Flüchtlinge: Strafen wegen blinden Passagieren

26-02-2020

Zahlreiche tschechische Lkw-Fahrer haben Flüchtlinge auf der Ladefläche, ohne dies zu wissen. Beispielsweise in Großbritannien werden sie dann wegen Schlepperei verurteilt. Doch es gibt Wege, um sich zu schützen.

Foto: Petr Kološ, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Petr Kološ, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Viele Speditionen aus Tschechien liefern Waren nach Großbritannien. Bei der Überfahrt vom französischen Calais nehmen sie aber oft Flüchtlinge mit, von denen sie in der Regel nichts wissen. Auf der anderen Seite in Dover kann das aber teuer werden. Vor einiger Zeit schilderte ein Lkw-Fahrer für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks seine Erfahrungen:

Vojtěch Hromíř (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Vojtěch Hromíř (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ob die Flüchtlinge nun die Planen der Ladefläche aufschlitzen oder die Lieferung beschädigen, das interessiert in Frankreich niemanden. Wenn man die blinden Passagiere vor dem Grenzübertritt in Frankreich entdeckt, dann ist das noch gut. Danach ist man schon auf dem Gebiet Großbritanniens, und dort drohen Ermittlungen und ein Bußgeld von 2000 Pfund für jeden Migranten.“

Die umgerechnet rund 2400 Euro pro Kopf sind jedoch nicht die einzige Strafe. Die Fahrer können außerdem wegen Schlepperei zu einer Freiheitsstrafe von bis zu 14 Jahren verurteilt werden. Der tschechische Spediteurs-Verband macht seit Langem auf das Problem aufmerksam. Es seien so bereits mehrere Dutzend Tschechen verurteilt worden, erläutert Verbandssprecher Vojtěch Hromíř. Und vor allem jetzt dürften die Zahlen steigen:

Tomáš Zdechovský (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Zdechovský (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Es gibt Zeiten, da warten mehr Migranten in den Haltezonen auf eine Mitfahrgelegenheit. So beispielsweise in Calais vor der Hafeneinfahrt. Nun ist es zum Brexit gekommen, und alle sind gespannt darauf, was sich im kommenden Jahr ändern wird. Das wissen auch die Flüchtlinge, die nun in letzter Minute nach England rüber wollen.“

Mittlerweile befasst sich auch das Europäische Parlament mit den Strafen für die Spediteure. Denn sie betreffen bei weitem nicht nur Fahrer aus Tschechien. Tomáš Zdechovský sitzt für die Christdemokraten im Straßburger Plenarsaal:

„In den vergangenen drei Jahren haben wir mit rund 1000 betroffenen Fahrern gesprochen und ebenso mit ihren Familien und Firmen. Zu den Betroffenen gehören insbesondere auch Bürger der Slowakei, Rumäniens und Polens. Mindestens 15 von ihnen sitzen in Frankreich und Großbritannien wegen Schlepperei in Haft.“

Foto: TV PrimaFoto: TV Prima Außerdem betont Zdechovský, dass vor allem organisierte Banden die Lage der Flüchtlinge ausnutzen und sie zu blinden Passagieren machen.

Dabei könnten die Transportunternehmen die horrenden Strafen vermeiden. Es gibt nämlich durchaus Möglichkeiten für die Fahrer, die Verantwortung von sich zu weisen, sollten illegale Flüchtlinge auf der Ladefläche ihres Lkws entdeckt werden. Pavel Pitel vom tschechischen Außenministerium macht in diesem Zusammenhang auf Vereinbarungen mit London aufmerksam:

„Man kann sich beim britischen Verkehrsministerium freiwillig registrieren lassen. Dieses hat einen Maßnahmenkatalog für Lkw-Fahrer herausgegeben, mit Regeln für jeden Zwischenstopp. Hält man sich daran, hat man eine gewisse Sicherheit, falls die französische oder die britische Polizei illegale Migranten auf der Ladefläche finden sollte. Wenn der Fahrer nachweisen kann, dass er alles Nötige dafür getan hat, um das zu verhindern, dann kommt er ohne Strafe davon.“

26-02-2020