Prager Unesco-Welterbetitel in Gefahr

25-10-2019

Seit 1992 gehört das Prager Stadtzentrum zum Weltkulturerbe. Nun hat aber die Unesco eine Warnung geschickt. In ihrem neuesten Bericht weist sie darauf hin, dass das historische Zentrum der Moldaustadt auch auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes kommen könnte. Was heißt das nun für Prag?

Prag (Foto: Eva Langrová, Pixabay / CC0)Prag (Foto: Eva Langrová, Pixabay / CC0)

Lubomír Zaorálek (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)Lubomír Zaorálek (Foto: ČTK / Roman Vondrouš) Der Altstädter Ring gehört dazu, die Karlsbrücke und die Burg – das Prager Stadtzentrum ist einfach einzigartig. Im Frühjahr haben die Kommissare der Unesco die Entwicklung vor Ort in Augenschein genommen. Von Vertretern der Stadt und des Kulturministeriums ließen sie sich an alle wichtigen Orte führen und stapelweise Dokumente vorlegen. Herausgekommen ist ein Bericht mit 90 Seiten. Dieser kritisiert, dass der tschechische Staat und die Stadt Prag die Werte einer Weltkulturerbe-Stätte nicht ausreichend verteidigen würden. Dazu Kulturminister Lubomír Zaorálek (Sozialdemokraten):

„Wir werden nun eine Stellungnahme ausarbeiten. Die wird legislative Verfahren betreffen, also die Bauvorschriften im denkmalgeschützten Bereich. Und es werden auch konkrete Gebäude angesprochen. Prag stellt sich dieser Sache, das wird nicht laufen wie etwa damals in Dresden. Dort wurde ein Referendum abgehalten und in der Folge eine Brücke gebaut. Die Unesco hat dann gesagt: ‚Ok, ihr habt Euch so entschieden, wir streichen Euch von der Liste.‘ Wir hingegen werden verhandeln und eine Übereinkunft suchen.“

Josef Štulc (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Josef Štulc (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Vor zehn Jahren wurde dem Dresdner Elbtal wegen der umstrittenen Waldschlösschenbrücke der Welterbetitel aberkannt. Es war ein Präzedenzfall in Europa.

Doch zurück an die Moldau: Die Unesco beklagt in ihrem Bericht unter anderem, dass im Stadtteil Pankrác neue Wolkenkratzer entstanden sind. Diese würden die Silhouette Prags stören, hieß es. Fachleute vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) haben am Bericht mitgearbeitet.

„Die Unesco hatte im Jahr 2008 gefordert, dass die Gebäude in Pankrác nicht höher als 70 Meter sein sollten. Stattdessen hat eine Immobiliengesellschaft das sogenannte V gebaut“, so Josef Štulc, Vizepräsident des tschechischen Icomos-Büros.

V Tower (Foto: Martin2035, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)V Tower (Foto: Martin2035, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) Der V Tower, wie er eigentlich heißt, ist 104 Meter hoch. Doch Pankrác und das Gebäude liegen nicht im historischen Stadtzentrum, sondern am Rand einer sogenannten Pufferzone. Der stellvertretende Prager Oberbürgermeister Petr Hlaváček hat im Frühjahr die Unesco-Kommissare durch die Stadt geführt. Der Politiker der Top 09 sagte im Tschechischen Fernsehen:

„Ein großer Teil der Stadt liegt in der Pufferzone, und über die Bauvorhaben dort gab es die größten Debatten. Über die denkmalgeschützte Zone selbst wurde nicht sonderlich diskutiert.“

Hlaváček und weitere Stadtplaner verstehen allerdings nicht, warum die Unesco sich so sehr auf die Silhouette Prags eingeschossen hat. Stattdessen sei ein anderes Problem im Bericht noch nicht einmal erwähnt, meint der stellvertretende OB:

„Die größte Gefahr für den Charakter dieser Stadt ist der massive Fremdenverkehr. Über dieses Thema sollten wir das nächste Mal reden, denn das ist meiner Meinung nach eine größere Bedrohung als vielleicht moderne Architektur.“

Allerdings kritisiert die Unesco auch das geplante neue Baurecht, das vom Ministerium für Regionalentwicklung entworfen wird. Ihren Recherchen nach sollen die Denkmalschutzämter weniger Einflussmöglichkeiten auf die Projekte erhalten. Kulturminister Zaorálek sagte am Donnerstag aber, dass er mit Regionalentwicklungsministerin Klára Dostálová (parteilos) gerade diese Woche eine Übereinkunft getroffen habe:

„Ein neues Baurecht zu verfassen, ist eine schwierige Aufgabe. Dazu wird es auch im Abgeordnetenhaus noch eine harte Debatte geben. Die Übereinkunft bedeutet aber, dass die Denkmäler so geschützt sein werden, wie es nötig ist.“

Das Kulturministerium will im Laufe des Novembers seine Stellungnahme an die Unesco schicken.

25-10-2019