Zehn Jahre Czech Trade: Untrennbare Säule der tschechischen Exportstrategie

21-02-2007

Das zurückliegende Jahr 2006 war für viele Bereiche der tschechischen Ökonomie ein überaus erfolgreiches Jahr. Wir sagen Ihnen, welche Wirtschaftszweige hierbei besonders gut dastehen und in welcher Branche es im Gegensatz dazu vielleicht weniger optimal lief.

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Die tschechische Tourismusbranche hat im zurückliegenden Jahr 2006 erneut einen Anstieg von ausländischen Besuchern im Land verzeichnet. Den Angaben des Tschechischen Statistikamtes zufolge betrug dieser Zuwachs aber nur noch rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und auch Tomio Okamura von der Assoziation der tschechischen Reisebüros vertritt die Ansicht, dass sich der Touristenandrang in Tschechien immer mehr auf eine feste Größe einpendeln wird. Bezüglich der Hauptstadt Prag sei sogar eine leicht rückläufige Tendenz möglich, so Okamura:

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission "Wenn wir allein auf Prag schauen, wohin bis zu 60 Prozent aller ausländischen Touristen reisen und wo 80 Prozent aller Tourismus-Einnahmen der Tschechischen Republik gemacht werden, dann müssen wir feststellen, dass der Tourismus in Prag stagniert beziehungsweise 2006 sogar ein leichter Rückgang von ausländischen Touristen zu verzeichnen war."

Während die Tourismusbranche in Tschechien also allmählich einen natürlichen Sättigungsgrad erreicht hat, so konnte die Industrieproduktion des Landes im zurückliegenden Jahr einen Topzuwachs von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr vermelden. Das besonders Erfreuliche daran ist die Tatsache, dass dieser Zuwachs nicht mehr nur allein der Automobilbranche zu verdanken ist, sondern dass andere Industriezweige kräftig angezogen haben. Dazu sagte Ales Michl von der Raiffeisenbank:

"Die Situation hat sich gegenüber den vorangegangenen fünf Jahren verhältnismäßig stark verändert. Der im letzten Jahr erzielte Rekordzuwachs in der Industrieproduktion geht auch mit einer Expansion von Computerfirmen sowie von technologischen Unternehmen überhaupt einher. Ich denke, dass dieser Industriezweig allmählich einen immer größeren Mehrwert erzielen wird, da es in ihm eine steigende Nachfrage von immer besser qualifizierten Leuten gibt und weil hier auch immer höhere Gehälter geboten werden. Daraus lässt sich ableiten, dass in unserer Ökonomie immer mehr Fachwissen angehäuft wird, weshalb gerade Technologie-Unternehmen uns immer mehr ihr Vertrauen schenken. Und das ist eine sehr gute Nachricht."

Hinter die Fassade geschaut

In den zurückliegenden zwei Jahren hat die tschechische Wirtschaft immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen Außenhandelsüberschuss erzielt habe. Mit anderen Worten: Der finanzielle Wert der von Tschechien in das Ausland ausgeführten Waren und Dienstleistungen übersteigt den Wert für sämtliche nach Tschechien vollzogenen Importe. Dieser Trend hat sich seit Januar 2005 stetig fortgesetzt und in der tschechischen Außenhandelsbilanz des Jahres 2006 seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden. Mit einem Überschuss von 47,3 Milliarden Kronen (ca. 1,67 Milliarden Euro) konnte die Tschechische Republik nämlich das bisher beste Ergebnis seit ihrer Gründung im Jahr 1993 einfahren. Das ist hauptsächlich das Verdienst der hiesigen Unternehmer, doch auch eine staatliche Dienstleistungsbehörde hat dazu einen nicht unerheblichen Anteil: die Agentur Czech Trade. Das bestätigte der Pressesprecher der Agentur, Ales Rihacek, auch gegenüber Radio Prag:

"Czech Trade wurde im Mai des Jahres 1997 gegründet, das heißt, dass wir in diesem Jahr unser zehnjähriges Jubiläum feiern. In diesem Zeitraum hat Czech Trade mit Sicherheit eine gehörige Wegstrecke zurückgelegt, und heute ist unsere Agentur zu einem untrennbaren Bestandteil der staatlichen Exportstrategie geworden. Unser Ziel ist es, dass wir stets der erste Ansprechpartner für die tschechischen Exporteure sind, wenn sie auf die ausländischen Märkte vordringen wollen."

