Bier aus Tschechien: Export-Boom und kaum Nachwuchs

24-10-2019

Tschechisches Bier ist im Ausland sehr beliebt. Manchmal holen sich Brauereien in Übersee auch gleich das Personal aus Böhmen oder Mähren. Doch das macht sich bei den heimischen Produzenten bemerkbar. Denn hierzulande fehlt es empfindlich an Fachkräften.

Foto: Michal Sänger, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0Foto: Michal Sänger, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0 Ob in Los Angeles, Paris oder Kalkutta – tschechisches Bier ist so begehrt wie nie. Besonders bei Bierliebhabern in Südkorea steht immer öfter ein Budvár oder Pilsner Urquell auf dem Tisch. Der Export in das ostasiatische Land hat sich laut dem tschechischen Brauereiverband seit 2012 verfünffacht. Verbandschefin Martina Ferencová bestätigt, dass Bierproduzenten aus Tschechien mittlerweile zu soliden Exportunternehmen geworden sind:

„Das tschechische Bier hat international einen guten Ruf. Die heimischen Produzenten spüren, dass der tschechische Markt seine Grenzen hat und suchen deshalb bewusst nach Absatzmärkten im Ausland. Manche wagen sich da schon in sehr exotische Gebiete. Eine Perle vom vergangenen Jahr ist der Export in die Antarktis.“

Ladislav Veselý (Foto: Elena Horálková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Ladislav Veselý (Foto: Elena Horálková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Dabei konnten sich Forscherteams über ein kühles Helles nach Feierabend freuen. Doch ist in Übersee nicht nur das fertige Produkt gefragt. Immer öfter wird auch die Expertise importiert. So stand beispielsweise der Braumeister Ladislav Veselý an Gärbottichen in der ganzen Welt. Dabei konnte er aber auf eine Sache nicht verzichten:

„Immer wenn ich im Ausland gebraut habe, war ich darum bemüht, Zutaten aus Tschechien zu bekommen. Denn ein richtiges Bier Pilsner Brauart bekommt man aus Trockenhefe einfach nicht hin. Deswegen habe ich mir sogar nach Japan echte gepresste Bierhefe liefern lassen.“

Mittlerweile braut Ladislav Veselý sein Bier wieder in Tschechien.

Foto: Sharon Drummond, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0Foto: Sharon Drummond, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0 Doch die Auslandseinsätze tschechischer Meister des Faches könnten für die heimischen Betriebe schon bald zum Problem werden. Denn hierzulande fehlt es massiv an Fachkräften. Vor allem mangelt es an Nachwuchs, denn die Braukunst ist als Ausbildungsberuf nicht besonders attraktiv für Schulabgänger. So haben sich beispielsweise an der Prager Fachschule für Nahrungsmitteltechnologie in diesem Jahr nur 45 Lehrlinge für das entsprechende Fach eingeschrieben. Und um die würden sich die Betriebe regelrecht prügeln, meint Schulleiter Milan Chmelář:

„Wir bräuchten viel mehr Lehrlinge in dem Fach. Es herrscht ein echter Kampf auf dem Arbeitsmarkt um diese Experten. Die Brauereien müssen merken, dass sich eine Partnerschaft mit uns lohnt. Denn nur so können sie sich dann auch Lehrlinge für eine langfristige Zusammenarbeit aussuchen. Bei dem Konkurrenzkampf müssen sie aber auch gleich Eindruck machen auf unsere Schützlinge. So könnten die Betriebe uns Inserate übermitteln, welche Stellen konkret offen sind bei ihnen.“

Pavel Palouš (Foto: YouTube)Pavel Palouš (Foto: YouTube) Immerhin versuchen viele Brauereien, Lehrlinge durch Praktika an sich zu binden. Sogenannte Minibrauereien – die weiterhin wie Pilze aus dem Boden schießen – gehen auch andere Wege. Unter anderem teilen sie sich ihre Braumeister oder ziehen eigene durch Abendkurse heran. Solche Lehrgänge leitet unter anderem Pavel Palouš von einer kleinen Prager Brauerei:

„Mittlerweile haben bereits rund 100 Menschen meinen Kurs absolviert. Allein in Prag sind schon etwa 20 Minibrauereien entstanden, die von einem meiner Kursteilnehmer betrieben werden. Das Interesse ist enorm, und das nicht nur in Tschechien.“

24-10-2019