Coronakrise: Tschechien hilft Gewerbetreibenden

27-03-2020

Viele kleine Läden müssen derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Das trifft auch die tschechischen Gewerbetreibenden schwer. Nun hat die Regierung in Prag ein Hilfspaket beschlossen. Aber ist das auch genug?

Illustrationsfoto: Free-Photos, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Free-Photos, Pixabay / CC0 Jana Laušová betreibt im Prager Stadtteil Vršovice einen Kosmetiksalon. Als die tschechische Regierung beschloss, dass nur noch die Geschäfte für den nötigsten Bedarf geöffnet haben dürfen, musste auch sie dicht machen:

„Vor der Krise hatte ich 45 Kundinnen, alle ihre Termine musste ich absagen. Dieser Ausfall macht sich in unserem Familienbudget bemerkbar.“

Nun muss Jana Laušovás Ehemann komplett für die Einkünfte der Familie sorgen. Er hat einen Kosmetik-Handel aufgebaut. Das Geschäft hat Miroslav Lauš zwar bisher nicht schließen müssen, doch so richtig hilft das nicht…

„Zwei Tage lang hatte ich offen, aber es kam kein einziger Kunde. Deswegen hab ich den Laden nun geschlossen, um Strom und Heizkosten zu sparen. Dadurch haben wir von einem auf den anderen Tag rund 90 Prozent unserer Einkünfte verloren“, so der Unternehmer.

Alena Schillerová (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)Alena Schillerová (Foto: ČTK / Kateřina Šulová) Für solche Fälle hat das tschechische Regierungskabinett nun finanzielle Hilfen beschlossen. Am Mittwoch sagte Finanzministerin Alena Schillerová (parteilos):

„Wir greifen mit der Zahlung von 15.000 Kronen im Monat all jenen Gewerbetreibenden unter die Arme, deren Geschäfte wir wegen des Kampfs gegen das Coronavirus haben schließen lassen oder die jetzt ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können.“

15.000 Kronen entsprechen derzeit knapp 540 Euro. Außerdem müssen Gewerbetreibende ohne Einnahmen für die Zeit von März bis August keine Sozialversicherungspauschale abführen. Für das halbe Jahr bedeutet dies eine Einsparung von 30.000 Kronen, also knapp 1100 Euro. Für die Familie von Jana Laušová reicht das aber nicht, gesteht die Kosmetikerin:

Karel Havlíček (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)Karel Havlíček (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl) „Wir müssen eine Lösung dafür finden, wie wir im April die Miete und die Nebenkosten bezahlen können und auch sonst über die Runde kommen. Deswegen werde ich sicher von der Möglichkeit Gebrauch machen, jetzt eine Erziehungsbeihilfe zu beantragen. Denn meine Kinder sind neun und zwölf Jahre alt.“

Diese Beihilfe zahlt der Staat neuerdings auch an Gewerbetreibende, wenn sie Kinder im Alter bis zu 13 Jahren in ihrem Haushalt großziehen. Dazu Wirtschaftsminister Karel Havlíček (parteilos):

„Die Höhe liegt bei 424 Kronen am Tag, der maximale Gesamtumfang bei 13.144 Kronen im Monat.“

Letzteres entspricht in etwa 470 Euro. Schon zuvor hat die tschechische Regierung beschlossen, dass Gewerbetreibende ihre Steuererklärung für 2019 erst später abgeben müssen.

27-03-2020