Baubranche in Tschechien hat Trendwende noch nicht vollzogen

12-02-2014

Neben dem Export der Firmen ist auch die Industrieproduktion in Tschechien im vergangenen Jahr gestiegen. Führende Analysten sprechen daher auch davon, dass die hiesige Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat und der Motor für ein erneutes Wachstum bereits in Gang ist. Von einer ähnlich optimistischen Lagebeschreibung kann eine bedeutende Branche indes vorerst nur träumen: das Bauwesen.

Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková Das Gegenteil ist der Fall: Auch im vergangenen Jahr hat sich der Einbruch im Baugewerbe weiter fortgesetzt. So ist 2013 das Volumen der gesamten Bautätigkeit im Jahresvergleich um 8,3 Prozent geschrumpft. Ein Jahr zuvor betrug der Schwund noch 7,6 Prozent. Der Niedergang hält somit schon das fünfte Jahr in Folge an, im Vergleich zum Wachstumsjahr 2008 ist der Produktionsumfang insgesamt bereits um 25,1 Prozent gesunken. Der Präsident des nationalen Verbandes der Bauunternehmer, Václav Matyáš:

Václav Matyáš (Foto: Archiv des Verbandes der Bauunternehmer)Václav Matyáš (Foto: Archiv des Verbandes der Bauunternehmer) „Dieser Einbruch um 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 macht eine Summe von 435 Milliarden Kronen aus. Das ist fast der Gesamtbetrag der Leistungen, den die Baufirmen unseres Landes in einem Jahr erbringen. Dieser Rückgang schlägt sich aber nicht nur negativ auf die Wirtschaftskraft der Unternehmen nieder, sondern ebenso negativ auf den Einnahmesaldo des Staates.“

Das hat auch die neue Regierung erkannt und entsprechende Maßnahmen in ihrem Programm angekündigt. Premier Bohuslav Sobotka strich vor allem die Probleme im Straßenbau heraus, als er kurz nach der Ernennung seines Kabinetts erklärte:

„Wir sehen eine wichtige Aufgabe darin, den Staat erneut zu befähigen, für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu sorgen. Wir benötigen eine funktionierende und effektive Autobahn- und Straßendirektion, und wir brauchen wieder eine bessere Vorbereitung von Bauprojekten.“

Antonín Prachař (Foto: ČTK)Antonín Prachař (Foto: ČTK) Verkehrsminister Antonín Prachař bestärkte seinen Kabinettschef mit den Worten:

„Wir müssen eine Analyse durchführen und ergründen, in welchem Stand die Projekte sind, welche davon gerade in Bau sind, bei welchen der Bau gestoppt wurde und bei welchen zumindest der Auftrag bereits erteilt wurde. Danach werden wir uns ganz bestimmt darum bemühen, dass diese Straßen zum schnellstmöglichen Termin fertiggestellt werden.“

Foto: Martin NěmecFoto: Martin Němec Im Gegensatz zum Wohnungs- und Häuserbau, der im vorigen Jahr um fast 20 Prozent zurückging, hat sich die Bautätigkeit zur Verbesserung der Infrastruktur zuletzt schon etwas stabilisiert. Dazu haben vor allem die unzähligen Reparaturarbeiten nach dem Hochwasser im vergangenen Juni einschließlich der Errichtung neuer Wasserleitungen und der Kanalisation gesorgt. Bis aber die gesamte Bauindustrie wieder so richtig in Schwung kommt, gibt es noch etliche Probleme zu lösen, sagt Matyáš:

„Dies ist eine ganze Reihe von Problemen, die miteinander zusammenhängen. Davon betroffen ist nicht nur der Bausektor als solcher, sondern auch die Vorbereitung der Bauvorhaben einschließlich der Gewinnung von Investoren. Damit verknüpft ist auch die nichtfunktionierende Legislative im Form des geltenden Baugesetzes.“

Foto: Barbora KmentováFoto: Barbora Kmentová Bauverbandspräsident Matyáš ist jedoch guter Hoffnung, dass die Problemfelder schon bald beackert werden. Grund zu diesem Optimismus gibt ihm die Handlungsbereitschaft der neuen Regierung:

„Das ist genau der kleine Funken an Optimismus, den wir haben. Denn eines ist sicher: Ohne das Bauwesen wird auch die Wirtschaft nicht entscheidend vorankommen. Das Bauwesen war und wird auch stets ein Barometer für Abschwung und Wachstum sein. Und sollte unsere Branche nicht wieder wachsen, dann wird auch das Bruttoinlandsprodukt kaum zunehmen.“

Für das laufende Jahr rechnet Matyáš allerdings noch nicht mit einer Trendwende. Die Zahl der Aufträge wie auch der Baugenehmigungen sei dafür noch zu niedrig. Im nächsten Jahr aber werde es bestimmt schon aufwärts gehen, glaubt Matyáš.

12-02-2014