Tschechische Fußball-Liga erwartet nach Rückrunde noch Finalrunde

Am vergangenen Wochenende ist die erste tschechische Fußball-Liga, die sogenannte Fortuna:Liga, in ihre Restrückrunde gestartet. Bis zum Ende der Hauptrunde am 27. April stehen lediglich noch elf Spieltage auf dem Programm – so wenig wie noch nie zuvor in der Geschichte der Liga. Der Grund dafür ist ein neuer Modus.

Tomáš Bárta (Foto: Archiv des tschechischen Fußball-Ligaverbandes)Tomáš Bárta (Foto: Archiv des tschechischen Fußball-Ligaverbandes) Vier Spieltage der Rückrunde wurden bereits im vergangenen Herbst ausgetragen. Dies deshalb, weil die diesjährige Saison nach dem 30. Spieltag noch nicht zu Ende ist. Erst dann fallen nämlich alle wichtigen Entscheidungen in der Meisterschaft. Dazu wird die Liga in drei Leistungsgruppen aufgeteilt, erläutert der Exekutivdirektor des tschechischen Fußball-Ligaverbandes (LFA), Tomáš Bárta:

„Die erste Gruppe spielt um den Titel. Dafür qualifizieren sich die Mannschaften, die nach der Hauptrunde auf den Plätzen eins bis sechs liegen. In der zweiten Gruppe, in der die Teams auf den Rängen sieben bis zehn antreten, wird ein Anwärter für den letzten freien Platz zur Qualifikation für die Europa League ermittelt. Und die Mannschaften auf den Plätzen 11 bis 16 spielen gegen den Abstieg.“

Dušan Svoboda (Foto: ČT Sport)Dušan Svoboda (Foto: ČT Sport) Für diese Neuerung hat Ligaverbandschef Dušan Svoboda lange und hart gekämpft. Nun aber freut er sich, dass die Liga nach den Punktspielen noch eine Finalrunde austragen wird:

„Ich glaube, dass die zusätzlichen Begegnungen im Frühjahr für die Zuschauer sehr attraktiv sein werden. Und es freut mich, von den Managern oder Inhabern der Vereine zu hören, dass keiner von ihnen mit seinem Club die Saison beenden möchte mit Spielen, in denen es um nichts mehr geht. Durch die Neuerung haben wir quasi das sichere und ruhige Mittelfeld abgeschafft. Das gibt es nicht mehr.“

Eine ähnliche Meinung hat auch der Sportdirektor des Hauptstadtclubs Slavia Prag, Jan Nezmar:

Dušan Svoboda: „Ich glaube, dass die zusätzlichen Begegnungen im Frühjahr für die Zuschauer sehr attraktiv sein werden. Und es freut mich, von den Managern oder Inhabern der Vereine zu hören, dass keiner von ihnen mit seinem Club die Saison beenden möchte mit Spielen, in denen es um nichts mehr geht."

„Im ersten Moment fällt mir zu dem neuen Modus ein, dass es zum Ende der Saison eine ganze Reihe von attraktiven Duellen geben wird. Es werden in der Mehrzahl Spiele sein, in denen es um viel geht.“

Die Mannschaften, die um den Titel und gegen den Abstieg spielen, tragen jeweils fünf weitere Begegnungen aus, in denen jeder auf jeden trifft. Die nach Siegen oder Unentschieden gewonnenen Zähler werden zu den Punkten hinzuaddiert, die in der Hauptrunde erzielt wurden. Die Teams auf den Plätzen sieben bis zehn bestreiten zunächst zwei Duelle im K.o.-System. Die beiden Sieger ermitteln danach im direkten Vergleich den finalen Gewinner. Dieser darf abschließend eine Mannschaft aus der Titelrunde herausfordern. Je nach Ausgang des Pokalwettbewerbs wird dies der Tabellen-Vierte oder -Fünfte sein. Der Sieger dieser Paarung wird an der Qualifikation zur Europa League teilnehmen.

Um für all die Entscheidungen, die im Mai und Juni fallen, gut gewappnet zu sein, soll der Videobeweis so oft wie möglich zum Einsatz kommen. Gegenwärtig ist der Ligaverband in der Lage, drei Partien pro Spieltag mit der Videotechnik zu begleiten. Doch es wird emsig daran gearbeitet, die Zahl der Schiedsrichter zu erhöhen, die mit dem Videobeweis umgehen oder aber die Technik bedienen können. Exekutivdirektor Bárta:

Videoschiedsrichter (Foto: Tschechisches Fernsehen)Videoschiedsrichter (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Es wurden drei weitere Schiedsrichter ausgebildet, die nun Spiele pfeifen können, zu denen der Videobeweis eingesetzt wird. Und in einigen Wochen werden wir drei weitere Personen zum Videoschiedsrichter ausgebildet haben.“

