Strompreise in Tschechien steigen um zehn und mehr Prozent – Anbieter werden dafür kritisiert

26-11-2008

In diesen Tagen und Wochen, in denen man wegen der Finanzmarktkrise wieder genauer aufs Geld schaut, werden Preissteigerungen besonders kontrovers diskutiert. Das ist auch bei den von der tschechischen Energie-Regulierungsbehörde angekündigten Strompreisen für nächstes Jahr nicht anders.

Die Preise für Elektroenergie in der Tschechischen Republik werden mit Beginn des neuen Jahres steigen. Und das nicht zu knapp:

„Die Kunden, die ihren Strom vom Energieunternehmen ČEZ erhalten, müssen mit einer Preiserhöhung von 9,9 Prozent rechnen. Für die Prager Kunden, denen die Firma Pražska energetika den Strom liefert, ist die Teuerung genauso hoch. Die Kunden von E.ON hingegen müssen ab Januar eine Preiserhöhung von 16,4 Prozent verkraften“, gab der Vizechef der tschechischen Energie-Regulierungsbehörde (ERÚ), Blahoslav Němeček, am Montag vor Journalisten in Prag bekannt.

Die eben genannten Zahlen aber betreffen lediglich die tschechischen Haushalte. Die industriellen Abnehmer von Elektroenergie trifft die Stromteuerung sogar noch härter. Besonders die kleinen Unternehmen stöhnen bereits jetzt über die auf sie zukommenden Mehrkosten. Für sie wartet lediglich der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ mit einer Preiserhöhung von knapp unter zehn Prozent auf. Die Unternehmen, die ihren Strom von der Firma Pražska energetika beziehen, müssen ab Januar für jede verbrauchte Kilowattstunde 14,4 Prozent mehr zahlen, die von E.ON belieferten Unternehmen sogar 18 Prozent mehr. Das sind Preissteigerungen, die zum Beispiel für viele Bäckermeister einen herben Schlag ins Kontor darstellen.

„Ich denke, das ist für unsere Unternehmen eine ganz unangenehme Nachricht. Sie waren nämlich nicht auf einen solch sprunghaften Schock vorbereitet“,

kritisiert der Präsident der hiesigen Handelskammer, Petr Kužel, die angekündigten Teuerungen. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Preise für Rohöl und Kohle weiter sinken, sei diese Preiserhöhung einfach ungeheuerlich und fast schon gemein, wetterte Kuzel und ergänzte: „Ich denke, dass die Energie-Regulierungsbehörde da eingreifen sollte. Denn auch dieses Amt hat eine gewisse Verantwortung zu tragen.“

Die Behörde gibt jedoch nur vor, dass alle Kunden die Möglichkeit hätten, ihren Energielieferanten selbst zu wählen, wodurch sie zugleich Einfluss auf den nicht regulierten Anteil im Strompreis nehmen würden. In das gleiche Horn stößt auch Industrie- und Handelsminister Martin Říman: „Die Märkte sind liberalisiert. Jeder Kunde kann sich seinen Energieanbieter selbst aussuchen und frei von einem Anbieter zum anderen wechseln.“

Im vergangenen Jahr haben von dieser Möglichkeit rund 15.000 Kunden Gebrauch gemacht, in diesem Jahr wird ihre Zahl um fast das Doppelte ansteigen, schätzt die Energie-Regulierungsbehörde ein.

Martin ŘímanMartin Říman Den Anbieter zu wechseln, wenn alle Lieferanten die Strompreise merklich erhöhen, sei aber keine Lösung, monieren die oppositionellen Sozialdemokraten. Parteichef Jiří Paroubek wirft der Regierung vor, vor der Energiewirtschaft zu kapitulieren. Von einem Staat, der die Mehrheitsanteile im Unternehmen ČEZ besitzt und der über ausreichende Kompetenzen zur Einflussnahme auf die Energie-Regulierungsbehörde verfügt, müsse man einfach erwarten können, dass er diese Instrumente dazu nutzt, um mehr für die Bürger und auch die Kleinunternehmer zu tun. Das finden auch die Mitglieder der Vereinigung gegen sittenlose Preise der Elektroenergiewirtschaft (kurz: Sponel):

„Dass die Preise um mehr als zehn Prozent ansteigen und dass sie auch im halbstaatlichen Unternehmen ČEZ weiter zunehmen, sehen wir milde ausgedrückt als unanständig an. Wir werden hart dagegen protestieren, und zwar sowohl vor dem nationalen Kartellamt als auch bei den europäischen Regulierungsorganen“, kündigte der Sprecher der Vereinigung, Jiří Chvojka, dieser Tage an.

