Wenn nichts mehr wirkt - Prag macht Antibiotikum-Resistenz zu EU-Thema

19-11-2008

Antibiotika wirken nicht bei Erkältungen. Aus dem Arzneischränkchen holt man sie vielmehr, wenn man Bakterien bekämpfen will. Wenn gegen Bakterien aber auch Antibiotika nichts ausrichten, kann es sein, dass man bereits resistent ist. Man spricht von einer Antibiotikum-Resistenz – und die gibt es in einigen Staaten der Europäischen Union ziemlich häufig. Grund genug für das Gesundheitsministerium in Prag, dieses Thema zu einer seiner Prioritäten für die tschechische EU-Ratspräsidentschaft zu machen.

Tschechien hat sich vorgenommen etwas gegen Antibiotikum-Resistenzen zu unternehmen. Zuallererst geht es natürlich darum, vor der eigenen Tür den Besen in die Hand zu nehmen und hierzulande aufzuklären. Patienten sollen mit Flugblättern informiert werden, die in den Arztpraxen ausliegen oder Zeitschriften beigelegt werden. Denn die Ursachen für die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegen Antibiotika liegen im Missbrauch der Medikamente. Der tschechische Gesundheitsminister Tomáš Julínek:

„Grund dafür ist auf der einen Seite der Druck der Patienten auf die Ärzte. Die Leute denken, dass Antibiotika präventiv wirken und Komplikationen verhindern. Auf der anderen Seite sind die Ärzte nicht gewillt zu erklären, dass der Einsatz von Antibiotika nicht angebracht ist. Stattdessen verschreiben sie diese einfach. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass Antibiotika auch Nebenwirkungen haben.“

Gesundheitsminister Tomáš Julínek (Foto: ČTK)Gesundheitsminister Tomáš Julínek (Foto: ČTK) Wie sehr missbraucht wird, das wurde umfassend zuletzt Anfang des Jahrtausends in einer Studie ermittelt. Damals verschrieben beispielsweise tschechische Kinderärzte über 40 Prozent der Antibiotika im Fall von Viruserkrankungen; sie verschrieben sie also falsch. Allerdings: Der Druck von Seiten der Eltern, der war dabei vergleichsweise gering, erläutert Fachmann Vlastimil Jindrák vom Prager Klinikum Na Homolce:

„Aufgrund der Studie wage ich zu behaupten, dass dies kein solch ernstes Problem ist wie beispielsweise in Frankreich, Spanien oder Griechenland. Bei unserer Studie gab es nur in vier Prozent der Fälle Druck der Eltern, Antibiotika zu verschreiben, obwohl der Kinderarzt dies nicht für richtig hielt.“

Als die Studie im Jahr 2001 herauskam, begann im Übrigen das tschechische Gesundheitsministerium bereits, gegen den Missbrauch von Antibiotika vorzugehen. Damals konzentrierte man sich vor allem darauf, die Ärzte aufzuklären. Und das zeigte auch Wirkung: In der Folge sank die Antibiotikum-Resistenz in Tschechien. In den Krankenhäusern des Landes ist die Situation aber immer noch nicht befriedigend. Hier treten Resistenzen in zehn bis 25 Prozent der Fälle auf. Anders sieht es beim ältesten verwendeten Antibiotikum aus, dem Penicillin. Laut der Zahlen aus dem Jahr 2005 lag der Anteil der Resistenzen bei Penicillin in Tschechien bei fünf Prozent. In Ländern wie Frankreich, Rumänien und Bulgarien sind hingegen bereits bis zu 50 Prozent der Bevölkerung resistent gegen Penicillin.

19-11-2008