Altes Handwerk zum Mitmachen

02-09-2004

Eine Reise in die Vergangenheit, wer hätte nicht manchmal Lust darauf? Zu sehen, wie die Menschen früher lebten und arbeiteten? Ganz in der Nähe von Prag ist das möglich. Denn in dem kleinen Örtchen Ostra bei Lysa an der Elbe gibt es ein ganz besonderes Museumsdorf. Dort sind nicht nur böhmische Hütten aus dem 15. Jahrhundert zu sehen, dort begrüßen Musiker, Gaukler und Handwerker in historischem Gewand die Besucher. Und Kinder wie Erwachsene dürfen überall mitmachen. Sybille Korte hat sich umgesehen.

In kleinen Häusern aus Stroh, Lehm und Ziegeln arbeiten Handwerker. Ein Mann in Hose und Hemd aus grobem Leinen zeigt, wie früher Seile und Taue hergestellt wurden: Er bricht die trockenen Hanfpflanzen, zieht die Stengel durch die Hechel - ein mit Nägeln bestücktes Brett - dreht aus den langen gekämmten Fasern einen Faden und schlägt am Ende das Seil. Jeder, der will, kann es selber ausprobieren. Mitmachen und entdecken lautet das Prinzip in diesem Museumsdorf, erklärt die Gründerin Dana Hradecka.

"Die Idee zur Gründung unseres Dorfes war, jungen Menschen Handwerk und Künste zu zeigen, die in der Vergangenheit in Tschechien verbreitet waren und es heute noch sind. Wir wollen vor allem Kindern zeigen, wie die Dinge gemacht werden. Das sind nicht Dinge, die im Supermarkt gekauft werden können und nach Gebrauch weggeworfen werden. Ihre Herstellung braucht Zeit, sie haben einen Wert. Kinder verstehen ein Ding besser, wenn sie sehen, wie es gemacht wird und es selber herstellen können. Das ist das Prinzip unseres lebendigen Freilichtmuseums."

Der in mittelalterlicher Manier nachgebaute Weiler in Ostra rund 35 Kilometer östlich von Prag gehört zu Hradeckas Firma "Botanicus". Dieses Unternehmen stellt Kosmetik, Kräutertees, Seifen, Öle und Marmeladen aus biologischem Anbau her. Die Gärten der Firma "Botanicus" liegen direkt neben dem Museumsdorf. Die neunjährige Judith, die in Prag lebt, ist schon zum zweiten Mal mit ihren Eltern nach Ostra gekommen. Sie geht hier sehr gerne auf Entdeckungstour.

"Also ich habe Nägel gemacht mit dem Schmied und das hämmert ganz schön. Dann habe ich Papier gemacht, da hat man so einen Rahmen und so ein Sieb und da tut man diese Masse rein und dann lässt man das Wasser auslaufen und dann presst man das und lässt das trocknen."

Das Angebot an Aktivitäten reicht für einen ganzen Tag: Kinder und Erwachsene können töpfern, Korb flechten, Seifen rollen, Gold suchen, schnitzen und Steine behauen oder einfach in den Gärten spazieren gehen. In einer großen Gildehalle gibt es an langen Holztafeln Gegrilltes zu essen und andere einfache Gerichte, wie sie schon vor 500 Jahren auf den Tisch kamen.

Das Botanicus-Freilichtmuseum ist noch bis zum 25. September geöffnet, täglich außer montags von 10 bis 17. Uhr. Samstags gibt es meist ein besonderes Programm rund um ein Thema. So dreht sich am 4. September alles um die "Geheimnisse der Alchemie" zu Zeiten Rudolf II. Und noch ein Tipp: Wenn sich alle Familienmitglieder passend zum Thema der Zeitreise verkleiden haben, zahlen sie nur die Hälfte des normalen Eintrittspreises. Weitere Informationen unter www.botanicus.cz im Internet.

02-09-2004