Jahn: Skoda Auto wird weiter wachsen und 2010 eine Million Fahrzeuge produzieren

12-12-2007

Der Automobilhersteller Skoda gilt nach wie vor als das Unternehmen mit der größten Wirtschaftskraft in Tschechien. Deshalb haben Meinungen, die von Vertretern der Skoda-Führungsetage geäußert werden, auch großes Gewicht. Leitende Mitarbeiter der Firma werden gern zu wichtigen Seminaren und Foren eingeladen, wo sie dann zu Aufgaben und Problemen der tschechischen Wirtschaft Stellung nehmen.

Eine solche Gelegenheit nahm auch Martin Jahn, der Personalchef von Skoda wahr, der beim ersten Wirtschaftsgespräch der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer anwesend war. Am Rande der Debatte hat Lothar Martin mit ihm unter anderem über den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gesprochen.

Erst vor kurzem hat Skoda Auto die Erlaubnis erhalten, seine Kapazitäten auszudehnen. Was bedeutet das für die Firma?

Jahn: „Unsere Produktion wächst und wir sind sehr froh, dass unsere Kunden noch mehr Autos von uns kaufen wollen. Wir steigern daher unsere Produktion um etwa zehn Prozent pro Jahr. Das aber bedeutet, dass wir Sonderschichten leisten müssen. In diesem Jahr haben wir bisher 26 Sonderschichten gemacht und im Jahr 2008 planen wir ungefähr 45 Sonderschichten.“

Hat Skoda wirklich das Potenzial zur Expansion? Wo liegen die perspektivischen Märkte für Skoda?

Jahn: „Unsere Strategie heißt Go East. Unsere großen Wachstumsmärkte befinden sich daher in Russland, in China und in Indien.“

Wird es aber nicht immer schwieriger, in der internationalen Konkurrenz zu bestehen. Nicht zuletzt kommen gerade aus Asien – aus China und Südkorea – Konkurrenten, die in der Lage sind noch preiswerter als Skoda zu produzieren. Und bei Skoda selbst melden sich eigentlich pünktlich zu Jahresbeginn stets die Arbeitnehmer und fordern mehr Lohn. Wie gelingt es Skoda daher, seine Fahrzeuge weiterhin attraktiv zu produzieren und zu verkaufen?

Martin JahnMartin Jahn Jahn: „Nun, zunächst einmal müssen wir nach wie vor schöne und praktische Autos entwickeln und herstellen. Dabei spielt die Qualität der Fahrzeuge für uns eine große Rolle. Um voranzukommen, müssen wir die Arbeitsproduktivität weiter steigern und vielleicht auch den Automatisierungsgrad erhöhen. Wir müssen unsere Autos halt so entwickeln, dass sie noch einfacher und damit kostengünstiger herzustellen sind.“

Sie haben in Ihrem Vortrag den Satz gebraucht: „Wachsen ohne zu wachsen. Was verbirgt sich hinter diesem Skoda-Motto?

Jahn: „Unsere Strategie ´Wachsen ohne zu wachsen´ bedeutet, dass die Produktion deutlich schneller wächst als die Anzahl der Mitarbeiter. Wie ich bereits gesagt habe, wächst unsere Produktion um zirka zehn Prozent pro Jahr, der Gesamtpersonalstand hingegen um weniger als drei Prozent. Wenn wir also wachsen, dann zum Beispiel in unserer technischen Entwicklung. Die Anzahl der Mitarbeiter aber soll sich bei uns nicht erhöhen.“

