Im Labor der Normalisierung: In Jan Palachs Geburtsort entsteht ein Museum

19-01-2015

Am 19. Januar 1969 starb Jan Palach, drei Tage nachdem er sich auf dem Prager Wenzelsplatz selbst mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Seinem Protest, dessen Beispiel kurz darauf noch zwei junge Männer folgten, war 1969 der letzte große Aufschrei gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt-Staaten. Danach senkte sich die bleierne Zeit der „Normalisierung“ über die Tschechoslowakei senkte. Doch woher kam Jan Palach, und was geschah mit seinem Geburtsort nach seinem Tod? Das soll nun eine neue Gedenkstätte in Všetaty nördlich von Prag beleuchten.

Jan Palach (Foto: Tschechisches Fernsehen)Jan Palach (Foto: Tschechisches Fernsehen) Jan Palach gilt heute als der personifizierte Widerstand gegen das sozialistische Regime und das Ende des Prager Frühlings. In Tschechien sind Schulen und Straßen nach ihm benannt, auch der Platz vor der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität trägt seit 1989 wieder seinen Namen. Nun soll in Palachs Geburtsort Všetaty ein Museum entstehen. Das Nationalmuseum hat das Haus, in dem Palach aufgewachsen ist, für sechs Millionen Kronen gekauft. Michal Lukeš ist der Leiter des Tschechischen Nationalmuseums:

„Das ganze Areal soll zu einem allgemeingültigen Denkmal für Jan Palach werden. In Všetaty soll zunächst eine Gedenkstätte entstehen, die nicht nur an diese Tat erinnert, sondern sich generell mit der Frage der Selbstaufopferung und dem Widerspruch, der dieser Tat innewohnt, auseinandersetzt. Damit meine ich die Tatsache, dass jemand sein Leben für die Freiheit opfert, die ihm offenbar mehr bedeutet als sein eigenes Leben. Das soll dort auf eine emotionale Weise zum Ausdruck gebracht werden.“

Die Gedenkstätte soll in Palachs Geburtshaus entstehen (Foto: Radek Duchoň, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Die Gedenkstätte soll in Palachs Geburtshaus entstehen (Foto: Radek Duchoň, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Für die Gestaltung der Gedenkstätte ist nun bis Ende März ein architektonischer Wettbewerb ausgeschrieben. Daneben soll in dem Museum natürlich das kurze Leben des jungen Philosophie-Studenten Palach im Mittelpunkt stehen. Michal Lukeš:

„Ein weiterer Bestandteil des Museums wäre ein kleiner Neubau, in dem eine Ausstellung Platz findet, die den Besuchern die grundlegenden Informationen näherbringen soll. Zum Beispiel junge Menschen, die noch nicht so viel über ihn wissen, sollen dort erfahren, wer dieser Jan Palach überhaupt war. Das umfasst auch die historischen Umstände rund um die Jahre 1968 und 1969.“

Die Umstände, damit sind insbesondere auch die Folgen für den kleinen Ort Všetaty gemeint. Weil Palachs Grab in Prag schnell zum Pilgerort des Widerstandes wurde, ließ das Regime die Urne 1973 nach Všetaty umbetten. Um dort Zusammenkünfte zu verhindern, fuhren um die Zeit von Palachs Todestag keine Züge nach Všetaty. Der Historiker Petr Blažek forscht seit Jahren zu Palach und gehört nun zur Arbeitsgruppe für das neue Museum. Gerade für die historische Forschung sei Všetaty von herausragender Bedeutung:

Petr Blažek (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Blažek (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ich würde sagen, Všetaty war eine Art Labor der Normalisierung, so haben es meine Historikerkollegen und ich bereits bezeichnet. Dort wurde mit viel stärkeren Mitteln als anderswo versucht, das Rückgrat der Leute zu brechen. Die Schicksale der Menschen waren viel dramatischer. Deshalb finde ich es sehr gut, dass gerade dort ein Museum entsteht. Es wird mit Sicherheit kein totes Museum, sondern eine Gedenkstätte, die die Menschen und insbesondere auch die kommenden Generationen ansprechen soll.“

Auf ein Eröffnungsdatum für das neue Museum will sich bislang noch niemand festlegen, im Gespräch ist das Jahr 2018. Zudem jährt sich Palachs Todestag in vier Jahren zum 50. Mal. Dass sein Erbe auch heute noch ganz unmittelbar interpretiert wird, hat sich am vergangenen Wochenende gezeigt. Bei einem Gedenkmarsch für Palach durch die tschechische Hauptstadt waren kritische Stimmen an Staatspräsident Zeman zu hören. Verschiedene Organisationen protestierten gegen dessen wiederholte russlandfreundliche Äußerungen in der Ukraine-Krise.

19-01-2015

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