Mutmaßlicher Serienmörder - Fehler des Krankenhauses und neue Details

06-12-2006

Nachdem ein mutmaßlicher siebenfacher Krankenhausmörder am Freitag vergangener Woche verhaftet wurde, kommen nun immer neue Details über die schreckliche Tat ans Licht. So erfuhren Angehörige der Opfer zum Teil erst aus der Presse die Wahrheit, warum ihre Verwandten in der Klinik verstarben. Zudem ist Kritik laut geworden am Vorgehen des Krankenhauses in Havlickuv Brod, wo der ehemalige Pfleger die Patienten mithilfe eines Medikaments getötet haben soll.

Krankenhaus in Havlickuv Brod (Foto: CTK)Krankenhaus in Havlickuv Brod (Foto: CTK) Am 11. Juni dieses Jahres soll das vermeintlich erste Opfer an Blutungen gestorben sein, ein 68-jähriger Mann, der auf der Intensivstation lag. Bei ihm wie bei den anderen stellte die Krankenhausleitung in Havlickuv Brod später fest, dass eine hohe Dosis des Medikaments Heparin verabreicht worden war. Das Mittel verdünnt das Blut und wird normalerweise gegen Blutgerinnsel eingesetzt. Das letzte Opfer soll eine 83-jährige Frau gewesen sein, die am 24. September starb. Kurz darauf wurde der mutmaßliche Mörder aus dem Krankenhaus entlassen und die Leitung der Klinik erstattete Anzeige. Doch laut dem Rat des Landkreises Böhmisch-Mährische Höhe war dies nicht ausreichend. Deswegen wurde am Dienstag der Leiter des Krankenhauses in Havlickuv Brod abberufen. Dazu Kreishauptmann Milos Vystrcil:

"Der Kreisrat ist zur Ansicht gelangt, dass die Entwicklung des Falles nicht gut gemanagt wurde. Uns haben zwei Sachen gestört: Zum einen war die Kommunikation mit der Leitung des Kreises schlecht. Wir haben von dem Fall erst am Samstagabend von der Polizei erfahren. Als wir dann alles aufgeschlüsselt hatten, stellten wir fest, dass der Pfleger bereits am 26. September auf der Basis gegenseitigen Übereinkommens entlassen worden war. Erst am 1. Dezember wurde er von der Polizei festgenommen, er konnte sich also praktisch 66 Tage lang frei bewegen."

Auch stehen mittlerweile einige Fragezeichen hinter den Ermittlungsarbeiten der Polizei in Ostböhmen. So ist nicht ganz klar, wie viele Menschen der ehemalige Pfleger auf dem Gewissen haben könnte. Der Anwalt des Verhafteten behauptete am Dienstag jedenfalls, dass sich sein Mandant in den Polizeiverhören zu acht Morden bekannt hätte. Die Polizei hatte aber nur von sieben gesprochen. Laut Polizeisprechern soll die Öffentlichkeit erst kommende Woche mehr dazu erfahren.

In Tschechien ist man jedenfalls geschockt, wie unbehelligt der mutmaßliche Serienmörder in dem Krankenhaus vorgehen konnte. Gesundheitsminister Tomas Julinek hat nun alle Krankenhäuser im Land dazu aufgerufen, sich um eine internationale Zertifizierung im Bereich Sicherheit zu bemühen. Laut der Leiterin der Assoziation tschechischer Krankenhäuser, Jaroslava Kunova, können aber gerade die Menschen am wenigsten kontrolliert werden:

"Ausschließen lässt sich nichts, weil jede Menge verschiedene Menschen in den Krankenhäusern ein- und ausgehen. Das sind Patienten, die ambulant behandelt werden, oder Besucher. Auch bewegen sich dort eine ganze Reihe Medizinstudenten und Auszubildende im Bereich Krankenpflege. Dadurch sind Krankenhäuser einem hohen Risiko ausgesetzt."

06-12-2006