Neue Preise fürs Zugfahren aus Deutschland nach Tschechien

06-11-2002

Die Deutsche Bahn wird ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember ein neues Tarifsystem verwenden. Und sie wird auch andere Bahngesellschaften dazu zwingen, sich der Philosophie "Plan und Spar" anzuschließen. Wie sich dann die Preise nach Tschechien verändern werden, berichtet Martin Jezek.

Von Berlin nach Prag, 42 Euro, hin und zurück! So wird das Angebot der Deutschen Bahn lauten. Das ist ein besseres Angebot als das der Busunternehmer auf dieser Strecke. Aber nichts wird so richtig verschenkt. Zwischen Hin- und Rückfahrt muss ein Wochenende liegen, und das alles gilt auch nur dann, wenn der Reisende zwei Wochen vorher reserviert. Wer 20 Minuten vor der Abfahrt kommt, zahlt 87 Euro. Eigentlich entspricht das dem Trend. So machen das auch die Billigairlines: Auch dort werden die Tickets zunächst sehr günstig angeboten, wer aber einen Tag vorher bucht, der zahlt eben sehr viel.

Im Grunde ist dieses Verfahren logisch. Den Reisenden zum Planen zwingen, seine Flexibilität einschränken und dadurch eigene Kapazitäten effektiver nutzen. Das spart Kosten.

Wie es funktioniert, erklärt Katja Schinagel aus der Pressestelle der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn greift damit aber über ihre eigenen Grenzen hinaus. Sie hat sich nämlich vorgenommen, ihre Nachbareisenbahnen ebenfalls zu dieser Tarif-Philosophie zu bringen. Der Pressesprecher der Tschechischen Bahn, Petr Stahlavsky, sagte dazu gegenüber Radio Prag:

"Die Dokumente, die die Fahrtkartenausgabe für Deutschland bestimmen, sind bei uns erst eigentroffen. Wir arbeiten erstmal an der Übersetzung. Wir wissen auch noch gar nicht, wie der Fahrschein nach Deutschland aussehen wird, und wie sich die Preise verändern."

Bis jetzt hat es nämlich beim Kauf einer Fahrkarte von Prag nach Berlin einfacher funktioniert. Die deutschen Kollegen haben den Tschechen den Preis von der Grenze nach Berlin genannt, und diesen Betrag bekamen sie dann überwiesen. Der deutsche und der tschechische Preis haben sich einfach addiert, und so entstand der zu bezahlende Betrag. Mit welchem Zug man gefahren ist, das war der Frau am Schalter erst mal egal.

Jetzt muss das Ticket zwei Dinge auf einmal beinhalten. Den Fahrschein und die Reservierung. Und zwar untrennbar. Damit komme die Tschechische Bahn nicht zurecht, sagte der Pressesprecher Petr Stahlavsky.

Die DB AG hält die Zusammenarbeit unter dem Motto "Plan und Spar" bereits für vorbereitet und ausgehandelt. Im Prager Bahndirektorat sind die Akten aber erst Mitte Oktober eingegangen. Und das sei, laut Sprecher Stahlavsky, sehr spät.

Nicht nur im System ist der Haken. Die Staatsorganisation "Tschechische Bahn" besitzt auch eine andere Denkweise beim Fahrkartenverkauf. Den normalen Fahrpreis hat sie in astronomische Höhen getrieben, die für einen durchschnittlichen Tschechen nicht erschwinglich sind. Jeder Vielfahrer bekommt aber 40 bis 70 Prozent Ermäßigung. Den Platz kann man zwar reservieren, aber dies hat keinen Einfluss auf den Preis. Sprecher Petr Stahlavsky kommentiert das wie folgt:

"Bis jetzt ist uns nur bekannt, dass es in Deutschland erhebliche Tarifänderungen geben wird. Wir haben uns in den Verhandlungen dazu negativ geäußert. Denn dieses System ist für uns sehr ungünstig. Wir werden aber den Wunsch der deutschen Partner respektieren müssen, denn wir fungieren nur als eine Verkaufsstelle für die Deutsche Bahn. Die Beträge für die Fahrkarten nach Deutschland überweisen wir einfach an die Deutsche Bahn weiter."

Wehren werden sich die Tschechischen Eisenbahner nicht. Sie müssen alles in Kauf nehmen, was von Deutschland aus auf sie zukommt. Die Deutsche Bahn dominiert nämlich den europäischen Bahnmarkt, und die kleinere Tschechische Bahn lässt sich einiges diktieren. Bei Fahrplanänderungen war das schon oft der Fall. Jetzt sind es auch die Preise und Tarife.

06-11-2002