Škoda Auto steigert Absatz um 15 Prozent – große Nachfrage in China

21-07-2010

Vor rund anderthalb Jahren, zum Ende des Winters 2009, haben wir darüber berichtet, wie die Autoindustrie europaweit mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat. In mehreren EU-Ländern wurde die Abwrackprämie eingeführt, von der auch der tschechische Pkw-Hersteller Škoda Auto stark profitierte. Die Škoda-Kleinwagen wie der Fabia und der Roomster fanden besonders in Deutschland dank der Prämie reißenden Absatz. Wie aber sieht es heute aus? Kann Škoda Auto auch ohne die Abwrackprämie seine Marktposition behaupten?

Škoda Auto hat im ersten Halbjahr dieses Jahres knapp 379.000 Fahrzeuge verkauft. Das sind rund 15 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Inland hat Škoda sogar um 16,6 Prozent zugelegt, was Antonín Šípek von der Vereinigung für Autoindustrie (SAP) wie folgt kommentiert:

„Das ist zu einem bestimmten Grad eine Wiederbelebung, doch für die hohe Zuwachsrate im Jahresvergleich gibt es auch einen triftigen Grund. Bis zum April vergangenen Jahres war es nämlich beim Kauf eines Pkw nicht möglich, die Mehrwertsteuer abzusetzen. Deshalb hat eine ganze Reihe von Firmen den Kauf von Dienstfahrzeugen hinausgeschoben und gewartet, wann das entsprechende Gesetz endlich verabschiedet wird. Die Gesetzesänderung kam zustande – das war ein wichtiges Moment.“

Aber das war nicht der einzige Gesichtspunkt, der für die gestiegenen Verkaufszahlen von Škoda verantwortlich ist, sagt Šípek und ergänzt:

„Das zweite Moment ist bereits ein Ausdruck für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr. Mehrere Indikatoren zeigen den Unternehmen, dass die Wirtschaftskrise allmählich zu Ende geht, so dass sie auch wieder mehr investieren. Zu den Investitionen gehören auch die verschobenen Käufe von Firmenwagen. Das zeigt sich an der bisherigen Verkaufsbilanz: Waren es im vergangenen Jahr insbesondere private Käufer, die die wegen der Krise ziemlich hohen Rabatte nutzten, um sich ein neues Fahrzeug zuzulegen, so wird der diesjährige Pkw-Verkauf in Tschechien zu 60 Prozent von den Firmen getätigt.“

Eine Aussage, die auch der Wirtschaftsjournalist Petr Korbel bestätigt:

„Heute wird der Autokauf vor allem von der Unternehmenssphäre bestimmt. Im letzten Jahr haben die Firmen nicht einmal für ihren Generaldirektor einen Neuwagen besorgt, jetzt aber schlagen sie wieder zu. Dabei steht der Preis gar nicht mal so im Vordergrund, sondern in erster Linie das wieder gewonnene Vertrauen in die Wirtschaft und in die eigene Stärke. Auch das Verhalten der Banken hat sich geändert; sie gewähren Kredite wieder großzügiger.“

Die gestiegene Nachfrage auf dem Binnenmarkt allein aber macht den Kohl nicht fett. Hinter der Zuwachsrate von 16,6 Prozent steht nämlich – in Zahlen ausgedrückt – hierzulande nur der Verkauf von knapp 30.500 Wagen. Das gute Halbjahresergebnis ist vielmehr auf einen ostasiatischen Markt zurückzuführen, weiß Petr Korbel:

„Das ist der Verkauf von Autos in China. Genauer gesagt von Škoda-Modellen wie dem Octavia, dem Superb und dem Fabia, die in China produziert werden. Und zwar in einem chinesischen Autowerk, an dem Škoda keine Eigneranteile hat. Es handelt sich um eine reine Lizenzproduktion.“

