Geschenktraum zum Fest: Gläserne Prunkstücke der Marke Moser

25-12-2007

Zu Weihnachten werden viele Wünsche erfüllt. Und die, die (noch) nicht erfüllt werden können, sollte man sich durchaus für die Zukunft offen halten. Zum Beispiel nach einem Prunkstück oder einer ganzen Kollektion böhmischen Spitzenglases der Marke Moser. Diese weltberühmte Manufaktur mit Sitz in Karlovy Vary / Karlsbad feierte in diesem Jahr den 150. Jahrestag ihrer Gründung im Jahre 1857. Ein tolles Jubiläum, das uns noch eine Reportage Wert ist…

Es geht durchaus geräuschvoll zu in der Glasmanufaktur Moser im westböhmischen Karlsbad. Doch wenn Sie am Ende des Herstellungsweges die fertigen Produkte sehen, dann lacht Ihnen das Herz: Gläser, Vasen, Schalen und Pokale – alles Erzeugnisse, die durch ihre Reinheit, Brillanz, Eleganz und die klassischen Proportionen hervorstechen. Ziemlich rasch gehen sie in den Besitz von Königshäusern, Präsidenten und anderen bedeutenden Persönlichkeiten der ganzen Welt über. Dank dieser Tradition wird Moser-Glas bis heute berechtigterweise als „Glas der Könige“ bezeichnet.

Glasmanufaktur MoserGlasmanufaktur Moser Diese Qualität kommt nicht von ungefähr, denn „das ist alles Mund geblasen, mit der Hand geschliffen, mit Gold oder verschiedenen Schliffen ergänzt und anschließend auch graviert“, erfahre ich von Evelina Bočanová, der Exportmanagerin von Moser für deutschsprachige Länder und Mitteleuropa, während wir den Glasmachern bei ihrer schweißtreibenden Arbeit zuschauen. Doch den rund 350 Beschäftigten der Manufaktur macht diese Arbeit Spaß, weshalb sie der extremen Hitze und den lauten wie klirrenden Geräuschen trotzen sowie den Kreislauf ihrer Tätigkeiten immer wieder mit der gleichen Hingabe durchführen.

Ohne diese Hingabe geht gar nichts, man muss für den Beruf des Glasmachers ein wenig geboren sein und vor allem Fleiß und Einfallsreichtum mitbringen, erklärt uns Zdeněk Drobný, der Meister unter den meisterlichen Glasmachern der Manufaktur. Er habe sich sehr frühzeitig für dieses Handwerk interessiert, und schon im zweiten Lehrjahr – Zdeněk war damals gerade mal 17 Jahre alt – habe ihn der damalige Meister auserkoren, um ihn in die Geheimnisse des Glasblasens einzuweihen. Und an seinen Lehrmeister erinnert sich Drobný noch ganz genau:

Glasmacher in der Glasmanufaktur MoserGlasmacher in der Glasmanufaktur Moser „Wir hatten einen ausgezeichneten Lehrmeister, den deutschen Herrn Schmidt-Kunze. Er hat mir die ersten Schritte beigebracht: Wie ich an diese Arbeit herangehen soll und was ich alles wissen muss, um zu verstehen, was mir diese Arbeit alles abverlangt.“

Zdeněk Drobný weiß die Tugenden von Herrn Schmidt-Kunze, der seines Wissens heute 75 ist, immer noch gut zu schätzen: Pünktlichkeit, Disziplin und Zuverlässigkeit. Die deutschen Tugenden halt, sagt Drobný voller Achtung, und auf die Frage, ob er sich noch an eine ihn prägende Begebenheit mit Herrn Schmidt-Kunze erinnern könne, erwiderte er mir:

Josef SlunečkoJosef Slunečko „Jawohl. Wir durften vor allem während der Arbeit nicht reden, denn es war das Motto von Herrn Schmidt-Kunze: Wer spricht, der arbeitet nicht. Also standen wir vor der Wahl: Entweder reden und damit nicht arbeiten oder arbeiten ohne zu sprechen.“

Dass die ehemaligen deutschen Mitbürger die Tradition der Manufaktur jahrzehntelang geprägt haben, ja dass ihnen die Existenz der Marke Moser eigentlich zu verdanken ist, daran lässt auch Josef Slunečko, der heutige Leiter der Marketingabteilung von Moser, keinerlei Zweifel:

„Die Glasfabrik gehörte der Familie Moser. Es war eine deutsche Familie, die sich zum jüdischen Glauben bekannte. Das heißt: Hier haben zunächst deutsche Glasmacher gearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es leider zur Vertreibung der deutschen Mitbürger, und so sind diese Glasmacher vornehmlich nach Bayern gegangen, um in den dortigen Glashütten eine neue Anstellung zu finden. Die Geschichte der Firma Moser war damit jedoch nicht beendet. Aus dem Inneren des Landes, aus Böhmen, Mähren und der Slowakei, ja letztlich sogar aus dem ehemaligen Jugoslawien kamen neue Glasmacher, um die hiesige Tradition fortzusetzen. Sie mussten jedoch viel lernen und erst zehn bis fünfzehn Jahre Erfahrung sammeln, um es auf ein meisterliches Niveau zu bringen.“

Ludwig MoserLudwig Moser Die Familie Moser hat der berühmten Manufaktur aber nicht nur ihren Namen gegeben, sondern sie wurde auch von ihr gegründet. Es war Ludwig Moser, der 1857 damit begonnen hatte, in einer kleinen Werkstatt Glas zu dekorieren. Und es dauerte immerhin 35 Jahre, bis Ludwig Moser dann im Karlsbader Stadtteil Dvory die heutige Glasfabrik erbauen ließ, wie mir Evelina Bočanová verriet:

