Vier im Libanon entführte Tschechen fordern vom Staat Entschädigung

18-08-2016

Anfang Februar sorgte ein Fall in Tschechien für Aufsehen: Fünf im Juli 2015 im Libanon entführte Tschechen waren endlich freigekommen, doch parallel zu ihnen wurden der Hisbollah-Agent Ali Fayad und einer seiner zwei Komplizen aus einem Prager Gefängnis freigelassen. Vieles sprach für einen direkten Austausch dieser Personen, für den die Tschechische Republik vor allem von den USA kritisiert wurde. Und nun fordern vier der fünf Entführten auch noch eine Entschädigung vom Staat.

Foto: Archiv der tschechischen PolizeiFoto: Archiv der tschechischen Polizei Die fünf vor gut einem Jahr in der libanesischen Bekaa-Ebene entführten Tschechen waren zwei Fernsehreporter, ein Anwalt, ein Dolmetscher und ein ehemaliger militärischer Geheimagent. Wie sich später herausstellte, wurden sie sechseinhalb Monate lang von libanesischen Sicherheitskräften an einem geheimen Ort festgehalten. Dolmetscher Adam Homsi denkt zurück:

„Am meisten haften geblieben ist bei mir die vergeudete Zeit, in der wir nicht wussten, ob wir jemals zurückkehren würden. Und die Frage: Wie wird das Ganze ausgehen? Es war eine Zeit voller Ungewissheit und Leere.“

Außerdem bekamen alle fünf entführten Tschechen gesundheitliche Probleme. Adam Homsi:

„Wir haben unter ernsthaften Erkrankungen gelitten. Einer von uns hat vor der Entführung bis zu sechs Medikamente gegen seine Herzprobleme genommen, dort wurde ihm aber nur Aspirin gegeben. Und auch psychisch war es eine große Belastung. Der schlimmste Moment war der, als die Entführer bei den Verhandlungen mit der tschechischen Seite sagten, dass sie – sollten ihre Forderungen nicht akzeptiert werden – uns nacheinander an den Islamischen Staat verkaufen würden.“

Libanon (Foto: ČT24)Libanon (Foto: ČT24) Für ihr Leiden und dafür, dass sie überhaupt erst in diese missliche Lage geraten sind, fordern die Entführten nun eine Entschädigung von 40 Millionen Kronen (1,5 Millionen Euro) vom Staat. Nur der ehemalige Geheimagent hat sich der Forderung nicht angeschlossen:

„Das Finanzministerium hat Ende Juli im Zusammenhang mit der Entführung im Libanon einen Antrag auf persönliche Entschädigung von vier Geschädigten erhalten. Jeder von ihnen verlangt eine Entschädigung von zehn Millionen Kronen. Als Grund gaben die Geschädigten das falsche Vorgehen der Behörden an“, bestätigt der Sprecher des Ministeriums, Michal Žurovec.

In ihrem Antrag erklären die Geschädigten, dass der Staat in ihrem Fall versagt habe, weil die Geheimdienste nicht besser zusammengearbeitet hätten. So habe die Zivilaufklärung relativ früh vor einer möglichen Falle im Libanon gewarnt, hätte dieses Wissen aber nicht an die Kollegen vom Militär weitergeben. Diesem Wissen nach sei bekannt gewesen, dass die Libanesen fieberhaft nach einem Druckmittel gesucht hätten, um ihren Agenten Ali Fayad aus der Haft in Prag freizupressen. Justizminister Robert Pelikán (Ano) versprach deshalb schon im Februar, dass man diesen Fall eingehend untersuchen werde:

„Die Umstände, unter denen die fünf Tschechen in ihre missliche Lage gelangten, sind recht sonderbar. Dazu sind nun Ermittlungen eingeleitet worden, von denen ich mir verspreche, dass sie sehr gründlich sein werden. Und dass sie die wirklichen Schuldigen ausfindig machen werden.“

Robert Pelikán (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Robert Pelikán (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Eine Sprecherin der Prager Staatsanwaltschaft beklagt jedoch, bis heute hätten diese Ermittlungen kein Ergebnis erbracht, das man auch veröffentlichen könne. Auf diplomatischer Ebene hat Tschechien zudem an Kredit verloren, weil der Libanese Ali Fayad und einer seiner Komplizen nicht – wie ursprünglich zugesichert – an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wurden. Die USA wollten Fayad wegen Kokain- und Waffenhandels vor Gericht stellen, stattdessen wurde nur einer seiner beiden Hintermänner aus Prag in die Staaten überführt. Verteidigungsminister Martin Stropnický (Ano) hatte den Austausch der entführten Tschechen gegen Ali Fayad auch noch zugegeben, wofür er heftig kritisiert wurde. Offiziell wurde die Maßnahme bisher nicht bestätigt.

18-08-2016