Die Produktion und der Verkauf von Škoda-Fahrzeugen in China kann sich in der Tat sehen lassen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat die Lizenzfabrik der Mittelböhmen mehr als 84.000 Wagen abgesetzt; im Jahresvergleich ist das ist eine Steigerung von satten 83 Prozent! Demgegenüber ist der Absatz von Autos in Deutschland, dem Topmarkt von Škoda in Europa, etwas zurückgegangen. Logischerweise, sagt Antonín Šípek:

„Im vergangenen Jahr konnte man um diese Zeit auf dem tschechischen Markt so gut wie keinen Škoda Fabia bekommen, da nahezu die gesamte Produktion dieses Kleinwagens nach Deutschland ging. Die dort gezahlte Abwrackprämie hatte eine große Nachfrage nach dem Fabia ausgelöst. Deshalb ist der zweiprozentige Rückgang, den Škoda in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf dem deutschen Markt hinnehmen musste, wirklich nicht dramatisch. Dieser Rückgang ist zudem von anderen Märkten mehr als kompensiert worden. Die Rede war bereits von China, aber auch in Russland und Großbritannien konnte Škoda zulegen.“

Das belegen auch die weiteren Zahlen, die Škoda in seiner Halbjahresbilanz veröffentlicht hat. Demzufolge haben die Autobauer aus Mladá Boleslav den Verkauf ihrer Wagen in Russland um 7,5 Prozent, in Spanien um 50 Prozent und in Großbritannien um nicht weniger als 61,2 Prozent erhöht. Zum guten Ergebnis im Inland habe auch beigetragen, dass Škoda mit dem Superb Combi und mit dem Yeti zwei neue Modelle auf dem Markt gebracht hat, die gerade bei den Unternehmen auf ein großes Interesse gestoßen sind. Dieses Potenzial aber sei inzwischen so gut wie ausgereizt, erklärt Petr Korbel:

„Mann kann sagen, dass dieser Faktor schon langsam aufgebraucht ist. Bis auf eine Ausnahme bietet Škoda heutzutage nahezu das gesamte Sortiment an Pkw-Fahrzeugen an, für die am Markt ein großer Bedarf besteht.“

Das aber muss so nicht ewig bleiben. Das größte Problem, das die Autoindustrie in Zukunft europaweit zu lösen hat, sei doch die Überproduktion, moniert Korbel:

„Krise hin oder her, Abwrackprämie ja oder nein, das ist nicht das Hauptproblem. Das liegt meiner Meinung nach darin, das um 20 Prozent Pkw mehr produziert werden als der europäische Markt gebrauchen kann.“

Das bedeute nichts anderes, als dass in Europa einige Autowerke werden schließen müssen, so Korbel. Dies sei jedoch ein riesiges Problem, weil niemand die damit verbundene Restrukturierung bezahlen wolle. Die Autoproduzenten gäben vor, die finanziellen Mittel dafür nicht zu haben. Die Regierungen der Autoländer hingegen betonten immer wieder, schon sehr viel Geld in den Erhalt einiger Marken gesteckt zu haben, ergänzt Korbel. Antonín Šípek aber verweist darauf, dass bei mehreren Autoproduzenten bereits ein Umdenken eingesetzt habe:

„Es gibt doch einige positive Veränderungen bei den Autoherstellern zu beobachten. Früher haben sie ihre Wagen auch schon mal auf Lager produziert, und das war letztlich auch ein Grund dafür, dass es in der Autoindustrie zu einer Rezession gekommen ist. Jetzt aber planen sie wirklich sehr genau, wie viele Autos anhand der vorliegenden Bestellungen pro Monat produziert werden müssen. Damit soll eine Überproduktion weitgehend vermieden werden.“

Auch in der Autoindustrie gilt daher nach wie vor: Nur die Besten werden überleben! Den neuesten Verkaufsahlen zufolge dürfte Škoda also auch weiterhin zu ihnen zählen.

21-07-2010