Prager Regisseurin gewinnt Studentenoscar

16-09-2019

Es ist ein großer Erfolg für den tschechischen Nachwuchsfilm: Eine Studentin der Prager Filmhochschule wird mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet. Daria Kashcheeva setzte sich mit ihrem Animationsfilm „Daugther“ (auf Deutsch: Die Tochter) gegen eine Konkurrenz von mehr als 1600 Streifen durch.

Daria Kashcheeva (Foto: Tschechisches Fernsehen)Daria Kashcheeva (Foto: Tschechisches Fernsehen) Daria Kashcheeva wurde in Tadschikistan geboren, lebt aber derzeit in Prag und hat gerade ihr Bachelor-Studium an der dortigen Filmhochschule Famu abgeschlossen. Mit ihrem Film sammelte sie bereits mehrere Preise, unter anderem bei den Filmfestivals in Annecy und Melbourne. Der Oscar habe aber eine besondere Bedeutung für sie, wie sie gegenüber dem Tschechischen Rundfunk sagte:

„An dem Abend, als man mich aus Los Angeles angerufen hat, habe ich gerade für mein Abschlussexamen gelernt. Es war sehr emotional. Ich konnte mich nicht mehr auf das Lernen konzentrieren. Ich habe alle angerufen, meine Eltern, die Produzenten meines Films. Danach konnte ich nicht einschlafen, was aber eigentlich gut war, da ich mich so weiter auf meine Prüfungen vorbereiten konnte.“

Im Film geht es um die schwierige Beziehung zwischen einem Mädchen und seinem Vater. Das Mädchen bringt einen verletzten Vogel mit nach Hause, womit sie bei ihrem Vater jedoch nur auf Gleichgültigkeit und Ablehnung stößt.

„Daugther“ (Foto: Archiv FAMU)„Daugther“ (Foto: Archiv FAMU) „Es ist zum Teil meine eigene Geschichte. Wenn ich einen Film mache, ist es für mich immer interessanter, mit dem zu arbeiten, was aus meinem Inneren kommt. Der Vogel ist da eine Metapher, denn ich habe in meiner Kindheit keinen mit nach Hause gebracht. Aber ich habe Momente erlebt, wo ich viel mehr Aufmerksamkeit von meiner Mutter gebraucht hätte. Diese hat sie mir aber in diesen Momenten nicht gewidmet. Das hat mich verletzt und ist in mir stecken geblieben.“

Als Erwachsene habe sie über ihre Beziehung zu den Eltern und anderen Menschen nachgedacht, erzählt die Filmregisseurin:

„Ich habe gefragt, warum diese Beziehungen gerade so aussehen, wie sie eben aussehen. Die Antwort habe ich in der Kindheit gefunden. Zunächst war es schwierig, aber nachdem ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, kann ich ruhig darüber sprechen. Ich verstehe, dass meine Mutter es in jenem Moment nicht böse meinte. Ich denke, jeder erlebt solche Augenblicke, entweder in der Beziehung zu seinen Eltern oder zu seinem Partner.“

Der Streifen dauert etwa 15 Minuten. Die Regisseurin hat mit Puppen gearbeitet und dabei eine Handkamera genutzt. Das ist beim Animationsfilm kaum üblich:

„Die Handkamera half mir, die Unvollkommenheiten meiner Animation zu verbergen. Zudem gibt es in meinem Film viele Aufnahmen, in denen sich nichts bewegt. Etwa in dem Krankenhauszimmer bewegen sich die Puppen nur wenig, aber das Zittern der Kamera bringt trotzdem Leben in die Szene.“

Eine besondere Rolle spielt zudem das Sounddesign:

„Ich habe eine Ausbildung als Tonkünstlerin und auch als Klavierspielerin. Ich habe schon beim Schreiben des Drehbuchs über den Ton nachgedacht und hörte die Geräusche eigentlich schon. Für mich war es wichtig, den Dokumentar-Charakter, den ich mit der Kamera erzielte, durch den Ton zu unterstreichen.“

„Ropáci“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)„Ropáci“ (Foto: Tschechisches Fernsehen) Die Preise werden am 17. Oktober in Los Angeles feierlich vergeben. Mit den Studentenoscars ehrt die Akademie seit 1972 junge Regisseure aus dem Ausland und Talente von US-Filmhochschulen. Zum dritten Mal wurde ein tschechischer Streifen damit ausgezeichnet. Bereits 1989 holte Jan Svěrák mit seinem Kurzfilm „Ropáci“ die goldene Trophäe, und 2017 ging Bronze an Marie Dvořáková und ihren Kurzfilm “Who’s Who in Mycology“.

16-09-2019