Polnisches Fleisch und tschechische Bedenken

19-03-2019

Seit 20. Februar kontrolliert Tschechien jede Lieferung polnischen Fleisches. Grund dafür sind nicht nur die schockierenden Berichte über einen Schlachthof in Masowien. Sondern es gelangte auch Salmonellen-verseuchtes Rindfleisch hier ins Land. Warschau möchte, dass Prag die Kontrollen des Importfleischs beendet. Dafür hat Tschechien jedoch Bedingungen gestellt. Am Montag haben beide Seiten bei der Europäischen Kommission in Brüssel verhandelt.

Foto: ČT24Foto: ČT24

Miroslav Toman (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Miroslav Toman (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Der tschechische Landwirtschafsminister Miroslav Toman war nach den Gesprächen zufrieden. Demnach besteht eine große Chance, dass am Montag kommender Woche die Sonderkontrollen polnischen Fleisches aufgehoben werden.

„Ich bin froh, dass die Gespräche stattgefunden haben und die polnische Seite Fortschritte bestätigen konnte bei ihren Schritten. Das ermöglicht uns, die Sicherheit der Lebensmittel zu gewährleisten, die nicht nur Tschechien, sondern die ganze restliche Europäische Union aus Polen importiert“, so Minister Toman.

Schon in der vergangenen Woche teilte Warschau mit, man habe 300 Schlachtbetriebe unter die Lupe genommen. Dazu der polnische Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski:

Jan Krzysztof Ardanowski (Foto: Krystian Maj / KPRM, Flickr, Public Domain)Jan Krzysztof Ardanowski (Foto: Krystian Maj / KPRM, Flickr, Public Domain) „Die Kontrollen haben nichts aufgedeckt, was die Gesundheit oder die Sicherheit der Konsumenten bedrohen könnte. Auch die veterinärmedizinischen Tests auf Salmonellen und Listerien haben keine neuen Fälle bakteriologischer Verunreinigung erbracht. Mit anderen Worten: Das Fleisch aus diesen Betrieben ist sicher.“

Bis Montag muss die polnische Regierung nun gegenüber der Europäischen Kommission schriftlich zusammenfassen, was sie alles unternommen hat und unternehmen wird, um Fleisch besser zu kontrollieren. Miroslav Toman zitierte aus dem Maßnahmenkatalog des Kollegen aus Warschau:

„Veterinärmediziner und Landwirte werden geschult. Lieferfirmen wurden kontaktiert und angewiesen, wie sie mit Fleisch umgehen sollten.“

Vytenis Andriukaitis (Foto: Andrius Ufartas, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Vytenis Andriukaitis (Foto: Andrius Ufartas, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) In Brüssel war man von Anfang an nicht glücklich über die tschechischen Kontrollen. EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis, zuständig für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, schrieb sogar einen Brief nach Prag. In diesem forderte er, die flächendeckenden Kontrollen zu beenden. Laut Andriukaitis lassen sich die Maßnahmen auch so interpretieren, dass man Konkurrenten ausschalten wolle. Dies schwinge auf tschechischer Seite zumindest mit, glaubt auch der Ökonom Tomáš Maier von der Landwirtschaftlichen Hochschule in Prag:

„Ich würde sagen, dass polnische Lebensmittel bei uns nicht den besten Ruf haben. Der jetzige Fall hat da die Meinungen bestärkt. Für die polnische Seite bedeutet dies, dass sie auf lange Sicht etwas ändern muss. Ein Problem ergibt sich aber auch daraus, dass Polen zu relativ niedrigen Preisen eine große Menge Lebensmittel produziert. Die tschechischen Hersteller sehen das als unliebsame Konkurrenz und nutzen jeglichen Marketingtrick, um die Waren aus dem Nachbarland in Misskredit zu bringen.“

Tschechien legt allerdings besonders großen Wert auf Lebensmittelsicherheit. Laut eigenen Aussagen gehört man in diesem Bereich zur Spitze Europas. Deswegen werden tschechische Veterinäre demnächst selbst in Augenschein nehmen, wie ihre polnischen Kollegen arbeiten. Dies teilte Landwirtschaftsminister Toman ergänzend mit.

19-03-2019