Prager DTIHK ist ein Unterpfand für die deutsch-tschechische Erfolgsstory

20-10-2004

Als Sie unsere neue Erkennungsmelodie vernommen haben, werden Sie vielleicht etwas verschreckt aufgehört haben in dem Sinne: "Nanu, kommt es jetzt zur großen Abrechnung?" Nun, wir wollen nicht den Anspruch erheben, als nationale Wirtschaftsprüfer aufzutreten, doch nach Möglichkeit wollen wir schon etwas genauer hinsehen, wie hiesige Unternehmen, Gesellschaften und wirtschaftlich orientierte Organisationen mit den Finanzen haushalten bzw. Gelder erwirtschaften und wieder nutzbringend investieren. Aber wir wollen zukünftig in dieser Sendung nicht nur "Firmengespräche" führen, sondern uns auch mit ökonomischen Tendenzen auseinander setzen, neue Entwicklungen vorstellen oder aber auch Missstände aufzuzeigen.

DTIHK hat ihren Sitz am Wenzelsplatz Nr. 40 (Foto: Jana Sustova)DTIHK hat ihren Sitz am Wenzelsplatz Nr. 40 (Foto: Jana Sustova) Den heutigen Auftakt macht jedoch eine Institution, die seit mittlerweile elf Jahren in Prag tätig ist und die quasi symbolisch für die seitdem im ständigen Aufwärtstrend befindlichen deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen steht. Es ist die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK), die mitten in der Moldaumetropole, am Wenzelsplatz Nr. 40 ihren Sitz hat. Dort traf ich mich mit Michael Kern, dem Stellvertreter des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes der DTIHK und Leiter der Abteilung Wirtschaftsinformationen. Mit ihm habe ich das folgende Gespräch geführt:

Herr Kern, die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer existiert seit elf Jahren, wie viele deutsche und tschechische Firmen wurden in dieser Zeit von ihnen betreut bzw. vermittelt? Führen Sie darüber überhaupt eine Statistik?

"Interessanterweise haben wir vor einiger Zeit angefangen eine Statistik zu führen. Eine Gesamtzahl haben wir nicht, aber wir haben derzeit eine Anzahl von 90 bis 110 Anfragen pro Tag, die bei uns eingehen und die in der einen oder anderen Weise von uns bearbeitet werden wollen. Wohlgemerkt, 90 bis 110 Anfragen aus beiden Ländern! Damit kann man sich auf die elf Jahre wohl ganz gut hochrechnen, wie viele Anfragen das sein könnten." (schmunzelnd)

Gibt es Firmen-Kooperationen zwischen beiden Ländern, die durch ihre Tätigkeit zustande gekommen sind und auf die sie besonders stolz sind?

"Es gibt eine ganze Reihe von Kooperationen, die wir direkt beeinflusst haben, aber auch eine ganze Reihe von Kooperationen, die ihren eigenen Weg hier in Tschechien gefunden haben. Wir haben sie zusammengestellt in einer Publikation, die wir veröffentlichen als ´Deutsche Niederlassungen´. Beispielsweise in Tschechien, wo sie derzeit unter den 1000 größten Unternehmen in Tschechien erfasst sind. Das ist, so glaube ich, schon eine sehr imponierende Anzahl von Unternehmen, die hier in Tschechien tätig sind."

Außer der Vermittlung von Firmenadressen und der sich daraus anbahnenden Geschäftspartnerschaften, worin liegt das Credo der DTIHK noch? Was sind ihre weiteren hervorstechenden Dienstleistungen?

"Unsere Hauptaufgabe ist, den deutsch-tschechischen Handel in beide Richtungen zu fördern, zu intensivieren und auszubauen. Das ist natürlich ein sehr breites Feld. Die von Ihnen angesprochenen Adressrecherchen, Marktstudien und Geschäftsvermittlungen sind unsere ursprünglichen Kerndienstleistungen, mit denen wir vor elf Jahren hier in Tschechien angefangen haben. In diesen elf Jahren hat sich um diesen Bereich herum eine ganze Reihe von eigenen Dienstleistungen etabliert. Dazu gehört eine sehr intensive Mitgliederbetreuung, zumal wir derzeit immerhin 550 freiwillige Mitglieder hier in Tschechien haben. Dazu gehören aber auch eine eigene Publikationsabteilung, eine eigene Umweltabteilung, eine eigene Messe-Abteilung und last but not least die Abteilung für berufliche Aus- und Weiterbildung, in der wir tschechische Studenten nach dem deutschen Muster der dualen Berufsausbildung in verschiedenen Berufen ausbilden. Das sind die hervorstechenden Dienstleistungen, aber nicht vergessen sollte man natürlich die Interessensvertretung für deutsche Unternehmen in Tschechien und für tschechische Unternehmen in Deutschland, die wir durchführen."

