Tschechiens Banken änderten erneut ihre Gebühren / Inflation wird 2008 steigen

08-08-2007

Nur Bares ist Wahres, sagt ein altes Sprichwort. In Tschechien aber müssen Sie einiges an Gebühren zuzahlen, wenn Sie Bargeld per Geldautomaten abheben oder es auf ihrem Konto einzahlen wollen. Aber auch die Inflation und die Zinssätze werden steigen.

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Eine positive Nachricht vom tschechischen Arbeitsmarkt wurde Ende letzter Woche publik: Die Arbeitslosenquote im Lande ist im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 auf 5,3 Prozent gesunken. Allerdings - und diese kleine Einschränkung muss erlaubt sein - anhand der Berechnungsmethode der Internationalen Arbeitsorganisation. Das tschechische Ministerium für Arbeit und Soziales zum Beispiel hat für den gleichen Zeitraum eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent ausgewiesen. Dalibor Holy vom Tschechischen Statistikamt erläutert, worin der Unterschied zwischen den hierzulande praktizierten Methoden besteht:

"Wir verfolgen das Ausmaß der Arbeitslosigkeit in den Haushalten. Wir fragen einzelne Leute, ob sie Beschäftigung haben oder Arbeit suchen. Das ist also eine andere Methode als bei den Arbeitsämtern nachzufragen, wie viele Arbeitssuchende dort registriert sind. Ein Rückgang der Arbeitslosenquote ist jedoch bei beiden Methoden zu verzeichnen."

So oder so, die Zahl der Arbeitslosen in Tschechien ist mit 274.600 Menschen die niedrigste seit neun Jahren. Aber diese Zahl allein ist es nicht, die dem Vorsitzenden der Tschechischen Handelskammer, Jaromir Drabek, große Freude bereitet:

"Das Wichtigste ist, dass zunächst die arbeitsfähigen Tschechen eine Arbeit haben oder erhalten können. Und hier ist ein großer Schritt in die richtige Richtung getan worden. Den letzten Zahlen zufolge hat sich nämlich der Beschäftigungsgrad junger Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren wesentlich erhöht. Und das ist ganz sicher ein positives Signal."

Hinter die Fassade geschaut

Die tschechischen Banken haben mit Wirkung vom 1. August ihre Gebührensätze geändert. Bei der Mehrzahl ihrer Dienstleistungen zu Lasten ihrer Klienten. Wenn diese zu Beginn des nächsten Monats ihre Kontoauszüge erhalten werden, dann werden vor allem die Kunden der eBanka verdutzt dreinschauen. Für das Abheben von Bargeld via Geldautomaten müssen sie drei Kronen mehr als bisher zahlen. Die Bank glaubt die Gebührenerhöhung damit zu kompensieren, indem sie bei den ersten beiden Transaktionen im Monat die Gebühren erlässt. Für Klienten, die nur durchschnittlich dreimal monatlich Geld abheben, durchaus ein Vorteil. Mit Sicherheit aber nicht mehr, wenn die Kunden dieser Bank, die vor Jahresfrist mit der Raiffeisenbank fusionierte, zukünftig Geld auf ihrem Konto einzahlen werden. Dann wird ihnen nämlich eine Gebühr von zehn Kosten verrechnet! Früher mussten sie für diesen Bankvorgang keinen Heller blechen. Die Kunden der mit ihr "verschwägerten" Raiffeisenbank trifft es nicht ganz so hart - sie müssen für diesen Posten nur zwei Kronen mehr drauflegen als früher.

Viele tschechische Bankkunden stöhnen bereits lautstark über die monatliche Anhäufung von Gebühren und Zuschlägen aller Art auf ihren Kontoauszügen. Der Chefredakteur des Servers Investuj.cz, Petr Zamecnik, verweist jedoch darauf, dass die Tschechen nicht zu den größten Gebührenzahlern in Europa gehören:

"Wenn wir die absolute Höhe der Gebühren miteinander vergleichen, dann liegen wir noch unter dem EU-Durchschnitt. Wenn wir aber die Gebühren ins Verhältnis zur Kaufkraft der Klienten bzw. zum Bruttoinlandsprodukt setzen, dann liegen sie über dem EU-Durchschnitt. Sie erreichen allerdings noch längst nicht das Niveau der Bankgebühren in Italien, wo man schon traditionell die höchsten Gebühren in ganz Europa zahlen muss."