Die Ausbildung ist nötig, will doch der Ligaverband in der kommenden Saison schon vier Begegnungen pro Spieltag mit Videotechnik abdecken. Dies sei eine ganz normale Entwicklung, die unumkehrbar sei, betont Ligaverbandschef Svoboda:

„Die Vertreter der kommerziellen Sphäre – und hier spreche ich nicht von den Tschechien – investieren heute bereits Dutzende bis Hunderte Millionen Euro in den Fußball. Und diese Sponsoren und TV-Gesellschaften wollen dann nicht erleben, dass das Finale der Champions League oder das einer Europameisterschaft durch ein Abseitstor oder einen unberechtigten Elfmeter entschieden wird.“

Jan Nezmar (Foto: YouTube)Jan Nezmar (Foto: YouTube) Für die drei Gruppen der Finalrunde sei gewährleistet, dass der Videobeweis in der Mehrzahl der Spiele zum Einsatz kommt, ergänzt Svoboda. Etwas anders sähe es aber in der Relegation aus:

„In den Spielen der Relegation haben wir ein Problem, denn für den Einsatz des Ü-Wagens mit der Videotechnik muss das jeweilige Stadion vorher geprüft werden. Also wird es hier mit Sicherheit den Videobeweis nicht geben, denn bis dahin schaffen wir es nicht, auch die Stadien der Zweitliga-Mannschaften darauf vorzubereiten.“

In der Relegation treten übrigens der Vierte und Fünfte der Abstiegsrunde sowie der Zweite und Dritte der zweiten Liga im Überkreuzvergleich gegeneinander an. Die Sieger der beiden Duelle spielen in der nächsten Saison im Oberhaus. Der Letztplatzierte der Abstiegsrunde steigt direkt ab, der Erste der zweiten Liga im Gegenzug auf.

Jan Nezmar: „Für mich hat der Vier-Punkte-Vorsprung, mit dem wir in die Restrückrunde gehen, noch keine entscheidende Bedeutung. Vor uns stehen noch etliche Spiele in der Hauptrunde sowie fünf weitere Begegnungen in der Titelrunde. Von daher ahnt noch niemand, was uns da erwartet."

Das Hauptaugenmerk der Neuerung liegt aber auf der Meisterrunde. Die Macher der Liga versprechen sich von ihr, dass der Titelkampf bis zuletzt sehr spannend bleibt. Da verwundert es jedoch, dass die Paarung des Ersten gegen den Zweiten der Hauptrunde schon für den zweiten Spieltag angesetzt ist. Tomáš Bárta erwiderte dazu auf eine entsprechende Journalistenfrage:

„Sie gehen vermutlich davon aus, dass die beiden Top-Clubs vor dem letzten Spieltag punktgleich sind. Wir aber sind der Meinung, dass die Partie Erster gegen Zweiter früher stattfinden muss. Vor dem fünften Spieltag könnte schon alles entschieden sein.“

Die beiden Mannschaften mit den größten Chancen auf den Titelgewinn sind Spitzenreiter Slavia Prag und Titelverteidiger Viktoria Pilsen. Vor dem Beginn der Restrückrunde hatten die Prager vier Punkte Vorsprung auf den Meister, der drittplatzierte FC Baník Ostrava folgte mit weiteren neun Punkten Rückstand. Für Slavia-Sportdirektor Jan Nezmar ist das aber noch kein Ruhekissen:

Slavia Prag - Teplice (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Slavia Prag - Teplice (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) „Für mich hat der Vier-Punkte-Vorsprung, mit dem wir in die Restrückrunde gehen, noch keine entscheidende Bedeutung. Vor uns stehen noch etliche Spiele in der Hauptrunde sowie fünf weitere Begegnungen in der Titelrunde. Diese Runde wird erstmals ausgespielt, von daher ahnt noch niemand, was uns da erwartet. Bestimmt werden wir dort interessante Spiele erleben, auf der anderen Seite aber wohl auch eine dramatische Zuspitzung ganz am Ende.“

Doch es kann auch anders kommen, und Slavia Prag sichert sich schon frühzeitig den Meistertitel. Am vergangenen Wochenende haben die Hauptstädter dazu jedenfalls einen weiteren Schritt getan. Sie gewannen ihr Heimspiel gegen Teplice mit 2:0, Verfolger Plzeň / Pilsen hingegen ließ beim 1:1 in Mladá Boleslav / Jungbunzlau zwei Punkte liegen. Der Vorsprung der Prager ist damit auf sechs Zähler angewachsen.