Solidarität mit Flüchtlingen nimmt zu

09-09-2015

Immer mehr Menschen in Tschechien zeigen die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen. Sie bieten Hilfsgüter an, helfen freiwillig oder stellen Unterkunft und Jobs in Aussicht. Organisiert wird das zivilgesellschaftliche Engagement vor allem über Hilfsorganisationen.

Oldřich Haičman (Foto: Tschechisches Fernsehen)Oldřich Haičman (Foto: Tschechisches Fernsehen) Vor einer Woche hat die Caritas Brünn eine Sammlung gestartet. Ihr Leiter Oldřich Haičman beschreibt den konkreten Auslöser dafür:

„In der vergangenen Woche kamen über 200 Flüchtlinge auf dem Bahnhof in Břeclav / Lundenburg an. Sie trugen überhaupt nichts bei sich. Ein weiterer Impuls war, dass es im Auffanglager Zastávka bei Brünn einen Mangel an Hilfsgütern gibt. Wir arbeiten mit dem Zentrum seit etwa 15 Jahren zusammen, sammeln Bekleidung und veranstalten dort Freizeitaktivitäten für Kinder und Erwachsene.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brünner CaritasFoto: Offizielle Facebook-Seite der Brünner Caritas Aktuell sammelt die Brünner Caritas seit einer Woche Hilfsgüter, die vor allem für Flüchtlinge in Ungarn bestimmt sind. Der Rest kommt nach Zastávka:

„In den Säcken ist Bekleidung, vor allem Winterbekleidung, sortiert nach Art und Größe. Die Güter werden in das Auffanglager in Zastávka gebracht. Derzeit brauchen wir in erster Reihe Hygiene-Artikel, vor allem Windeln, und außerdem Baby-Bekleidung und Lebensmittel.“

Die Caritas hat außerdem ein Krisenteam, das rund um die Uhr zur Verfügung steht und nach einem Anruf sofort vor Ort helfen kann. Die Mitglieder haben zum Beispiel in Zügen Lebensmittel und Wasser an die Flüchtlinge verteilt. Außerdem wurde auch eine Gruppe nach Ungarn geschickt, um Kontakte mit der dortigen Caritas anzuknüpfen. Veronika Imrichová war mit dabei:

Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brünner CaritasFoto: Offizielle Facebook-Seite der Brünner Caritas „Wir haben einen ganzen Lkw mit Hilfsgütern nach Budapest gebracht. Es waren vor allem Hygiene-Artikel, Decken und Schlafsäcke, die auf dem Keleti-Bahnhof am dringendsten gebraucht werden. Wir haben die Sachen nicht direkt den Flüchtlingen, sondern der ungarischen Caritas übergeben.“

Die Tschechische Bischofskonferenz versprach bereits im Juli, Flüchtlingsfamilien aufzunehmen. Nun kam das Angebot erneut zur Sprache. Papst Franziskus hatte am Sonntag alle Pfarreien, Klöster und Wallfahrtsorte in Europa aufgefordert, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. In Tschechien gibt es etwa 2400 Pfarreien. Die Kirche will unter anderem Räumlichkeiten für Flüchtlinge zur Verfügung stellen.

Flüchtlingslager für Männer in Vyšní Lhoty (Foto: ČT24)Flüchtlingslager für Männer in Vyšní Lhoty (Foto: ČT24) Nicht nur Organisationen, auch Einzelpersonen bieten Hilfe an. Vladan Kopecký aus Ostrava / Mährisch Ostrau hat eine Kleidungssammlung für das Flüchtlingslager für Männer in Vyšní Lhoty / Ober Ellgoth gegründet:

„Wenn man sieht, was die Menschen erlebt haben, will man mehr tun, als nur Beiträge in sozialen Netzwerken zu teilen.“

Auch Unternehmen melden sich mit ihren Initiativen. Die Lebensmittelfirma Hamé aus Südmähren kündigte am Montag an, Beschäftigung und Unterkunft für zehn syrische Familien zu gewähren. Das Innenministerium hat bisher etwa 50 derartige Angebote registriert. Informationen über einzelne Spenden- und Hilfsaktionen für Syrien, den Irak und die Ukraine findet man unter www.pomocuprchlikum.cz.

09-09-2015