Ungewöhnlicher Zoo mit Tieren aus Metall

28-06-2019

Im südmährischen Staré Město lässt sich ein Ort besichtigen mit dem eigenartigen Namen „Kovozoo“. Es handelt sich um einen speziellen Tiergarten.

Wiesent (Foto: Jitka Mládková)Wiesent (Foto: Jitka Mládková)

Bronislav Janeček (Foto: Jitka Mládková)Bronislav Janeček (Foto: Jitka Mládková) „Kov“ heißt auf Deutsch Metall. „Kovozoo“ ist der Name des einmaligen Zoologischen Gartens, in dem Metalltiere ihr Domizil haben. Das ungewöhnliche Tiergehege befindet sich auf dem Areal der REC Group GmbH. Die Firma recycelt seit über 20 Jahren Altmetall. Der Rohstoff kommt von mehreren Zulieferern und deckt ein breites Sortiment ab. Der Metall-Zoo auf dem Firmengelände ist europaweit einmalig. Wie es dazu kam, weiß Generaldirektor Bronislav Janeček:

„Seine Geschichte reicht bis ungefähr ins Jahr 2005 zurück. Ich war damals im Urlaub in Tunesien. Auf einem Marktplatz sah ich Männer, die Gegenstände aus dem Abfall zu unterschiedlichen Tiergestalten zusammenschweißten. Diese sahen den Vorbildern zwar nicht sehr ähnlich, aber ich fand das inspirierend. Bei uns in Staré Město lag ja der Schrott haufenweise auf dem Firmengelände. Als erstes Tier entstand vor ungefähr zehn Jahren ein Kamel. Wir haben es am Haupteingang postiert. Ihm folgte ein Krokodil. Von Anfang an haben beide Objekte die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich gezogen und sind häufig fotografiert worden.“

Janeček konnte seine Kollegen für seinen Plan begeistern, einen speziellen Zoo anzulegen. Vor allem in den vergangenen fünf Jahren hat die Zahl der Tierinstallationen rasant zugenommen. Derzeit sind es genau 256, die den sogenannten Kovozoo bilden.

Foto: Archiv des KovozoosFoto: Archiv des Kovozoos „Den größten Teil des Alteisens auf unserem Firmengelände liefern wir an Hüttenwerke. Eisen lässt sich aber auch gut recyceln, indem man es für etwas anderes wiederverwendet. Deswegen wollten wir einem Teil des Schrotts sozusagen eine zweite Chance geben. Welche das sein sollte, darüber haben wir intern aber lange diskutiert. Da hinzu kamen die Überlegungen, für Kindergärten und Schulen ein Programm zusammenzustellen. Wir laden oft Kinder zu uns ein, um sie über Materialrecycling aufzuklären. Eine gute Idee schien, ihnen beizubringen, dass sich Eisenabfall nicht nur für die Verarbeitung im Hüttenwerk eignet“, so Janeček.

Metallgiraffe in Originalgröße

Giraffen (Foto: Jitka Mládková)Giraffen (Foto: Jitka Mládková) Stattdessen dient ein Teil des Schrotts für gestalterische Kreativität. Die Tiermodelle erfordern allerdings viel Arbeit jeder Art. Dazu gehört auch Fingerfertigkeit, die manche Besucher staunen lässt. So wurde sozusagen das Fell des Kamels aus unzähligen kleinen Metallstücken zusammengesetzt. Ähnlich authentisch wirkt die Giraffe:

„Den Informationsquellen zufolge war die bislang größte lebende Giraffe 5,80 Meter hoch. Unsere Giraffe erreicht 5,40 Meter. Bei jedem unserer Tiere entsteht als erstes das Skelett, an ihm wird dann die äußere Hülle aus passenden Teilen befestigt. Falls wir aber während der Arbeit feststellen, dass die Proportionen des Tiers nicht dem festgelegten Maßstab entsprechen, fangen wir von Neuem an. Wir arbeiten im Kollektiv. Doch nicht alle machen alles. Über die Jahre haben sich Spezialisten für bestimmte Teile der Tierkörper entwickelt, etwa für die Hinterbeine, den Rumpf oder den Kopf. Meine eigenen sechs Mann bilden das Kernstück des Teams. Hinzu kommen noch gelegentlich Mitarbeiter unserer Tochtergesellschaften. Und manchmal machen auch unsere Kunden mit, die bei der Arbeit den Kopf frei bekommen wollen.“

„Kreissaal“ (Foto: Jitka Mládková)„Kreissaal“ (Foto: Jitka Mládková) Firmenchef Janeček betont zudem, dass es sich um ein Hobby handle, dem sich die Beteiligten in ihrer Freizeit widmen würden. Ab und zu macht dann auch die ganze Familie mit.

