Orkan Sabine: Schäden, Verkehrschaos und schulfrei

10-02-2020

Am Montag ist der Winter-Orkan Sabine auch über Tschechien hinweggezogen. Er hinterließ viele Schäden und hat in manchen Gegenden den Kindern einen schulfreien Tag beschert.

Foto: ČTK / Václav PancerFoto: ČTK / Václav Pancer

Foto: ČTK / Ondřej DemlFoto: ČTK / Ondřej Deml Noch in der Nacht auf Montag begannen besonders in West- und Südböhmen die Aufräumarbeiten. Meist musste die Feuerwehr ausrücken, weil Bäume umgestürzt waren. Bis zum Mittag zählten die Einsatzkräfte neunmal mehr Notrufe als an einem normalen Tag. Selbst in den Niederungen gab es Orkanböen, wie Jaroslav Hintermüller vom Hydrometeorologischen Institut in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks schilderte:

„Örtlich waren es 20 bis 25 Meter in der Sekunde, in den Bergen und vereinzelt auch in tiefer gelegenen Regionen sogar bis zu 30 Meter je Sekunde. Das sind um die 110 Stundenkilometer.“

Auf Tschechiens höchstem Berg, der 1603 Meter hohen Schneekoppe, wurden 180 Stundenkilometer erreicht. Das ist Orkanstärke. In den Niederungen waren zunächst besonders Süd- und Mittelböhmen inklusive Prag betroffen.

Foto: ČTK / Václav PancerFoto: ČTK / Václav Pancer Der orkanartige Sturm ließ Bäume umstürzen, Äste herabfallen und deckte Dächer ab. Am frühen Morgen wurde in der Böhmerwald-Ortschaft Libínské sedlo / Pfefferschlag auch ein Mann leicht verletzt, als ein Baum auf seinem Auto aufschlug. Vor allem aber waren am Montagvormittag jede Menge Hochspannungsleitungen beschädigt. Martina Slavíková ist Sprecherin von E.on in Tschechien, einem der beiden großen Stromanbieter hierzulande:

„Die Schäden am Netz nehmen weiter zu. In rund 60 Fällen sind Hochspannungsleitungen unterbrochen. Das betrifft weiterhin am stärksten Südböhmen, aber mittlerweile nehmen auch auf der Böhmisch-Mährischen Höhe die Meldungen zu. Derzeit sind 50.000 von uns versorgte Haushalte ohne Strom.“

Foto: ČTK / Václav PancerFoto: ČTK / Václav Pancer Zusammen mit den Schäden, die der Energiekonzern ČEZ meldete, mussten zeitweilig über 120.000 Haushalte ohne Strom auskommen.

Im Verkehr war die Lage teils chaotisch. Einige Straßen mussten gesperrt werden. Vor allem aber stand die Bahn vor großen Problemen. Die deutsche Seite hatte ab Sonntagabend bereits alle Verbindungen nach Tschechien ausgesetzt, sodass auf der Strecke zwischen Prag und Berlin bereits im nordböhmischen Ústí nad Labem / Aussig an der Elbe Schluss war. Aber auch die Schienen in Tschechien waren teils blockiert.

Mancherorts durften sich wenigstens die Kinder freuen, weil sie „windfrei“ bekamen. So am Zikmund-Winter-Gymnasium im westböhmischen Rakovník.

Martin Půta (Foto: Iveta Kalátová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Martin Půta (Foto: Iveta Kalátová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Nach vielen Nachfragen von Eltern habe ich wegen der weiter entfernt wohnenden Kinder beschlossen, kraft meiner Position als Rektorin heute frei zu geben. Die Sicherheit der Schüler steht immer an erster Stelle“, sagte Schulleiterin Zdeňka Voráčková.

Der Kreis Liberec / Reichenberg wandte sich sogar mit einem Aufruf an die Eltern, ihre Kinder am Montagmorgen nicht in die Schule zu schicken. Kreishauptmann Martin Půta (Stan):

„Wir haben den Aufruf per E-Mail verschickt, die meisten Eltern sind auf diese Weise mit den Schulen in Kontakt. Die Lage ist nicht vorhersehbar. Für diejenigen, die es aber nicht anders einrichten können, wird dennoch Unterricht angeboten. Aber angesichts der Lage ist es am besten, sich möglichst wenig außerhalb der eigenen vier Wände aufzuhalten.“

Bis Montagnachmittag war in vielen Teilen Tschechiens der orkanartige Sturm schon wieder abgeebbt. Dennoch blieben viele Parks und Friedhöfe weiter geschlossen wegen drohenden Baumschlags.

10-02-2020