Tschechische Politszene durch ernsthafte Affäre erschüttert: Mord am ranghohen Polizisten geplant

12-10-2006

Nur wenige Stunden nachdem die Minderheitsregierung des Bürgerdemokraten (ODS) Mirek Topolanek am Mittwoch Präsident Vaclav Klaus offiziell ihren Rücktritt kundgegeben hatte, erschütterte ein neuer Skandal die einheimische Politszene. Aus den kürzlich eingeleiteten Ermittlungen zur Korruption eines ehemaligen ranghohen Staatsbeamten und seiner zwei Komplizen hat sich unerwartet ein Ernstfall entpuppt: Nämlich der Verdacht auf einen geplanten Mord!

Die Initialzündung der Affäre war vom privaten TV-Sender Nova gekommen. Einem Mitarbeiter ist es gelungen, sich in eine Betrügergang einzuschleichen und deren Machenschaften monatelang zu beobachten. Dabei entstand eine Dokumentation, die der Nova-Informator mit einer versteckten Kamera gedreht haben soll. Am Mittwoch hat der TV-Sender die erste Reportage von den insgesamt 20 Stunden Bildmaterial ausgestrahlt. Soweit so gut, an Skandale bzw. Finanzaffären hat man sich hierzulande beinahe gewöhnt.

Zdenek Dolezel (Foto: CTK)Zdenek Dolezel (Foto: CTK) Der jüngste Skandal ist aber in Bezug auf die drei Hauptakteure und deren Vorhaben wieder einmal doch etwas Besonderes. Das Trio soll zwar der Bürgermeister der Gemeinde Budisov, Ladislav Peta, geleitet haben, jedoch im engen Zusammenwirken mit dem Beamten des Landwirtschaftsministeriums Miloslav Rehulka und dem ehemaligen Leiter des Sekretariats der sozialdemokratischen Ex-Premiers Stanislav Gross und Jiri Paroubek - Zdenek Dolezel.

Und gerade Dolezels Name sorgt in diesem Zusammenhang für großes Aufsehen, weil er schon einmal vor mehr als einem Jahr mit einer anderen bisher noch nicht aufgedeckten Korruptionsaffäre verbunden wurde. Diesmal geht es allerdings nicht wie bei Dolezels Soloaktion nur um ein paar Millionen Kronen Bestechungsgeld, die er gegen das Versprechen verlangt hatte, bei der Entscheidung des Kabinetts über ein milliardenschweres Privatisierungsprojekt eines staatlichen Unternehmens als "Fürsprecher" zu helfen.

 Ex-Premier Stanislav Gross (Foto: CTK) Ex-Premier Stanislav Gross (Foto: CTK) Alle drei Männer sollen versucht haben, viele Millionen Euro aus den Subventionstöpfen der EU zu erschleichen. Um Spuren zu beseitigen, sollen sie auch zwei Morde geplant haben. Nach der Veröffentlichung der Fakten ließen die Reaktionen verschiedener Spitzenpolitiker bzw. Ex-Spitzenpolitiker nicht lange auf sich warten. Der sozialdemokratische Parteichef und Ex-Premier Jiri Paroubek distanzierte sich nachdrücklich von Zdenek Dolezel und verwies u.a. darauf, ihn von seinem Amtsvorgänger Stanislav Gross in der Funktion des Sekretariatsleiters sozusagen "geerbt" zu haben. In das Regierungsamt kam Dolezel aus dem Innenministerium. Der Innenminister hieß damals Stanislav Gross. Dieser erinnert sich heute:

"Im Innenministerium bin ich nicht allzu oft mit ihm in Kontakt gekommen. Im Regierungsamt, insofern ich seine Arbeit verfolgen konnte, hatte ich das Gefühl, dass sich Dolezel durch solide Leistungen auszeichnete. Was er aber jetzt leistet, das ist unglaublich! Für mich hörte der Mann vor anderthalb Jahren auf zu existieren. Dafür, was er schon damals angestellt hatte, gibt es keinen Pardon."

12-10-2006