Mit Richard Gere und einer Eröffnungsparty für alle: 50. Filmfest Karlsbad

Richard Gere (Foto: Myrna Suarez)

Nur noch dreimal schlafen, und dann beginnen Feiertage für Kinoenthusiasten: Am Freitag startet das Internationale Filmfestival im westböhmischen Karlovy Vary / Karlsbad. Und das schon zum 50. Mal. Was wird aber zum Jubiläum geboten?

Karel Och  (Foto: Ian Willoughby)
Die Festivaleröffnung, sie ist jedes Jahr das Schaulaufen. Hier wollen die Stars und Sternchen gesehen werden. Doch diesmal wird jeder VIP sein, auch der Fan mit Rucksack. Karel Och ist künstlerischer Leiter des Festivals:

„Uns sind die Besucher immer am Herzen gelegen, und Karlsbad gehört unter den bedeutenden Filmfestivals zu den besucherfreundlichsten – wenn man zum Beispiel die Zahl der Tickets nimmt, die man im freien Verkauf erwerben kann, oder die Möglichkeiten, den Filmschaffenden zu begegnen. In diesem Jahr pflegen wir ganz besonders die Beziehung zu den Besuchern, und das am deutlichsten beim Eröffnungsabend. Der Galaabend mit der großen Party zieht dafür aus dem Hotel Thermal auf die Straße um.“

Richard Gere  (Foto: Myrna Suarez)
Unter anderem tritt dann die tschechische Rockband Lucie auf. Internationale Filmgrößen werden aber selbstverständlich auch dabei sein. So kommt Hollywood-Schauspieler Richard Gere nach Karlsbad. Festivaldirektor Jiří Bartoška:

„Schon zweimal haben wir mit ihm verhandelt. Einmal hat er sich auf lustige Weise entschuldigt, dass er vom Dalai Lama auf eine Weltreise eingeladen sei. Jetzt war ihm das wohl langsam unangenehm und er hat zugesagt.“

Einen Obdachlosen verkörpert Richard Gere in seiner neuesten Rolle, dieser Film mit dem Titel „Time Out of Mind“ von Nachwuchsregisseur Oren Moverman wird beim Eröffnungsabend gezeigt. Zweiter Stargast ist Harvey Keitel.

Bei den Filmen bietet Karlsbad allein im Hauptwettbewerb sieben Weltpremieren und sechs internationale Premieren. Zu den 13 Streifen gehört auch ein deutscher Film, auf den der künstlerische Leiter Karel Och besonders hinweist.

„Ich würde mir auf jeden Fall den deutschen Wettbewerbsfilm mit dem Titel ‚Heil‘ nicht entgehen lassen. Es ist eine Satire auf Neonazis, aber nicht in ernster Weise, sondern etwas punkig, ausgelassen und zugleich sehr scharf. Der talentierte Regisseur Dietrich Brüggemann hat damit einen Film gemacht über ein Thema, das leider auch bei uns sehr wichtig ist, und dieser sollte von möglichst vielen Zuschauern gesehen werden.“

Um den Kristallglobus für den Hauptpreis wird zudem ein tschechischer Streifen ins Rennen gehen. „Domácí péče“ (Home Care), so der Titel, ist das Spielfilmdebüt von Slávek Horák, mit herausragender schauspielerischer Besetzung.

Karlsbad  (Foto: Kristýna Maková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
Für den Ruf des Festivals ist jedoch der Hauptwettbewerb nicht ganz so bedeutend wie eine weitere Wettbewerbssektion.

„Der Wettbewerb ‚Östlich des Westens‘, bei dem A- und B-Filme aus Ostmitteleuropa, vom Balkan und aus den ehemaligen Sowjetrepubliken gezeigt werden, ist das Flaggschiff des Festivals. Damit stellen wir talentierte Künstler aus unserer Region der Welt vor. Jedes Festival sollte sich auf etwas spezialisieren, das ausländische Profifilmemacher anlockt, und das sind eben diese Filme“, so Karel Och.

Insgesamt bestehen vier Wettbewerbssektionen in Karlsbad. Daneben sind sicher viele weitere Entdeckungen möglich.

Autor: Till Janzer
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