Tschechien kämpft mit Personalmangel in Kliniken

19-02-2019

Im Gesundheitswesen hierzulande herrscht nach wie vor ein Mangel an Arbeitskräften. Neben gut ausgebildeten Ärzten fehlen vor allem Krankenschwestern und Krankenpfleger. Die Vertreter des Gesundheitsministeriums sowie des Ärzte- und des Krankenpflegeverbandes suchen nach Lösungen.

Illustrationsfoto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen RundfunksIllustrationsfoto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Martina Šochmanová (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Martina Šochmanová (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Seit 2010 haben allein 2000 Schwestern ihre Arbeit aufgegeben. Sie klagen über zu viele Überstunden, schlechte Bezahlung und übermäßige Belastung. Dadurch ist ein Teufelskreis entstanden: Je mehr Krankenhauspersonal seinen Beruf aufgibt, desto mehr haben die übrigen Kolleginnen und Kollegen zu tun. Neue Schwestern und Pfleger erhält man hierzulande jedoch nur über eine anspruchsvolle Fach- oder Hochschulausbildung. Deswegen drängt der tschechische Krankenpflegeverband darauf, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen. Martina Šochmanová leitet den Verband:

„So wie man die Kapazitäten für Studierende, die später Arzt werden wollen, erhöht hat, sollte man es ebenso für das Pflegepersonal tun. Denn auch in dem Bereich werden wir künftig mehr Absolventen brauchen. Ich denke, dass es möglich ist, die Studienkapazitäten um 15 Prozent aufzustocken.“

Ladislav Dušek (Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brno)Ladislav Dušek (Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brno) Dieses Vorhaben dürfte sich aber erst irgendwann in der Zukunft auszahlen, es braucht jedoch schnelle Lösungen. Das gilt bei der Ärzteschaft aus einem Grund ganz besonders. Denn ein Großteil der niedergelassenen Ärzte steht kurz vor dem Ruhestand. Zugleich rücken nur wenige junge Kollegen nach, warnt der Direktor des Amtes für medizinische Information und Statistik (ÚZIS), Ladislav Dušek:

„Wenn nichts geschieht, dann wird die medizinische Grundversorgung in einigen Regionen binnen zehn Jahren zusammenbrechen. Extrem gefährdet ist die ärztliche Betreuung von Kindern, das ist eine absolut undenkbare Vorstellung.“

Und Dušek verweist noch auf einen zweiten Fakt, der nachdenklich stimmt:

„Landesweit kommen etwa 1000 Einwohner auf einen Facharzt und etwa 1400 Einwohner auf einen niedergelassenen Arzt. Eigentlich müsste es eher umgekehrt sein. In Großstädten ist dieses Missverhältnis noch viel drastischer. Dort entfallen 500 bis 600 Einwohner auf einen Facharzt und etwa 1400 Einwohner auf einen niedergelassenen Arzt.“

Foto: imagerymajestic, FreeDigitalPhotos.netFoto: imagerymajestic, FreeDigitalPhotos.net Ärzte im jungen und mittleren Alter schreckt zum einen die Bürokratie davor ab, sich hierzulande dauerhaft niederzulassen. Zum anderen lockt das große Geld in Westeuropa. Die finanzielle Vergütung spielt ebenso eine große Rolle, um junge Leute für den Beruf der Krankenschwester und des Pflegers zu motivieren. So sieht es auch Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos):

„Wir bereiten verschiedene Instrumente vor, zum Beispiel ein Wohngeldzuschuss für Krankenschwestern und Krankenpfleger. Unter Umständen wollen wir auch eine Art Treueprämie zahlen. Wie diese aussehen könnte, darüber wollen wir dem Finanzministerium verhandeln.“

Der Abwanderung von jungen Ärzten ins Ausland will Gesundheitsminister Vojtěch nun einen Riegel vorschieben. Er schlägt vor, dass Mediziner nach dem Studium zunächst drei bis vier Jahre in Tschechien arbeiten müssen. Bis diese oder andere Maßnahmen greifen, dürfte aber noch einige Zeit vergehen.

19-02-2019