Im „Kovozoo“ kommen die Metalltiere in einer Werkstatt zur Welt, sie trägt den treffenden Namen „porodnice“, auf Deutsch „Kreissaal“. Der „Geburt“ geht in der Regel ein längeres Kopfzerbrechen voraus:

„Wenn wir uns auf ein konkretes Tier geeinigt haben, suchen wir im Internet nach einer passenden Abbildung und den Daten über seine wahre Größe. Des Weiteren wird besprochen, in welcher Position das Tier dargestellt werden soll. Dann kommt die Wahl des Materials zur Sprache. Ebenso nicht wegzudenken ist ausreichend Lektüre über das jeweilige Tier. Für uns ist das jedes Mal eine willkommene Wissenserweiterung. So war es auch bei unserem jüngsten ‚Zuwachs‘, einem Finnwal. Nach drei oder vier Monaten wussten wir schon sehr viel über ihn. Zum Beispiel wie er zur Welt kommt, wie er sich vermehrt oder wo er lebt. Danach haben wir nach geeignetem Material für diesen Meeressäuger gesucht. Die Wahl fiel letztlich auf gebogene Rohre, die einigermaßen an den Schwimmstil des Wals erinnern. An diesen Corpus haben wir Blechplatten aus alten Weinfässern befestigt. Wein hat ja auch irgendwie mit Wasser zu tun. Und nicht zuletzt weist dies darauf hin, dass wir hier in der Weinregion der sogenannten Mährischen Slowakei leben.“

Finnwal (Foto: Archiv des Kovozoos)Finnwal (Foto: Archiv des Kovozoos) Entstanden sei ein Junges des Finnwals, so Bronislav Janeček. Es wiegt 1730 Kilogramm, ist fast zehn Meter lang und 3,40 Meter hoch. Die Geburt habe von Februar bis April unglaubliche 627 Stunden gedauert, sagt Janeček. An einen erwachsenen Wal habe man sich noch nicht herangetraut. Das komme aber vielleicht irgendwann später, glaubt der Firmenchef. Das „Neugeborene“ wurde Ende April im „Kovozoo“ auf den Namen Gerda getauft, und zwar zum diesjährigen „Tag der Erde“. An zwei Wochenendtagen kamen fast 10.000 Besucher.

Besucher können mitmachen

Bulle (Foto: Jitka Mládková)Bulle (Foto: Jitka Mládková) Bei der Konstruktion der Metalltiere soll es im „Kovozoo“ künftig aber eine Neuerung geben. Sie werden dann nicht mehr Kopien ihrer lebendigen Vorbilder sein, diese sollen nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen sein. Man wolle der Phantasie der Besucher, insbesondere der Kinder freien Raum lassen, betont Bronislav Janeček:

„Sehr oft kommen auch Omas und Opas mit ihren Enkelkindern zu uns. Nicht selten zeigen sie auf etwas, was in den Tierkörper integriert wurde. Sie sagen zum Beispiel, das dort sei einst eine Kaffeemühle gewesen. Oder so habe ein alter Schlüssel ausgesehen. Die Kinder kennen diese Gegenstände aber heute nicht mehr. Manchmal bin ich überrascht, wenn ein Kind eine Kuh sieht und nicht weiß, was für ein Tier das ist. Viele kleine Kinder kennen sogar nur die lilafarbene Milka-Schokoladekuh.“

Der Kovozoo ist täglich geöffnet, und das auch an Wochenenden und Feiertage. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison. Im Juli und August liegen sie von 9 bis 19 Uhr. Kinder im Alter bis zu drei Jahre haben freien Eintritt. Für Kinder und Jugendliche von drei bis einschließlich 15 Jahre kostet die Tageskarte 80 Kronen, für Erwachsene 110 Kronen. Senioren, Studierende und Behinderte zahlen 100 Kronen. Familien mit Kindern erhalten Preisnachlässe.

Im Areal des „Kovozoos“ findet man außer den großen Tieren aus allen Teilen der Welt auch kleinere Objekte. Sie wurden nicht im „Kreissaal“ entbunden, sondern bei Treffen von Besuchern gefertigt:

„Jedes Jahres organisieren wir bei uns mehrere Aktionen für die Öffentlichkeit. Eine Veranstaltung, die mittlerweile schon Tradition hat, findet im September statt. Dabei geht es um die Arbeit mit Schrott. Interessierte Besucher können sich dann bei uns selbst Material für ihre Kreationen aussuchen. Und wir stellen ihnen unsere Schweißer zur Seite. Diese sind aber bei Weitem nicht in der Lage, die große Nachfrage zu befriedigen. Amüsieren kann man sich zudem bei verschiedenen Aktivitäten im Rahmen des Begleitprogramms für Jung und Alt. Die Kinder können dabei unter anderem ihre Kenntnisse in den Bereichen Ökologie und Schrottverarbeitung in verschiedenen Wettbewerben unter Beweis stellen. An diesen Tagen entstehen jedes Mal rund 30 überwiegend kleinere Metalltiere. Auch sie erweitern unseren Zoo.“

Die Veranstaltungen im Kovozoo sind immer gut besucht. Firmenchef Janeček sagt, mit Genugtuung sehe er auch manchen Vätern oder Müttern der Kinder zu. Diese würden sich manchmal so sehr in die handwerkliche Arbeit vertiefen, dass sie weit weg seien von der Welt der Handys und Tablets.

28-06-2019