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission Ähnlich wie die gesamte Außenhandelsbilanz der Tschechischen Republik kann sich auch die gewachsene Leistungsstärke von Czech Trade sehen lassen. Ales Rihacek nennt einige der geschaffenen Fakten:

"Von dem guten Ergebnis zeugen ein paar Zahlen, die ich anführen möchte. Im letzten Jahr haben wir unseren Klienten in nahezu 250 Fällen geholfen, zu einem erfolgreichen Vertragsabschluss zu kommen. Und zwar in einem Gegenwert von über drei Milliarden Kronen (ca. 110 Millionen Euro). Das ist im Vergleich zum Jahr 2005 das Doppelte."

Die Tätigkeit von Czech Trade erstreckt sich momentan in 30 Ländern der Erde, in denen die Agentur 31 Auslandsbüros betreibt. Davon sind 23 Büros in Europa tätig, vier in Amerika, drei in Asien und eines in Afrika. Ales Rihacek wollte jedoch auf die Frage, in welchen Ländern die Büros der Agentur besonders florieren, Niemanden so recht hervorheben.

"Es lässt sich nicht sagen: Dieses oder jenes Land hat das größte Interesse. Ein traditionell großes Interesse am Kauf von tschechischen Gütern aber hat Russland, wo wir bereits drei Büros haben und wo wir noch in diesem Jahr eine vierte Kanzlei eröffnen wollen. Natürlich werden für uns auch die weiter entfernten Territorien immer interessanter. Da wären vor allem Asien als Erdteil sowie einzelne große Länder wie China, Indien und Vietnam zu nennen. Doch ein Interesse besteht eigentlich bei all unseren Büros, einschließlich derer, die wir in den Ländern der Europäischen Union haben."

Martin RimanMartin Riman Weshalb ein Interesse daran besteht, sich den Service von Czech Trade mehr und mehr zunutze zu machen, liege klar auf der Hand, erläutert Rihacek:

"Ich würde sagen, dass unsere Dienstleistungen einen sehr hohen Preisvorteil haben. Da wir eine staatliche Agentur sind, sind auch die Preise für diese Dienste subventioniert. Der Standardpreis zum Beispiel, den unsere ausländischen Büros pro Stunde für Beratungen oder Recherchen verlangen, beträgt 700 Kronen. Das ist im Vergleich zu kommerziellen Agenturen ein Bruchteil."

Seit dem Amtsantritt der neuen tschechischen Regierung im Januar dieses Jahres hat der Minister für Industrie und Handel, Martin Riman (ODS), keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Aktivitäten der beiden staatlichen Agenturen Czech Invest und Czech Trade zusammenlegen möchte. Nur zur Information: Während Czech Trade auf die Stabilisierung und Erhöhung des tschechischen Exports spezialisiert ist, besteht die Hauptaufgabe von Czech Invest darin, ausländische Investoren für ein Engagement in Tschechien zu gewinnen. Wie Ales Rihacek sehen auch die anderen Mitarbeiter von Czech Trade den vom Wirtschaftsminister geplanten Umstrukturierungen gelassen entgegen:

"Das ist selbstverständlich eine Frage, die der Minister entscheiden muss. Er hat bereits deutlich gemacht, dass er eine solche Fusion im Auge hat. Wir von der Agentur Czech Trade gehen jedoch davon aus, dass wir eine bis zum Jahr 2010 abgesegnete Strategie haben, die uns klare Aufgaben und Ziele vorschreibt, nach denen wir handeln."

Tschechien ist also, wie zu hören war, als Exportland auch dank Czech Trade sehr gut aufgestellt. Und man darf davon ausgehen, dass dieses Erfolgsmodell noch eine ganze Weile andauern wird.

21-02-2007