Die Preiserhöhungen für elektrischen Strom, ohne den heutzutage de facto kein Haushalt, keine Betriebshalle und auch kein Büro mehr auskommen, drücken also schon jetzt in der Vorweihnachtszeit auf die Stimmung der meisten Tschechen. Dafür hält der Chef der Energie-Regulierungsbehörde, Josef Fiřt, eine durchaus erfreuliche Nachricht für alle Gasverbraucher im Land parat:

„Heutzutage fällt der Gaspreis auf den Heizölpreis zurück, und der wiederum ist abhängig vom Erdölpreis. So gesehen konnten wir beobachten, wie der Rohölpreis in den letzten acht, neun Monaten ständig zurückgegangen ist. Von daher ist auch der Gaspreis derzeit relativ niedrig. Ganz objektiv betrachtet bin ich der Meinung, dass dieser Preis auch in den nächsten Monaten weiter stagnieren wird, und zwar in Verbindung mit dem Kurs des Dollars. Und sollte der Dollar nicht kräftig zulegen, dann kann der Gaspreis auch noch weiter sinken.“

Ein Sektor, der den Energiemix der Zukunft auch in Tschechien stärker mittragen soll, sind die erneuerbaren Energien. Auch hier kommt jetzt mehr Bewegung rein, zumal sich die Energieerzeugung mittels Windkraftanlagen ebenso auf den Preis niederschlagen wird:

„Sie werden den Strom um fünf Prozent billiger produzieren. Mit anderen Worten: Der Einkaufspreis wird um fünf Prozent niedriger sein“, sagte Josef Fiřt, der Chef der Energie-Regulierungsbehörde, gegenüber Radio Prag. Sein Stellvertreter, Blahoslav Němeček, hob zudem hervor:

„Der Anteil der erneuerbaren Energien wächst ständig um weitere Zehntelprozentpunkte. Das verdeutlichen diese Zahlen: Die erwartete Energieerzeugung mittels erneuerbarer Energien wird im nächsten Jahr über drei Terawattstunden betragen, während wir in diesem Jahr mit einer Energieproduktion von rund 2,5 Terawattstunden auf der Basis der erneuerbaren Energien rechnen. Nicht dazu gehört die durch große Wasserkraftwerke erzeugte Energie, denn sie fällt nicht unter das Gesetz zur Unterstützung der erneuerbaren Energien.“

Němeček erklärte ebenso, welche Energieträger die größten Zuwächse aufweisen: „Wenn wir von der Anzahl der Installationen sprechen, dann sind es Elektroenergie erzeugenden Photovoltaik-Anlagen. Hier registrieren wir monatliche Dutzende Anträge auf die Inbetriebnahme solcher Anlagen. Nichtsdestotrotz sind die Leistungen dieser Anlagen sehr gering, so dass ihr Anteil an der so genannten grünen Energieproduktion immer noch vernachlässigbar ist. Wenn wir aber vom leistungsmäßigen Zuwachs, also von der realen Energieproduktion sprechen, so erwarten wir im kommenden Jahr die größten Steigerungsraten mit Hilfe der Windenergie und der Biogas-Stationen.“

Und wie hoch will Tschechien den Anteil der erneuerbaren Energien an der nationalen Energieerzeugung noch schrauben? Dazu antwortete mir noch einmal Blahoslav Němeček:

„Wenn wir uns gerade den Gesamtanteil an den primären Brennstoffen vor Augen führen, dann ist das Ziel von 12 bis 13 Prozent meiner Meinung nach durchaus realisierbar.“

26-11-2008