Firmen beklagen dramatischen Arbeitskräftemangel – Umfrage der DTIHK

06-12-2016

Seit Jahren bereits ist dies ein Thema für die Industrie in Tschechien: Es fehlen die Arbeitskräfte. Firmen berichten mittlerweile über eine dramatische Lage. Und dies bestätigt auch eine Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer, deren Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht wurden.

Uwe Hengstermann (Foto: Archiv BORGERS CS)Uwe Hengstermann (Foto: Archiv BORGERS CS) Es sind Firmen wie die Borgers Group, die dies besonders spüren. Der Textilhersteller aus Bocholt beliefert die Automobilindustrie. Seit 21 Jahren hat das Familienunternehmen ein Werk im westböhmischen Rokycany / Rokitzan. Dort sind 3400 Menschen beschäftigt, doch mittlerweile fehlen einfach die Arbeitskräfte. Und das durchkreuzt auch die Firmenpläne. Uwe Hengstermann ist CEO von Borgers in Tschechien:

„Uns schränkt das so ein, dass wir in Tschechien erst einmal nicht weiter wachsen werden. Nicht, weil wir nicht könnten oder wollten, sondern weil es weder Personal noch Fachkräfte gibt.“

Deswegen wurden beispielsweise schon rund 1000 Arbeiter aus Bulgarien und Rumänien angeworben. Auf mittlere Sicht bedeutet die Lage für das mittelständische Unternehmen aber, die Produktion weiter zu automatisieren.

Illustrationsfoto: Joonspoon, CC BY-SA 4.0Illustrationsfoto: Joonspoon, CC BY-SA 4.0 „Und das erfordert dann wieder mehr Programmierer und mehr Fachkräfte, womit tut sich das nächste Thema auftut. Aber das ist der Weg, den wir jetzt gehen werden.“

Denn tatsächlich fehlen hierzulande auch IT-Spezialisten, Elektroniker und selbst Bürokaufleute.

Borgers ist Mitglied der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer. Diese hat nun die Firmen hierzulande befragt. Etwa 3000 Briefe gingen hinaus, nicht nur an Mitglieder, sondern auch an weitere Hersteller. 216 Betriebe haben geantwortet. Es waren zu fast zwei Dritteln Unternehmen aus der Industrieproduktion, die meisten von ihnen kleine und mittelständische. Christian Rühmkorf leitet die Öffentlichkeitsarbeit der Handelskammer:

Christian Rühmkorf (Foto: Archiv DTIHK)Christian Rühmkorf (Foto: Archiv DTIHK) „Die Kernfrage, die wir gestellt haben, betraf die Verfügbarkeit von Fachkräften. Da kam ein ziemlich dramatisches Ergebnis heraus: Über 85 Prozent der befragten Firmen finden nicht ausreichend Fachkräfte mit Berufsausbildung. In unserer Umfrage von 2012 waren es mit 69 Prozent bereits enorm viele gewesen. Und jetzt haben wir noch einmal eine Steigerung um 16 Prozentpunkte.“

Der Hintergrund ist: Das Berufsschulsystem in Tschechien ist dringend reformbedürftig. Die amtierende Regierung hat dies auch erkannt. Aber es geht aus Sicht der Industrie nur schleppend voran. Dabei sind viele Firmen bereit, sich an einer Art dualer Ausbildung wie in Deutschland oder Österreich zu beteiligen. Dies hat die Umfrage erstmals gezeigt. Christian Rühmkorf:

„Die Frage lautete: Würde Ihr Unternehmen die Verantwortung für den betrieblichen Teil der Ausbildung übernehmen? Bei der Zahlung einer Ausbildungsgrundvergütung, die wichtig ist, erklärten sich zumindest in der Umfrage 82 Prozent dazu bereit. Einen Ausbildungsvertrag mit den Azubis würden 78 Prozent der Firmen abschließen.“

Foto: Google Street ViewFoto: Google Street View Viele Unternehmen versuchen auf eigene Faust, mit Berufsschulen zu kooperieren. Diese haben aber teils andere Ziele als die Industrie. Das liegt unter anderem daran, dass die Berufsschulen bisher noch eine „Kopfgeldprämie“ je Azubi erhalten. Kurze und billige Ausbildungsgänge sind daher attraktiver als etwa anspruchsvolle wie der zum Mechatroniker. Davon kann man auch bei der Borgers Group ein Lied singen.

„Wir haben schon gesagt, wir würden die Räumlichkeiten dafür stellen, eine Lehrwerkstatt, Ausbilder, einfach alles. Aber die Schulen sind einfach nicht dazu bereit, den letzten Schritt zu gehen und sich umzustellen. Sie bilden lieber weiter Köche und Kellner aus, mit denen sie die Klassen schnell vollbekommen können“, so Uwe Hengstermann.

06-12-2016