Zum Thema „Mangel an Arbeitskräften“ haben Sie gerade heute beim Wirtschaftsgespräch referiert. Sie haben dabei unter anderem gesagt: „Schon seit einigen Jahren gibt es in Tschechien wenig qualifizierte Arbeitnehmer, jetzt aber gibt es fast gar keine Arbeitskräfte mehr, die man einstellen kann.“ Ist denn die Tschechische Republik damit nicht schon ein typisches Beispiel für die Globalisierung geworden? Und zwar dadurch, indem man hierzulande Produktionskapazitäten anbieten kann, die über die Landesgrenze hinausgehen. Man könnte folglich verstärkt Arbeitskräfte aus dem Ausland einstellen. Früher war es ja so, dass die Staatswirtschaften nur daran interessiert waren, dass ihre Bürger im Land in Lohn und Brot sind, die Wirtschaft floriert, eine Kaufkraft entsteht usw. Jetzt aber gibt es Länder, die mehr leisten können, als sie eigentlich müssten. Und genau das ist doch das derzeitige ´Problem´ der Tschechischen Republik, oder?

Jahn: „Die Tschechische Republik ist wirtschaftlich sehr erfolgreich: das Bruttoinlandsprodukt wächst jährlich um mehr als fünf Prozent, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Inflation ist immer relativ unter Kontrolle. Ergo: Wir haben Luxusprobleme! Wir haben nicht genügend Arbeitskräfte, weil es so viele erfolgreiche Investoren gibt. Als Skoda-Unternehmen wollen auch wir im eigenen Land weiter wachsen, und das sowohl in Mlada Boleslav als auch in unseren Werken in Vrchlabi und in Kvasiny. Dazu müssen wir noch mehr investieren, und zwar nicht nur in die Produktion und Infrastruktur unserer drei Standorte, sondern auch in die Aus- und Fortbildung. Wir haben dafür eine eigene Fachberufsschule. Das allein aber reicht nicht, wir müssen vielmehr unsere Ausbildungsaktivitäten erweitern. Zudem müssen wir verstärkt auf gute Fachleute aus anderen Staaten zurückgreifen, zum Beispiel auf Arbeitnehmer aus der Ukraine, Weißrussland und weiteren osteuropäischen Ländern.“

Löst Skoda diese Probleme auch damit, dass man Produktionsstätten ins slowakische Bratislava oder nach Russland auslagert?

Jahn: „Wir müssen beides machen, sowohl die Produktion auslagern als auch qualifizierte Arbeitskräfte einstellen. Wir werden nächstes Jahr den Octavia auch in Bratislava produzieren, doch unsere anderen Werke im Ausland – in Russland, Indien und China – sind nur für die dortigen lokalen Märkte bestimmt. Wir planen also nicht, dass wir unsere Produkte aus China oder Indien nach Europa importieren.“

Sie stehen jetzt bei etwas über einer halben Million produzierter Autos pro Jahr. Sie wollen aber schon im Jahr 2010 die Grenze zur Million durchbrechen. Wie soll das gehen? Wie wollen Sie das innerhalb von nur drei Jahren eigentlich schaffen?

Jahn: „Nun, wir wachsen eben nicht nur sehr schnell in Tschechien, sondern gerade auf den drei genannten Märkten – in China, Indien und Russland. Unsere Fahrzeuge wurden zum Beispiel in China sehr gut akzeptiert. Wenn wir also von der geplanten Million an produzierten Autos sprechen, dann rechnen wir damit, ein Drittel davon – also rund 300.000 Stück – im Ausland herzustellen.“

Wo wird Skoda in zehn Jahren stehen? In welchen Bereichen wollen Sie stark sein und eventuell noch zulegen? Und gibt es Bereichen, in einen Skoda etwas zurückschrauben will, weil es sich dort möglicherweise nicht rentiert?

Jahn: „Wir wollen natürlich unsere Stärken weiter entwickeln. Skoda ist bekannt für viel Räumlichkeit im Fahrzeug, praktische Lösungen, Qualität und für ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Daran soll sich nichts ändern, aber an der Größe unseres Unternehmens schon. Was nach dem Jahr 2010 passieren wird, ist schwer zu sagen, aber ich bin sicher, dass wir bei Skoda noch mehr Wachstum sehen werden.“

12-12-2007