Was publizieren Sie?

"Ja, wir haben verschiedene Möglichkeiten zu informieren. Wir haben natürlich zum einen unseren Internetauftritt, und zwar unter www.dtihk.cz, auf dem das Gesamtangebot unserer Dienstleistungen einsehbar ist. Wir publizieren aller zwei Monate ein ´Wirtschaftsmagazin Plus´, das in beiden Sprachen veröffentlicht wird und das über aktuelle rechtliche und steuerliche Themen informiert. Und, das ist ganz wichtig, wir sprechen Unternehmen direkt an. Im Auftrag anderer Unternehmen informieren wir über Absatzmöglichkeiten und über Geschäftschancen. Ganz wichtig ist für uns der Informationskanal über Informationstage und Symposien, die wir in Deutschland und in Tschechien durchführen. Dort halten wir Vorträge und führen Einzelgespräche mit interessierten Unternehmen."

In welchen Branchen sind die bilateralen Geschäftsbeziehungen am nachhaltigsten?

"Am nachhaltigsten sind sie vor allem in den typischen Exportbranchen, die Deutschland und Tschechien haben, zu verzeichnen. Das ist interessanterweise in beiden Ländern relativ ähnlich. Also wir können da den Maschinenbau, die Metall verarbeitende Industrie, die Kunststoff verarbeitende Industrie und die Chemische Industrie als die hauptsächlichen Exportbranchen benennen. Und diese Struktur finden Sie auch bei unseren Mitgliedern wieder, ebenso bei den Anfragen von Unternehmen, die sich an uns wenden."

Welche Bundesländer bzw. Regionen in Tschechien tun sich hierbei am meisten hervor?

"Es sind natürlich in erster Linie die Bundesländer, die nahe an Tschechien liegen. Hier sprechen wir über Bayern, hier sprechen wir über Sachsen, die als Freistaaten unmittelbar an Tschechien angrenzen. Und wir sprechen über die Bundesländer, die von Natur aus in diesen Exportbranchen sehr stark sind. Das sind auch wieder Bayern, dazu Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das sind mit Sachsen die vier Bundesländer, die am deutlichsten im deutsch-tschechischen Wirtschaftsverkehr vertreten sind."

Wie von Michael Kern zu erfahren war, gehört das Bundesland Baden-Württemberg zu den engsten wirtschaftlichen Partnern der Tschechischen Republik. Dass man der ökonomischen Zusammenarbeit mit dem mitteleuropäischen Nachbarland eine sehr große Bedeutung beimesse, das wurde Radio Prag auch vom baden-württembergischen Wirtschaftsminister Ernst Pfister bestätigt, als dieser im Rahmen einer Kontakt- und Kooperationsbörse von Unternehmen aus Tschechien und Baden-Württemberg Anfang September in der "Goldenen Stadt" weilte.

Herr Pfister, welchen Stellenwert messen Sie der Eröffnung der heutigen Kontakt- und Kooperationsbörse zwischen Tschechien und Deutschland bzw. im speziellen Fall zwischen Baden-Württemberg und Tschechien bei?

"Einen sehr großen. Wir stehen nicht am Anfang dieser Kooperation. Sie wissen, dass schon seit zehn Jahren diese Kooperationsbörsen, Messen und ähnliche Kontakte stattgefunden haben. Aber in diesen zehn Jahren hat sich eben auch gezeigt, dass Tschechien von den neuen Staaten in der EU für Baden-Württemberg der mit Abstand wichtigste ist. Und deshalb ist dieser Besuch heute in Prag, sind diese Wirtschaftsgespräche, natürlich ein Höhepunkt der Delegationsreisen, die wir zurzeit veranstalten."

Derartige wirtschaftliche Höhepunkte wird es aber auch in Zukunft geben, und Radio Prag wird versuchen, von einer Vielzahl von ihnen zu berichten. In diesem Sinne, schalten Sie uns wieder ein, heute in 14 Tagen!

20-10-2004