Tschechiens Kennziffern: Starke Krone, Außenhandelsüberschuss und niedrige Arbeitslosigkeit

16-04-2008

Kronenkurs, Inflation, Auslandsverschuldung oder Arbeitslosenquote. All diese Begriffe wurden in den zurückliegenden Tagen und Wochen verstärkt im Zusammenhang mit der hiesigen Wirtschaft genannt, und das mit unterschiedlicher Wertung.

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Wie wir am Dienstag bereits berichtet haben, war der Kurs der tschechischen Währung in der Nacht zu Montag extrem empor geschnellt, und zwar auf einen Wert von rund 23 Kronen je Euro. Devisenhändler hatten östlich von Europa in großer Menge Kronen eingekauft, was zu dem unerwarteten Kurssprung führte. Martin Lobotka, der Analytiker der Tschechischen Sparkasse, führt diesen drastischen Anstieg auf einen australischen Einkäufer zurück:

„Natürlich lässt es sich schwer sagen, wer tschechische Kronen in so großer Menge gekauft hat. Meinen Informationen zufolge war es ein australischer Fonds. Bei der niedrigen Liquidität, die auf dem Markt herrschte, muss dieser Fonds die Kronen sehr teuer eingekauft haben.“

Sehr teuer kann die starke Krone den tschechischen Exporteuren zu stehen kommen, da sie für ihre ausgelieferten Waren und Dienstleistungen nun immer weniger kassieren als noch vor einigen Monaten. Petr Dufek, der Analytiker der Tschechoslowakischen Handelsbank (ČSOB) aber meint, dass der Kronenkurs vor allem die mittelständischen und kleinen Exportunternehmen treffe:

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission „Der tschechische Außenhandel ist momentan vor allem in den Händen von großen übernationalen Gesellschaften, die in der Lage sind, den stetigen Kursanstieg der Tschechischen Krone nach und nach auszugleichen. Auf der anderen Seite ist es völlig offensichtlich, dass eine starke Krone insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen das Leben schwer macht, da sie erst lernen, mit diesen Gegebenheiten umzugehen.“

Noch im Februar, als die Außenhandelsbilanz der Tschechischen Republik einen Einnahmenüberschuss von 14,3 Milliarden Kronen (ca. 570 Millionen Euro) aufwies, hieß es, dass die starke Krone die einheimischen Exporteure vor noch keine allzu großen Probleme stelle. Allen voran nicht für die hiesige Autoindustrie, die der Analytiker der Raiffeisenbank in Prag, Michal Brožka, als einen Motor unter den hiesigen Exporteuren ansieht:

„Sie ist das große Zugpferd der tschechischen Exportwirtschaft. Aber die Exportwirtschaft besteht nicht nur aus der Automobilindustrie, sondern sie wird ebenso geprägt durch die Produktion von elektrischen Einrichtungen, von Elektrotechnik und durch die Telekommunikation. Es hat den Anschein, als würden die Exporteure das Problem der starken Krone bislang ganz gut auffangen. Nichtsdestotrotz bleibt das weiterhin die Frage für die nächsten Monate und Quartale.“

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission Die harte Krone hat aber natürlich nicht nur Schattenseiten. Neben der Tatsache, dass sich die Tschechen mit ihrem Geld nun europaweit, ja weltweit durchaus einiges mehr leisten können, hemmt die starke Landeswährung den Analytikern zufolge auch den weiteren Anstieg der Inflation. Sie zügele nämlich den weltweiten Anstieg der Rohstoffpreise, die sich ohne die starke Krone in vollem Umfang auch auf die inländischen Verbraucherpreise niederschlagen würden, so die Analytiker. Nach Aussage von Vojtěch Benda, dem erfahrenen Ökonom der ING Bank in Prag, ist das jedoch nicht bei allen Preissegmenten der Fall:

„Wenn wir einen Blick auf die Struktur der Inflation werfen, dann kann man die positive Nachricht verbreiten, dass zuletzt ein leichter Rückgang der Lebensmittelpreise festzustellen war. Das hat allerdings zum Teil auch mit saisonbedingten Faktoren zu tun. Eine negative Preisentwicklung gibt es hingegen bei Treibstoffen. In diesem Segment ist seit März erneut eine Preiserhöhung zu registrieren.“

