DTIHK-Umfrage: Wirtschaft und Forschung müssen gemeinsamen Weg für Kooperation finden

18-06-2014

„Forschung und Entwicklung – Die Zukunft im Fokus“ – so lautet das Schwerpunktthema der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) in diesem Jahr. Im Rahmen dieses Jahresthemas hat die Prager Kammer auch eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zum gegenwärtigen Stand der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen in Tschechien geführt. Diese Umfrage hat vor allem eines zu Tage gefördert: Viele an Forschung und Entwicklung interessierte Firmen in Tschechien kennen die Leistungen der Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht oder nur ungenau.

Lenka Šolcová (Foto: Archiv der DTIHK)Lenka Šolcová (Foto: Archiv der DTIHK) Über die Ergebnisse der Umfrage hat Radio Prag mit Lenka Šolcová gesprochen. Sie ist Projektreferentin des Competence Centers Zukunftstechnologien bei der DTIHK.

Frau Šolcová, die DTIHK hat für das Jahr 2014 den Bereich Forschung und Entwicklung zum Hauptthema gewählt. Warum?

„Wir haben das Thema deshalb gewählt, weil wir nicht nur mit unseren Mitgliedsunternehmen intensive Gespräche führen, sondern auch mit weiteren Firmen, die auf dem tschechischen Markt operieren. Dabei haben wir festgestellt: Dies ist ein Thema, das die Firmen wirklich sehr bewegt, ein Thema, in dem noch viel Potenzial steckt. Und das nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Zukunft der Universitäten und Forschungseinrichtungen in Tschechien. Wie auf der heutigen Pressekonferenz zu erfahren war, sind wir jetzt in einer entscheidenden Phase – einer Phase, in der besonders die neu errichteten Forschungseinrichtungen im Land schon dringend neue Aufträge brauchen. Wir glauben, dass die Kammer hierfür genau der richtige Ansprechpartner ist, denn wir können die Kontakte zu beiden Seiten vermitteln.“

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission Im Rahmen ihrer erhöhten Aktivitäten in diesem Bereich hat die Kammer heute auch die Ergebnisse ihrer Umfrage über die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung vorgestellt. Was sind die wesentlichen Aussagen, die aus dieser Umfrage hervorgehen?

„Aus meiner Sicht die wichtigste Aussage ist, dass die Unternehmen tatsächlich nicht gut informiert sind. Sie wissen oft gar nicht, was die Universitäten und Forschungseinrichtungen überhaupt der Wirtschaft an Knowhow, Erkenntnissen und Expertise anbieten können. Zudem ist der Aufwand, den die Wirtschaft betreiben muss, um sich alle diese Informationen zu beschaffen, wirklich sehr hoch. Deshalb entscheiden sich einige Firmen immer noch dagegen, mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten.“

Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková Das Informationsdefizit scheint in der Tat das Hauptproblem zu sein. Das jedenfalls kann man aus den Ergebnissen Ihrer Umfrage schließen. Diesen Ergebnissen ist unter anderem zu entnehmen, dass die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung noch nicht gut klappt, weil zum einen kein Bedarf bestehe – das sagten 48 Prozent der Befragten –, zum anderen der Aufwand zu hoch sei (20 Prozent) oder letztlich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht worden seien (10 Prozent). Was müsste also vordergründig getan werden, um diese Zusammenarbeit zu verbessern?

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission „Grundsätzlich verbessert werden muss zunächst die Offenheit beider Seiten für die Kooperation. Denn wir wissen alle ganz gut, dass die Arbeitsweise in den Unternehmen eine ganz andere ist als in der Forschung. Das sind bisher noch zwei verschiedene Welten, die jeweils auch andere Ziele verfolgen. Es sollte jedoch so sein, dass diese Ziele eine Überschneidung finden. Und dabei will auch die Kammer helfen und ihren Beitrag dazu leisten.“

Demgegenüber heißt es aber in den Ergebnissen Ihrer Umfrage, dass knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen bereits mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Wie ist dieser relativ hohe Anteil zu erklären? Ist diese Zusammenarbeit in der Regel noch sehr flach, und wo könnten Ihrer Meinung nach Schwerpunkte gesetzt werden?

„Der Titel der Umfrage war ´Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung´, das heißt, wir haben mit der Umfrage hauptsächlich Produktionsunternehmen angesprochen. Mit anderen Worten: Diejenigen Unternehmen, für die das Thema der Umfrage interessant war, haben auch an ihr teilgenommen. Natürlich geht es nicht in allen Fällen der Kooperation zwischen Wirtschaft und Forschung nur um Tätigkeiten, die im Bereich des Technologistransfers angesiedelt sind. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit wie zum Beispiel die Absolvierung eines Praktikums von Studenten in den Unternehmen oder die Durchführung von Seminaren an den Universitäten durch Vertreter der Wirtschaft. Es besteht also eine Reihe von gemeinsamen Aktivitäten, die allerdings nicht zum Technologietransfer führen. Doch genau das Segment Technologietransfer ist jener Teil der Zusammenarbeit, in dem das größte Potenzial steckt und der am meisten verbessert werden sollte.“

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission Ich darf also daraus schließen: Ein Großteil der Firmen hat in der Umfrage angegeben, schon einmal Kontakt zu Forschungseinrichtungen gehabt zu haben, auch wenn dieser nur auf dem Besuch von Praktikanten in ihrem Unternehmen beruhte. Bei der entsprechenden Frage haben sie daher ein Kreuzchen gemacht, auch wenn die weitaus größeren Möglichkeiten der Zusammenarbeit überhaupt noch nicht erschlossen sind. Kann man das so sagen?

„Das kann man genau so sagen.“

Bei der Pressekonferenz hat der Vertreter einer Forschungseinrichtung unter anderem gesagt, dass Tschechien statistisch gesehen im Weltmaßstab von Jahr zu Jahr immer schlechter dasteht, was Forschung und Entwicklung betrifft. Er bemerkte zudem, dass von staatlicher Seite zu wenig in diesen Bereich investiert werde. Stimmen Sie dieser Meinung zu, beziehungsweise haben Sie eventuell Erfahrungen gesammelt, die diese Aussage bestätigen?

„Ich kann das nur anhand von Gesprächen mit Unternehmensvertretern beurteilen. Von denen habe ich in der Tat schon mehrfach gehört, dass Tschechien sich klar werden müsse, schon längst im globalen Wettbewerb zu stehen. Und in dieser Hinsicht dürfe es nicht sein, dass man in punkto Intensität bei Innovation und Forschung weiter auf der Stelle trete. Denn dann könne man auch nicht wettbewerbsfähig bleiben.“

 

Anm.: Die detaillierten Ergebnisse der DTIHK-Umfrage zum gegenwärtigen Stand der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen in Tschechien finden Sie unter: www.dtihk.cz

18-06-2014