binnen 17 Spielzeiten acht tschechoslowakische und sechs tschechische Meisterschaften. Zu den Protagonisten dieser Ära gehörten Július Bielik und Horst Siegl. Der mittlerweile 56-jährige Bielik erinnert sich noch gut an die Erfolgsmannschaft der 1980er Jahre:

Horst Siegl (Foto: David Sedlecký, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Horst Siegl (Foto: David Sedlecký, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) „Diese Mannschaft war hervorragend zusammengestellt. Sie wurde von den Trainern Vladimír Táborský und Dušan Uhrin systematisch aufgebaut. Zur Entfaltung ihrer ganzen Stärke hat sie aber Václav Ježek gebracht. Dieser Coach gab unserem Spiel seine Handschrift, jeder im Team hatte einen bestimmten Posten. Unsere größte Stärke war jedoch, dass alle Spieler Siegertypen waren.“

Und auch Horst Siegl, der in den 1990er Jahren als Torjäger herausstach, hat nur positive Erinnerungen an seine Zeit bei Sparta:

„In dieser Erfolgsära habe ich auch erfahren, was es bedeutet, mit Herz für Sparta Prag zu spielen. Der Kader des Teams war wirklich sehr gut zusammengesetzt, und nahezu jeder Spieler im Verein war eine Ikone. Stellvertretend für alle will ich nur drei Namen nennen: Torwart Jan Stejskal sowie die Stürmer Tomáš Skuhravý und Stanislav Gríga, in deren Fußstapfen ich gestiegen bin.“

Horst Siegl selbst wurde spätestens 1992 durch sein Tor zum 1:0-Sieg in der Champions League über den späteren Cupgewinner FC Barcelona berühmt. Dieser und etliche weitere Treffer haben ihm dann auch einen Bundesliga-Vertrag beim 1. FC Kaiserslautern beschert. In der Pfalz konnte der inzwischen 49-Jährige allerdings nicht überzeugen. Nicht mehr so attraktiv wie früher ist auch das, was der AC Sparta Prag in der jüngeren Vergangenheit zu bieten hatte. Im vergangenen Jahrzehnt ist der Verein nur zweimal Meister geworden, der letzte Titelgewinn liegt schon viereinhalb Jahre zurück. Und auch in dieser Saison spielen die Hauptstädter bisher nur eine Nebenrolle – hinter Tabellenführer Slavia Prag und Titelverteidiger Viktoria Pilsen liegen sie mit sieben beziehungsweise fünf Punkten Rückstand nur auf dem dritten Platz. Július Bielik und Horst Siegl aber sind optimistisch, dass ihr Herzensverein schon bald wieder in die Erfolgsspur zurückfindet.

20-11-2018