Jablonecer Firma baut das größte Handy der Welt

07-02-2005

Dass es oftmals eine kluge Idee ist, gegen den Strom zu schwimmen, erfährt derzeit die die tschechische Elektonikfirma Jablotron. Während Handys immer kleiner werden, stellte das Unternehmen aus dem nordböhmischen Jablonec / Gablonz jüngst das größte Mobiltelefon der Welt vor. Und hat damit ungeahnten Erfolg. Mehr von Thomas Kirschner.

"Handy" mag man zu dem neuen Telefonmodell der Firma Jablotron nicht recht sagen - was dort vor einem steht, ist ein ausgewachsenes klassisches Tischtelefon, bei dem aber das Anschlusskabel fehlt. Ein großes Display und eine integrierte Schreibmaschinentastatur erleichtern den Umgang mit SMS-Kurzmitteilungen; große Tasten und ein einfache Menüführung helfen allen, die mit den gewöhnlichen Mobiltelefonen schlecht zurecht kommen. Was anfangs nur als Nebenprodukt des Herstellers von Sicherheitstechnik gedacht war, stellte sich schnell als glücklicher Einfall heraus, so Dalibor Dedek, der Generaldirektor von Jabloton:

"Unser ursprünglicher Gedanke war, das Telefon älteren Menschen anzubieten und solchen, die Probleme damit haben, kleine und komplizierte Geräte zu bedienen. Als wir das Telefon vorgestellt haben, hat sich allerdings gezeigt, dass vor allem Mobilfunkbetreiber daran Interesse haben, die damit die Festnetzanschlüsse angreifen wollen. Denn in vielen Ländern muss man schon dafür eine Monatspauschale zahlen, dass einem ein Kabel ins Haus gelegt wurde. Unser Telefon bietet die gleichen Dienste, kostet aber, je nach Vertrag mit dem Betreiber, keine zusätzliche Grundgebühr."

Seit das Telefon im November vorgestellt wurde, sind bei Jablotron bereits 150 000 Bestellungen eingegangen - größtenteils von Mobilfunkbetreibern, die die Geräte dann an ihre Kunden weitergeben. Für das 200-Mitarbeiter-Unternehmen bedeutet dies Arbeit für mehr als ein Jahr. Vielleicht wird man sich also bald an den Anblick gewöhnen müssen, dass Menschen im Park und in der Straßenbahn mit einem fast ganz gewöhnlichen Tischgerät telefonieren. Generaldirektor Dalibor Dedek hat es jedenfalls bereits probiert:

"Wenn Sie mit dem Telefon auf der Straße telefonieren, dann sehen Sie natürlich schon sehr eigentümlich aus. Ich selbst habe damit aber auch schon meinen Tagesplan abgesprochen, als ich morgens im Imbiss frühstücken war - das ist viel bequemer als mit einem normalen Handy, weil man den Hörer zwischen Schulter und Ohr klemmen kann. Also: Benutzen kann man das Telefon überall, auch wenn es natürlich nicht dafür gedacht ist, um mit auf den Ausflug genommen zu werden. Es soll vielmehr da zum Einsatz kommen, wo es keinen Festnetzanschluss gibt oder man dafür nicht extra zahlen will."

07-02-2005