Gelder aus Verkauf der Cesky Telecom sollen in den Straßenbau fließen

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Knapp zwei Monate ist es nun her, seitdem sich der tschechische Staat und der Telekommunikationsriese Telefónica in Prag das "Ja-Wort" gegeben und den Vertrag über den Verkauf des 51-prozentigen Aktienanteils der Gesellschaft Cesky Telecom an das spanische Unternehmen unterzeichnet haben. Da es sich hierbei um zwei europäische Partner handelt, muss jedoch auch die Europäische Kommission ihren Segen zu dieser "Zweckheirat" geben, was am Dienstag geschehen ist. Daher macht sich die Prager Regierung spätestens seit Mittwoch ernsthafte Gedanken, wie sie die aus der Privatisierung erworbenen Geldmittel am sinnvollsten in Finanzierungen und Ressorts investieren kann. Lothar Martin berichtet.

82,6 Milliarden Kronen, das sind rund 2,75 Milliarden Euro, erhält der tschechische Staat aus dem Verkauf seines Mehrheitsanteils an der Gesellschaft Cesky Telecom. Einen Teil davon haben die Spanier bereits überwiesen, auch wenn erst mit der Zustimmung der Europäischen Kommission seit Dienstag feststeht, dass die Übernahme der ertragsreichsten Telekommunikationsgesellschaft Osteuropas dem EU-Recht entspricht. Der Prager Regierung aber - wie die meisten Staatverwaltungen der europäischen Länder immer knapp bei Kasse - kommt der warme Geldregen jedoch sehr gelegen. Zu vieles auf einmal muss finanziell geschultert werden, um die Bürgerschaft zufrieden zu stellen. Daher hat das Finanzministerium auf der Kabinettssitzung am Mittwoch bereits einen Vorschlag eingebracht, wofür ein Fünftel des Geldes - der Betrag von 16,5 Milliarden Kronen - verwendet werden solle. Radek Nemecek vom genannten Ministerium sagte dazu:

"Das Finanzministerium schlägt vor, dass diese Mittel dem Nationalen Eigentumsfonds überwiesen werden und dass sie im kommenden Jahr als Subvention insbesondere dem Staatlichen Fonds für Verkehrsinfrastruktur und des Weiteren zur Deckung der Kosten bei der Beseitigung alter ökologischer Belastungen verwendet werden."

Mit anderen Worten, der tschechische Staat will endlich mehr Geld in den überfälligen Ausbau und die Reparatur des Autobahn- und Straßennetzes sowie in die Wiederbelebung der durch den Kohletagebau und andere naturintensive Industriezweige enorm belasteten Landstriche investieren. Ein löbliches Vorhaben, das jedoch noch viel größerer Anstrengungen bedarf. Auf der anderen Seite hat aber auch die spanische Telefónica für ihr Geld mit dem Kauf der Cesky Telecom einen ebenso guten Griff getan. Die tschechische Gesellschaft betreibt nämlich 3,4 Millionen Festnetzanschlüsse und mittels ihrer Tochter Eurotel auch 4,6 Millionen mobile Telefonverbindungen, was fürwahr eine gute Mitgift ist. Und mit diesem Potenzial will Telefónica in Zukunft den telekommunikativen Markt in ganz Osteuropa erobern.