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Bei den seit Monaten andauernden Regierungsverhandlungen in Tschechien ist es zu einer unerwarteten Wende gekommen. Die Sozialdemokraten haben am Donnerstag überraschend die Gespräche mit der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) abgebrochen und mit den Christdemokraten Verhandlungen über eine gemeinsame Minderheitsregierung begonnen. Noch am Mittwoch hatte der sozialdemokratische Parteichef Jiri Paroubek gesagt, seine Partei sei grundsätzlich zur Tolerierung einer ODS-Minderheitsregierung unter Führung des designierten Regierungschefs Mirek Topolanek bereit. Topolanek war vor einer Woche von Klaus mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Als Grund für die Kehrtwende nannte Paroubek die mangelnde Kompromissbereitschaft der ODS in Steuer- und Sozialfragen sowie ihr Beharren auf einigen Ministerposten, die für die Sozialdemokraten inakzeptabel seien. Sozialdemokraten und Christdemokraten, die im Abgeordnetenhaus gemeinsam nur über 87 von 200 Mandaten verfügen, wollen nach eigenen Worten für ihr Bündnis Unterstützung bei allen übrigen Parlamentsparteien suchen. Der Vorsitzende der Christdemokraten, Miroslav Kalousek, schloss am Donnerstag auch eine Tolerierung durch die Kommunisten nicht aus. Bislang hatten die Christdemokraten jedwede Zusammenarbeit mit der früheren Staatspartei kategorisch ausgeschlossen. Ohne deren Unterstützung fände das Bündnis von Sozial- und Christdemokraten aber keine Mehrheit, da die ODS die Tolerierung einer sozialdemokratisch geführten Minderheitsregierung ablehnt. Auch die Grünen schlossen die Unterstützung für ein von den Kommunisten abhängiges Kabinetts aus.