Czexit-Diskussion beunruhigt Investoren

22-03-2018

Laut einer Blitzumfrage der DTIHK sind 78 Prozent der Unternehmen beunruhigt durch die Erwägungen über einen EU-Austritt Tschechiens.

Foto: Barbora NěmcováFoto: Barbora Němcová Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK) hat für ihre Erhebung insgesamt 150 Firmen befragt. Hintergrund sind die Verhandlungen der tschechischen Parlamentsparteien über die Einführung von Volksabstimmungen, wobei einige die Bürger auch gerne über die Mitgliedschaft in EU und Nato entscheiden lassen würden.

28 Prozent der Firmen sagen, dass sie bei einem möglichen Czexit ihre Investitionen verlagern würden, wie aus einer Pressemeldung der DTIHK hervorgeht. Und etwa 25 Prozent würden ihre Investitionen hierzulande zurückfahren. Die Wirtschaft fordere von der Politik ein klares „Ja“ zum Verbleib in der EU, die Herausstellung der Vorteile der Mitgliedschaft und mehr Sachlichkeit in der Debatte, hieß es.

Dabei sind es nicht nur 83 Prozent der ausländischen Investoren, die die Czexit-Debatte mit Beunruhigung verfolgen. Auch zwei Drittel der tschechischen Firmen sehen darin eine Belastung. Besonders betrifft dies große Produktionsunternehmen mit mehr als 250 Angestellten.

Jörg Mathew (Foto: Archiv von Jörg Mathew)Jörg Mathew (Foto: Archiv von Jörg Mathew) Für das größte Risiko eines Czexit halten 74 Prozent der Firmen die Einschränkung aller Freiheiten des EU-Binnenmarktes. Sie befürchten in der Folge die Einführung von Zöllen und Steuern (66 Prozent), steigenden bürokratischen Aufwand (61 Prozent), Umsatzeinbußen (60 Prozent) und sogar Entlassungen (36 Prozent). Laut den Angaben der DTIHK stehen allein bei den größten deutschen Unternehmen hierzulande rund 150.000 Menschen in Lohn und Brot.

DTIHK-Präsident Jörg Mathew betont dazu in der Presseerklärung, dass über 80 Prozent des tschechischen Außenhandels mit der EU abgewickelt werden. Grundlage dafür sei der europäische Binnenmarkt mit seinen vier Freiheiten. Der Präsident des renommierten ifo-Instituts für Wirtschaftsforderung, Clemens Fuest, hält den Wunsch nach mehr nationaler Selbstbestimmung zwar für legitim. Zugleich betont er aber: „Die Menschen hier müssen wissen, dass diese sehr positive Wirtschaftsentwicklung voraussichtlich nicht weitergehen wird, wenn das Land die EU verlässt.“

22-03-2018