Spezialeinheiten töten Afghanistan-Attentäter

17-10-2018

Im August sind drei tschechische Soldaten bei einem Selbstmordattentat in Afghanistan ums Leben gekommen. Nun wurde bekannt, dass einer der Drahtzieher des Anschlags tot ist.

Foto: Archiv der tschechischen ArmeeFoto: Archiv der tschechischen Armee „Niemand wird in Afghanistan ungestraft tschechische Soldaten töten.“ Dies sagte Generalstabschef Aleš Opata im August, nachdem drei tschechische Offiziere bei einem Anschlag ums Leben gekommen waren. Der Tod von Martin Marcin, Kamil Beneš und Patrik Štěpánek erschütterte ganz Tschechien, und die Ermittlungen der Armee in Afghanistan liefen seitdem auf Hochtouren. Am Mittwoch meldete die Tageszeitung Lidové noviny schließlich: Einer der Drahtzieher des Angriffs ist bei einem Einsatz tschechischer Spezialeinheiten getötet worden.

Das Blatt bezieht sich auf drei ungenannte Quellen aus Militärkreisen. Eine davon bestätigte gegenüber der Zeitung, Zitat:

„Es war ein verhältnismäßig aufwendiger Einsatz. Und alles ist bereits vor einiger Zeit geschehen. Bei der Mission wurde ein Täter getötet, ein anderer in Gefangenschaft genommen.“

Offiziell verweigert der Generalstab der tschechischen Armee jegliche Auskunft, eine Sprecherin teilte dazu gegenüber Medien mit, Zitat:

„Zu laufenden Einsätzen wollen und werden wir uns nicht äußern.“

Jan Hamáček (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Jan Hamáček (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Auch aus Regierungskreisen kam bisher noch keine Bestätigung.

„Kein Kommentar“, meinte Innenminister Jan Hámaček von den Sozialdemokraten gegenüber dem Tschechischen Rundfunk. Premier Andrej Babiš wollte ebenfalls nichts zu dem Einsatz sagen. Der Regierungschef habe alle Beteiligten zu Stillschweigen aufgefordert, so das Büro von Andrej Babiš am Mittwoch. Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen meinte der Ano-Politiker schriftlich, Zitat:

„Ich will das alles nicht bestätigen und auch nicht dazu Stellung nehmen. Ich denke, es gibt Dinge, die man nicht unbedingt kommentieren muss.“

Diese Verschwiegenheit hat auch ihre Gründe. Radovan Vich von der rechten Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ ist stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Abgeordnetenhaus:

Jiří Šedivý (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jiří Šedivý (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die Vorgänge bei solchen Operationen unterliegen der Geheimhaltung. Auch im Ausschuss wussten wir nichts davon, da wir ja vor allem öffentlich tagen. Wir wussten also nichts von dem Einsatz.“

Wie die Lidové noviny berichten, hat die 601. Gruppe der Spezialkräfte „General Moravec“ die Operation gegen die Attentäter ausgeführt. Laut dem ehemaligen tschechischen Generalstabschef Jiří Šedivý war das eine gute Wahl:

„Es ist eine der besten Spezialeinheiten, die unsere Armee hat. Die Männer sind bestens trainiert und auf alle möglichen Extremsituationen vorbereitet. Gerade diese Gruppe ist sehr erfahren, sie wurde schon bei zahlreichen Aktionen im Ausland und im Auftrag von Verbündeten eingesetzt.“

Seit Beginn der Nato-Mission in Afghanistan sind 13 tschechische Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen. Insgesamt wurden 28 Tschechen bei Auslandseinsätzen getötet. Seit dem letzten Anschlag bei Bagram im August nehmen tschechische Armeeangehörige jedoch nicht mehr an Aktionen an vorderster Front teil. Ein leitender Militärangehöriger bestätigte der Zeitung Právo am Mittwoch, dass dies bis auf weiteres auch so bleiben soll.

17-10-2018