Tschechiens Wettbüros haben Hochkonjunktur wegen Fußball-WM

02-07-2014

Wenn wie dieser Tage in Brasilien mit der Fußball-Weltmeisterschaft ein Mega- Sportereignis stattfindet, dann schlägt auch überall die große Stunde einer ganz speziellen Branche – und zwar der Wettbüros. Das ist auch in Ländern, die nicht an der WM teilnehmen, kaum anders. Zu diesen Ländern gehört die Tschechische Republik, in der die Wettbüros momentan auf dem besten Wege sind, ein neues Rekordergebnis für einen Sportevent einzufahren.

Foto: Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Archiv des Tschechischen Rundfunks In der Tschechischen Republik gibt es derzeit acht Wettanbieter: die drei großen Wettbüros Tipsport, Fortuna und SAZKAbet sowie fünf kleinere Anbieter. Für das Wetten auf die Spiele der Fußball-WM prognostizierte die Branche einen neuen Rekordumsatz von einer Milliarde Kronen. Das sind umgerechnet 36,4 Millionen Euro und entspricht in der Summe den Geldern, die bei den Olympischen Spielen in Sotschi und der Eishockey-WM in Weißrussland zusammen umgesetzt wurden. Vor einer Woche, als mit dem Ende der Vorrunde zeitlich gesehen erst die Hälfte des Turniers vorüber war, meldeten die Wettbürobetreiber jedoch bereits einen Umsatz von umgerechnet 25,5 Millionen Euro. Lubomír Ježek, der Kommunikationsdirektor bei Tipsport, sprach daher von gestiegenen Erwartungen:

Lubomír Ježek (Foto: HC Slavia Prag)Lubomír Ježek (Foto: HC Slavia Prag) „Anhand aller vorliegenden Zahlen über das Interesse der Tipper für dieses Highlight im Sportwetten-Angebot werden wir ganz bestimmt die Grenze von einer Milliarde Kronen noch übertreffen. Der Markt gibt das her.“

Nicht in jedem Jahr generiert aber der Markt Wettumsätze in einem stabil hohen Umfang. Dazu erklärt der Sprecher von Fortuna, Petr Šrain:

„Hinsichtlich des Umsatzes und mit Blick auf die großen Sportveranstaltungen in der Welt ist für uns ein gerades Jahr stets von Vorteil. Zudem lässt sich sagen: Die Sportart, in der am meisten gewettet wird, ist auf jeden Fall der Fußball, und die Fußball-WM ist einfach die größte Attraktion.“

Petr Šrain (Foto: Slovan TV)Petr Šrain (Foto: Slovan TV) Deshalb erleben die tschechischen Wettbüros auch gerade jetzt wieder Hochkonjunktur. Zudem ist die Zahl der Sportwetten-Teilnehmer gegenüber der letzten WM weiter gestiegen. Der Grund dafür liegt beim Fortschritt in der Informationstechnologie, sagt Petr Šrain:

„In der heutigen Zeit wird in größerem Maß online gewettet. Das gilt auch für die derzeitige Fußball-WM. Die Zahlen bestätigen dies: 70 Prozent der Wetten gehen bei uns online ein, die restlichen 30 Prozent nehmen wir an unseren Wettschaltern entgegen.“

Foto: ČT24Foto: ČT24 Mit dem Ausbau der modernen Kommunikationstechnologien tritt auch eine Zielgruppe immer stärker in Erscheinung, die den Sportwetten inzwischen am meisten frönt, weiß Lubomír Ježek:

„Das sind vor allem die jungen Leute, die dem Internet sehr zugetan sind. Und wenn gesagt wird, dass 70 Prozent der Wetten heutzutage online abgewickelt werden, so kann ich für Tipsport sagen, dass dieser Anteil bei uns schon bei 80 Prozent und mehr liegt. Waren es noch vor einigen Jahren die Menschen mittleren Alters, die in die Sportbars gingen, ein Bier tranken und dabei gewettet haben, so ist es jetzt wirklich die junge Generation, die den Ton angibt. Die jungen Leute sitzen vor ihren Computern, verfolgen dort die jeweiligen Streams und geben dabei ihre Wetten ab.“

Foto: ČTKFoto: ČTK Und welche Wetten werden gerade jetzt bei der WM abgegeben? Einer Recherche des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (ČT) zufolge wird auf nahezu alles gewettet: Welche Mannschaft das Spiel gewinnt, wie viele Tore in einer Partie fallen, oder aber wie viele gelbe beziehungsweise rote Karten ein Schiedsrichter in einer Begegnung verteilt. Am häufigsten aber würden die Fans tippen, ob in einem Spiel drei oder mehr Tore fallen. Ein Tipper soll auf diese Weise gleich zwölf Spiele richtig vorausgetippt haben, die ominöse dreizehnte Wette aber sei ihm nicht geglückt. Es nicht geschafft haben aber auch die tschechischen Fußballer, denn sie konnten sich nicht für die WM qualifizieren. Und dieser Umstand ist schließlich auch der Wermutstropfen im Becher der Freude – sowohl für die Fans als auch für die Kassen der hiesigen Wettbüros, sagt Ježek:

Foto: ČT24Foto: ČT24 „Ein Fehlen unserer Sportler bei solch absoluten Highlights ist stets zu spüren. Aus der Langzeitstatistik wissen wir: Sobald Tschechen in irgendeiner Sportart vertreten sind, macht das rund 15 bis 20 Prozent mehr an Wetteinsätzen aus. In diesem Fall wetten auch etliche derjenigen, die dies ansonsten nicht tun. Das ist die Gruppe von Leuten, die mit dem Herzen dabei sind und aus nationalem Stolz auf die Tschechen setzen.“

02-07-2014