Tschechien erinnert an Jan Palach

16-01-2014

An vielen Orten Tschechiens wird der Selbstverbrennung von Jan Palach gedacht. Am 16. Januar, vor genau 45 Jahren, hatte sich der Student am Wenzelsplatz in Prag angezündet. Durch sein Opfer wollte er die Bürger der Tschechoslowakei aus jener Lethargie reißen, die sich in der Gesellschaft nach der Okkupation durch die Warschauer-Pakt-Staaten verbreitet hatte.

Jan PalachJan Palach Am 45. Jahrestag des Selbstmordes von Jan Palach finden im ganzen Land zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, in Prag an seinem Grab auf dem Olšany-Friedhof und in der Nikolaus-Kirche am Altstädter Ring. Die Václav-Havel-Bibliothek und die Philosophische Fakultät der Karlsuniversität erinnern gemeinsam an den Studenten vor dem Gebäude der Fakultät am heutigen Jan-Palach-Platz. Der Versammlung folgt dann ein Gedenkmarsch zum Wenzelsplatz. Zu sehen sind auch der Film „Der brennende Busch“ über Jan Palach von der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland sowie eine Dokumentation, die während der Dreharbeiten entstanden ist. Am Abend treffen sich Augenzeugen und frühere Dissidenten zu einer Debatte im Lucerna-Palast in Prag.

Film „Der brennende Busch“ (Foto: HBO)Film „Der brennende Busch“ (Foto: HBO) Der zwanzigjährige Geschichtsstudent zündete sich am 16. Januar 1969 in aller Öffentlichkeit an. Ein Mitarbeiter des Prager Verkehrsbetriebs beschrieb die Situation damals im Rundfunk:

„Plötzlich lief ein brennender Mensch an mir vorbei. Er brannte von Kopf bis Fuß. Ich zog schnell meinen Mantel aus und bemühte mich, ihn abzudecken. Er stürzte dabei auf die Straße, ich sprang auf ihn und habe ihn mit dem Mantel bedeckt. Auch andere Menschen gaben ihre Mäntel, wir haben das Feuer gelöscht und den Jungen anschließend in die Klinik in der Legerova-Straße gebracht.“

Trauermarsch (Foto: Tschechisches Fernsehen)Trauermarsch (Foto: Tschechisches Fernsehen) Dort ist Jan Palach drei Tage später gestorben. Palachs Begräbnis wurde zu einer Manifestation für Freiheit und Demokratie. 200.000 Menschen nahmen am Trauermarsch in Prag teil. Marie Stříbrná war eine seiner Kommilitoninnen:

„Beim Umzug herrschte eine solche Stille, dass man eine Stecknadel hätte hören können, wenn sie auf den Boden gefallen wäre. Es war eine große Protestaktion. Ich war sehr traurig, denn er war mutiger als wir und konnte seine Wahrheit zum Ausdruck bringen.“

Václav Hanák und Marie Stříbrná (Foto: ČT24)Václav Hanák und Marie Stříbrná (Foto: ČT24) Auch Václav Hanák war ein Freund und Kommilitone von Palach:

„Mit Abstand kann ich sagen, dass sich Jan für die Wahrheit bis zum Äußersten geopfert hatte. Er wollte nicht in der Lüge leben. Motiv für sein Heldentum war nicht Eitelkeit. Er hat es für sich selbst gemacht und gehofft, die Gesellschaft dadurch wachrütteln zu können. Er war ein ehrlicher Mann.“

Erst zwanzig Jahre später, im Januar 1989, folgten die Menschen seinem Appell. Während der so genannten Palach-Woche erlebte Prag die umfangreichsten antikommunistischen Proteste seit Ende der 1960er Jahre.

16-01-2014

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