„Erst nachdem Ludwig Moser eine Bewilligung bekam, begann er hier 1892 eine eigene Glashütte zu bauen. Davor hatte er im Kurteil der Stadt eine Werkstatt gehabt, in der er eingekaufte Rohprodukte dekorierte. Als seine Hütte dann fertig war, hat er die Glasprodukte schon selbst hergestellt.“

Auch heute, 150 Jahre nach der Gründung von Moser und 115 Jahre nach Entstehung der heutigen Manufaktur, wird in den Produktionsräumen der Firma ein immenses Pensum geleistet. Insbesondere in der Gravieranstalt, in der sich Meister wie Fachpersonal vor Arbeit kaum retten können, wie uns Meister Graveur Vladimír Skála zu berichten weiß:

„Wir sind momentan wirklich mit Arbeit eingedeckt. Ganz oben stehen dabei Aufträge mit schwierigen und teuren Gravuren. Die sind in der Tat sehr gefragt. Wir haben bereits Probleme, die Termine einzuhalten, denn die schwierigen Gravuren beanspruchen zwei bis zweieinhalb Monate Arbeit. Unsere Kunden müssen sich also etwas gedulden und auf die Lieferung ihrer Bestellung warten. Zudem wollen die Kunden zumeist, dass die Gravur von einem bestimmten Graveur ausgeführt wird. Wenn ich zum Beispiel einen Auftrag für einen japanischen Kunden realisiere, kann ich nicht gleichzeitig einen Auftrag für einen Kunden aus Taiwan oder den Vereinigten Staaten übernehmen. Wir Graveure sind also bereits von unseren Kunden heiß umworben. Doch es gilt wie immer: Bedient wird der, der zuerst kommt…“

Graveur in der Glasmanufaktur MoserGraveur in der Glasmanufaktur Moser Und an welchem Auftrag arbeitet der Vielumworbene gegenwärtig?

„Ich arbeite gerade an einem Motiv von Sandro Bottichelli, und zwar am Bildnis ´Pallas und der Zentaur´. Es handelt sich um eine auf zehn Vasen limitierte Serie, die wir anlässlich unseres 150-jährigen Jubiläums herstellen. Die gesamte Serie ist bereits im Voraus verkauft, obwohl wir erst zwei Vasen davon produziert haben. Die Kunden müssen also auf die anderen noch etwas warten.“

Wer also ein Fabrikat der Marke Moser als das Seinige in der Hand halten will, der muss früh bestellen. Das gilt erst recht, wenn es ein Geschenk für Weihnachten werden soll, sagt Evelina Bočanová: „Wenn man die Ware zu Weihnachten bekommen möchte, muss man schon im April, Mai bestellen.“

Jetzt wissen Sie also bescheid, wann Sie ein mögliches Geschenk für das nächste Weihnachtsfest bereits bestellen sollten. Aber Sie wissen noch nicht, was Sie aus dem reichhaltigen Angebot von Moser auswählen sollten. Nun, wie wäre es damit:

„Die Serie Splendid, die Serie Maharani und die Serie Paula sind am meisten gefragt unter unseren Kunden. In dieser Abteilung hier werden zum Beispiel zwei von ihnen graviert: die Serie Maharani und die Serie Paula, zu der wir auch Rose sagen. Das ist ein Glas mit Gravur und Gold. Jede Trinkgarnitur besteht aus mehreren Einzelteilen – das sind Schalen, Kompottschalen, Teller. Krüge, Karaffen und weiteres mehr. Die Serie Splendid zum Beispiel umfasst 190 Teile. Da muss man schon eine große Villa haben, um alles auch präsentieren zu können“, erläutert die Managerin.

Evelina Bočanová erklärt, woran Sie die Serie Splendid erkennen: „Typisch für die Serie Splendid ist die breite Goldkante. Das Glas wird sandgestrahlt und mit echtem Gold vergoldet. Danach folgt der bekannte Karoschliff. In dieser Abteilung ist die Serie jedoch nicht zu sehen, denn sie hat keine Gravur.“

Sehr gefragt ist auch das farbige Glas, wie es nur bei Moser hergestellt wird, und das vor allem in Südeuropa verkauft wird. “Nach Italien zum Beispiel wird so etwas sehr gut verkauft. Das Glas ist sortiert in sechs verschiedenen Farben, den typischen Moser-Farben. Außer in Italien verkaufen wir dieses Glas auch sehr gut in Russland, Deutschland oder Ungarn. Das farbige Glas muss dabei nicht immer eine Gravur haben, es kann auch schlicht und einfach sein“, sagt Bočanová.

Sie können bei Moser aber auch Einzelstücke erwerben oder herstellen lassen. Immer vorausgesetzt, dass Ihnen ein solches Produkt auch den entsprechenden Preis wert ist. Sie haben aber überhaupt noch keine Vorstellung darüber, was Sie für ein Prunkstück aus dem Hause Moser bezahlen müssten. Nun, auch ich musste erst ein wenig nachbohren, um es von Evelina Bočanová anhand eines konkreten Beispieles zu erfahren:

„Da gibt es eine mehrfarbige Vase, die ist 80 Zentimeter hoch und aus mehreren Teilen geklebt. Ich bin überzeugt davon, vor Weihnachten findet sich der Kunde, der die Vase kauft.“

Für welchen Preis?

„Er bewegt sich um die 4000 Euro.“

Aber halt: Wir wollen nicht, dass Sie glauben, bereits mitten in einem Verkaufsgespräch der Firma Moser zu sein. Die Wunderwelt der Glasarbeiten von Moser ist auch deshalb so einzigartig, weil sie sich nicht jeder leisten kann und will. Aber träumen darf man davon schon. Und wann, wenn nicht gerade zu Weihnachten…

25-12-2007