Tschechische Schüler in Geldangelegenheiten relativ gut

10-07-2014

Beim ersten Pisa-Test für Finanzwissen haben tschechische Schüler überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Laut den Ergebnissen, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch in Paris vorgestellt wurden, kamen die Tschechen auf den sechsten Platz unter insgesamt 18 Staaten. Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten nicht an dem Test zu Finanzfragen teilgenommen.

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission Der Test der OECD wurde bereits 2012 durchgeführt. Wie in den Bereichen Mathematik und Sprache wurden auch beim Finanzwissen 15-jährige Schüler geprüft. In Tschechien nahmen an diesem Teil der Pisa-Studie insgesamt 1200 Jugendliche teil. Tomáš Zatloukal leitet die tschechische Schulinspektion und präsentierte die Studie am Mittwoch in Prag:

„Die Testfragen betrafen Alltagssituationen. Die Schüler mussten zum Beispiel eine Rechnung für den Kauf von Waren verstehen, sie mussten sich überlegen, ob ein Kredit vorteilhaft ist oder nicht, welche Risiken und welche Erträge sie durch Aktien haben. Oder sie mussten auch erkennen, ob eine Mail ein betrügerisches Angebot enthält und wie man sich in dem Fall verhält.“

Tomáš Zatloukal (Foto: ČT24)Tomáš Zatloukal (Foto: ČT24) Die tschechischen Schüler erwiesen sich bei diesen Fragen als relativ geschickt, wie Zatloukal weiter ausführt:

„Die Tschechische Republik hat im obersten Drittel abgeschlossen. Wichtig ist dabei, sich die Ergebnisse in den einzelnen Kenntnisstufen anzuschauen. In der Stufe mit den geringsten Kenntnissen landete nur eine vergleichsweise geringe Zahl tschechischer Schüler, in den beiden Stufen mit den besten Finanzkenntnissen waren tschechische Schüler hingegen überdurchschnittlich vertreten. Das heißt, sie haben einige Fertigkeiten, um Alltagsprobleme im Bereich Finanzen zu lösen.“

Am besten schnitten im Übrigen die Jugendlichen aus Shanghai ab - und das mit großem Vorsprung. So bewiesen 63,5 Prozent von ihnen Finanzwissen auf allerhöchstem Niveau, in Tschechien waren es hingegen nur 22,5 Prozent.

Foto: cuteimage, FreeDigitalPhotos.netFoto: cuteimage, FreeDigitalPhotos.net Dabei gehörte zu den schweren Aufgaben bereits, zu erkennen, dass ein Zinssatz von 13 Prozent bei einem Kredit günstiger ist als ein Zinssatz von 15 Prozent. Wer nur das unterste Niveau beherrschte, konnte zum Beispiel gerade einmal verstehen, dass er eine Rechnung zugeschickt bekommt, weil er den angegebenen Betrag noch bezahlen muss.

Dass die Schüler hierzulande vergleichsweise gut Finanzprobleme lösen können, hat auch mit dem Schulunterricht zu tun. Denn tschechische Lehrer werden bereits seit einigen Jahren in der Vermittlung von wirtschaftlichen Kenntnissen geschult.

Foto: Archiv Radio PragFoto: Archiv Radio Prag „Die tschechischen Lehrer rangieren hinter Belgien auf dem zweiten Platz bei der Fortbildung in Finanzfragen für den Unterricht“, so Zatloukal.

Die Aufnahme von Finanzwissen in den regulären tschechischen Lehrplan steht aber noch aus. Bisher ist es Sache der jeweiligen Lehrer, ob sie ihre Klassen auch darin unterrichten wollen.

10-07-2014