Und dennoch: Der Ökonom und Analytiker Michal Ruml ist der Auffassung, dass man die Bankgebühren in Tschechien jetzt eher senken als erhöhen müsse:

"Die Einnahmen einer Bank setzen sich nicht nur aus den Gebühren zusammen. Sie stellen nur ein Viertel bis ein Drittel der Einnahmen dar. Ihr Hauptgeschäft machen die Banken mit den auf Kredite erhobenen Zinsen. Doch weil die Verschuldung der Haushalte in der Vergangenheit als relativ niedrig eingestuft wurde und weil die Zinssätze zu den niedrigsten in ganz Europa gehörten und noch gehören, haben die Banken eben gerade die Gebühren als den Königsweg zum wirtschaftlichen Erfolg angesehen. Gegenwärtig aber steigen sowohl die Verschuldung als auch die Zinssätze, so dass meiner Meinung nach die Zeit dafür gekommen ist, die Gebühren zu senken."

Der Bankenrat der Tschechischen Nationalbank (CNB) hat erst kürzlich die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt erhöht. Es war das zweite Mal innerhalb von zwei Monaten. Damit ist der Hauptzinssatz des Landes, von dem die Verzinsung kommerzieller Kredite abgeleitet wird, auf nunmehr drei Prozent gestiegen. Die Tschechische Republik hat damit zwar immer noch die niedrigsten Leitzinsen innerhalb der Europäischen Union, doch das könnte sich schon bald ändern. Einige Finanzexperten rechnen schon in diesem Monat mit einer weiteren Erhöhung. Der Analytiker des Bankhauses Komercni banka, Jiri Skop, hingegen gibt dafür diesen Zeitrahmen vor:

"Bis Ende des Jahres wird es noch eine Erhöhung der Zinssätze geben, und zwar im Oktober auf 3,5 Prozent. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Tschechische Nationalbank die Zinssätze im kommenden Jahr noch zweimal erhöhen wird, und das um weitere 0,5 Prozentpunkte auf dann insgesamt vier Prozent. So wie diese Zinssätze steigen werden, werden sich selbstverständlich auch die Zinsen für Hypotheken erhöhen."

Mit der Erhöhung der Zinssätze will die Zentralbank unter anderem verhindern, dass der Kurs der tschechischen Währung gegenüber der europäischen allzu leicht auf 27,50 Kronen je Euro nach oben schnellt. Dass sie jedoch am vergangenen Freitag einen neuen Rekordkurs gegenüber dem US-Dollar erzielte, hatte ganz andere Gründe, weiß der Analytiker der Raiffeisenbank, Michal Brozka:

"Es ist unerwartet dazu gekommen, dass sich die Arbeitslosenquote in den USA auf 4,6 Prozent erhöht hat. Auch deshalb, weil nicht mehr so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden wie früher. Zu den schlechter gewordenen makroökonomischen Kennziffern gesellen sich außerdem noch große Befürchtungen über die Stabilität des amerikanischen Hypothekenmarktes. Es wird bereits davon gesprochen, dass dieser Markt in einigen Bereichen in einer Krise steckt."

Nicht in der Krise, sondern weiterhin in einem Aufschwung, ist die tschechische Wirtschaft. Das Finanzministerium in Prag hat daher jüngst seine Prognose über den diesjährigen Zuwachs des Bruttoinlandproduktes auf 5,8 Prozent erhöht. Aber diese Prognose enthielt nicht nur diese erfreuliche Seite, erklärt der Analytiker der Raiffeisenbank, Ales Michl:

"Die neue Direktive des Finanzministeriums enthält drei grundsätzliche Aussagen. Die erste ist, dass die Wirtschaftskraft des Landes in diesem Jahr noch stärker wachsen wird als man erwartet hat. Die zweite Nachricht ist die, dass das nächste Jahr ein Jahr der Inflation werden wird. Das heißt, uns erwarten größere Preissteigerungen. Und die dritte Nachricht besagt, dass es weiterhin noch keine Lösung für das Defizit der öffentlichen Finanzen gibt. Deshalb müssen wir darauf vorbereitet sein, dass das Minus bis zum Jahr 2010 rund 100 Milliarden Kronen (ca. 3, 6 Milliarden Euro) betragen wird."

08-08-2007