Vor rund zwei Wochen wurde bekannt gegeben, dass sich die Auslandsverschuldung der Tschechischen Republik Ende vorigen Jahres auf rund 1,35 Billionen Kronen (ca. 54 Milliarden Euro) belaufen hat. Das entspricht 38 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In welchen Relationen sich die tschechische Verschuldung im Vergleich zu anderen Staaten bewegt, dazu sagte der Analytiker der Raiffeisenbank in Prag, Aleš Michl:

„Gegenwärtig beträgt unsere Verschuldung gegenüber ausländischen Subjekten 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Gegenüber tschechischen Subjekten beträgt sie in etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ich denke daher, dass wir uns in die Richtung von 50 bis 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bewegen, und dieses Niveau ist ganz normal für die Länder Westeuropas.“

Erfreulicheres gibt es da vom tschechischen Arbeitsmarkt zu berichten, auf dem die Arbeitslosenquote im Februar auf 5,9 Prozent gesunken ist. Und diese Quote muss laut Petr Dufek, dem Analytiker der Tschechoslowakischen Handelsbank, noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein:

„Meiner Meinung nach wird die Arbeitslosenquote in den nächsten Monaten sogar noch unter die Fünf-Prozent-Marke sinken, und unter fünf Prozent wird sie auch am Ende dieses Jahres liegen.“

Hinter die Fassade geschaut

Zum Eigentum des tschechischen Staates gehört die Gesellschaft Čepro, deren Geschäftstätigkeit vor allem der Transport, die Lagerung und der Verkauf von Erdölprodukten ist. Eine ihrer wesentlichen Aufgaben ist die Sicherstellung von staatlichen Kraftstoffreserven, also auch die Bevorratung von Benzin und Diesel. Unter dem Namen EuroOil bewirtschaftet sie zudem ein eigenes Netz von nahezu 190 Tankstellen.

Dieser Gesellschaft droht nun, dass sie unterwandert wird. Mit anderen Worten: Von außen wollen dubiose Geschäftsleute vermutlich fingierte Geldforderungen geltend machen und sich damit am staatlichen Firmeneigentum bereichern. Die Gefahr, dass Čepro dabei um Milliarden von Kronen erleichtert wird, sei realer, als es auf den ersten Blick scheine, stellte dazu vor kurzem die tschechische Polizei anhand ihrer Ermittlungen fest. Wegen dieser Gefahr haben sich Premierminister Mirek Topolánek, Innenminister Ivan Langer und Justizminister Jiří Pospisil neulich auch zu einer geheimen Besprechung zusammengefunden. Sehr entschlossen kündigte Langer nach dieser Besprechung an:

„Dazu kann ich nur das Eine sagen: Das Gesetz gilt für alle, auch für Richter. Der Staat wird daher alle Versuche vereiteln, die darauf zielen, staatliches Eigentum mit Hilfe von Gesetzesverletzungen zu entwenden.“

Im Zentrum von Langers Kritik und damit auch im Fadenkreuz der staatlichen Behörden steht der Richter David Hovorka. Er hatte kürzlich öffentlich gemacht, dass eine Geldforderung an die Gesellschaft Čepro in Höhe von 2,6 Milliarden Kronen (ca. 104 Millionen Euro) an einen anderen Gläubiger übertragen worden sei. Hovorka ist derselbe Richter, der schon vor vier Jahren die Rechtmäßigkeit dieser Forderung gegenüber Čepro anerkannte, ohne dass die Vertreter der Firma vor Gericht geladen wurden, um sich verteidigen zu können. In diesem Zusammenhang erklärte Čepro-Sprecher Tomáš Zikmund:

„Anfang Februar dieses Jahres unterbreitete der ursprüngliche Gläubiger dem Gericht den Vorschlag, dass an seine Stelle die Liechtensteiner Handelsgesellschaft Global Licence and Services Establishment trete. Mehr als befremdlich in dieser Angelegenheit ist, dass das Gericht dem Vorschlag zur Änderung des Gläubigers schon am 7. Februar, also nur sechs Tage nach seiner Einreichung, stattgegeben hat. Und zwar ohne dabei dem Inhalt der vorgelegten Verträge die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen.“

Hinter der Liechtensteiner Firma werden hierzulande erneut die unseriösen Geschäftspraktiken des flüchtigen und strafrechtlich gesuchten Unternehmers Radovan Krejčíř vermutet. Gegen den Richterspruch vom 7. Februar hat Čepro Berufung eingelegt und gefordert, dass dieser Fall von einem anderen Gericht verhandelt wird.

16-04-2008