Zeman in China: Umstrittenes Gedenken und Wirtschaftsambitionen

01-09-2015

Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman eröffnet am Dienstag seinen fünftägigen Besuch in China. Dort wird er unter anderem an einer Militärparade zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Pazifik teilnehmen.

Miloš Zeman (Foto: ČTK)Miloš Zeman (Foto: ČTK) Bereits zum zweiten Mal innerhalb von elf Monaten bricht Miloš Zeman am Dienstag zu einem Besuch nach China auf. Geplant sind Gespräche mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping und weiteren Politikern. Hauptanlass der Reise ist eine Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Pazifik:

„Ich verstehe meine China-Reise erstens als Ausdruck der Anerkennung für 17 Millionen chinesische Bürger, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, wenn ich auch das Massaker von Nanking 1937 zum Krieg zähle. Wenn jemand behaupten will, dass der Krieg in China nicht unser Krieg war, beweist er seine Unkenntnis über die Geschichte. Denn zu einem großen Teil spielte sich der Zweite Weltkrieg auf dem asiatischen Kontinent ab.“

Tian’anmen-Massaker 1989 (Foto: ČT24)Tian’anmen-Massaker 1989 (Foto: ČT24) Zemans Teilnahme am Gedenken an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg gilt als umstritten. Die meisten westlichen Politiker bleiben der Feier wegen der Spannungen zwischen China und Japan fern. Die größte Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik findet zudem am Platz des Himmlischen Friedens statt, wo die Volksbefreiungsarmee 1989 die friedliche Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen hatte. Nach chinesischen Medienberichten ist Zeman das einzige Staatsoberhaupt eines westlichen Staates, das daran teilnimmt. Dies brachte ihm massive Kritik ein. Zeman verwies vor der Abreise darauf, dass auch weitere Spitzenpolitiker der Waffenschau beiwohnen werden:

Laurent Fabius (Foto: Archiv von Foreign and Commonwealth Office des Vereinigten Königreichs, CC BY 2.0)Laurent Fabius (Foto: Archiv von Foreign and Commonwealth Office des Vereinigten Königreichs, CC BY 2.0) „Ich bin froh, dass der französische Außenminister Laurent Fabius, wahrscheinlich die Vorsitzende des polnischen Sejms und meine alten Freunde Tony Blair und Gerhard Schröder neben mir auf der Tribüne stehen werden.“

Das zweite Ziel der China-Reise sei es, die bisherige wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen, betonte Zeman. Bereits am Montag wurde eine Niederlassung der Bank of China in Prag unter seiner Teilnahme eröffnet. Zeman nannte ein weiteres Beispiel für die aufblühenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Tschechien:

„Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, die Zertifizierung tschechischer kleiner und mittlerer Flugzeuge und Flugzeugmotoren für den Raum China durchzusetzen. Das ist eine Grundlage für die Expansion der tschechischen Luftfahrtindustrie in China. Ich gehe davon aus, dass während meines Besuchs einige bedeutende Verträge unterzeichnet werden, über die ich in Peking und in Shanghai informieren werde.“

Lukáš Kaucký (Foto: Archiv des tschechischen Außenministeriums)Lukáš Kaucký (Foto: Archiv des tschechischen Außenministeriums) Am Rande seiner China-Reise wird Zeman auch mit Kremlchef Vladimir Putin zusammenkommen. Wie sein Sprecher am Montag mitteilte, solle es dabei um Wirtschafts- und Sicherheitsfragen gehen.

Zeman ist nicht der einzige tschechische Politiker, der in diesem Herbst eine China-Reise unternimmt. Am 8. September wird Vize-Außenminister Lukáš Kaucký ein neues Generalkonsulat der Tschechischen Republik in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, Chengdu, eröffnen. Einen Tag später präsentiert der mittelböhmische Kreishauptmann Miloš Petera eine Ausstellung über Mittelböhmen in Chengdu. Im Raum steht auch ein baldiger China-Besuch von Premier Bohuslav Sobotka, stattfinden wird er höchstwahrscheinlich Ende Oktober. Dann soll Sobotka an einem Treffen der chinesischen Spitzenpolitiker mit sechzehn Regierungschefs aus Mittel- und Südosteuropa teilnehmen.

01-09-2015