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Nach dem Beginn der US-amerikanischen Militäraktionen in Afghanistan haben mehrere tschechische Spitzenpolitiker noch am Sonntagabend auf das jüngste Geschehen reagiert.

Der tschechische Präsident Václav Havel hat dem knapp drei Stunden zuvor eingeleiteten Vergeltungsschlag der USA für die Terrorangriffe auf New York und Washington vom 11. September seine absolute Unterstützung zugesagt. Angebracht sei Geduld, zur Panik bestehe kein Grund, betonte das Staatsoberhaupt in seinen ersten, an die tschechische Öffentlichkeit gerichteten Worten. Die gut überlegten Schläge " so Havel auf einer Sonderpressekonferenz " gelten nicht Afghanistan und nicht dem Islam, sie gelten keiner Nation oder Religion. Sie dienten dem Schutz der zivilisierten Werte, die viele Religionen, Kulturen und Länder verbinden. Es gebe Momente, in denen die Verteidigung von Freiheiten auch Opfer erfordere. Wolle man sich dieser Freiheiten und Werte unserer Zivilisation weiter erfreuen, müsse man bereit sein, sie auch mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, unterstrich das Staatsoberhaupt.

Dem Vergeltungsschlag der Vereinigten Staaten gegen die Terroristen sagten am Sonntagabend auch der tschechische Premier Milos Zeman und der Chef des tschechischen Abgeordnetenhauses Václav Klaus ihre Unterstützung zu. Wie Regierungssprecher Libor Roucek der Nachrichtenagentur CTK sagte, sei die Tschechische Republik auf die Möglichkeit eines militärischen Angriffs der Vereinigten Staaten auf die Terroristen in Afghanistan vorbereitet gewesen. Die USA und ihre Verbündeten haben die volle Unterstützung der Tschechischen Republik, und das nicht nur politisch und moralisch, sondern auch militärisch, bekräftigte der Sprecher den Standpunkt von Ministerpräsident Milos Zeman.

Abgeordnetenchef Václav Klaus führte in einer ersten Reaktion an, die Anwendung von Gewalt sei stets eine sehr traurige Sache, in diesem Falle sei die Kraftanwendung jedoch notwendig.

Der Beginn der Angriffe der USA auf die Terroristen in Afghanistan werden für die Tschechische Republik vorerst keine noch strengeren Sicherheitsmaßnahmen zur Folge haben. Dies erklärte der tschechische Innenminister Stanislav Gross am späten Sonntagabend nach einer Sondersitzung des Nationalen Krisenstabes. Gegenüber dem Fernsehsender "TV Nova" erklärte der Innenminister später, sollte man allerdings im Laufe der Nacht oder des morgigen Tages feststellen, dass sich das Risiko erhöhe, dann werde man die nötigen Schritte unternehmen.

Wie Gross des weiteren mitteilte, habe die NATO, bzw. die USA, um die Bereitstellung von Frachtflugzeugen gebeten. Die tschechische Regierung sei demzufolge darauf vorbereitet, der NATO ein Flugzeug des Typs TU-154 zum Personen- und Materialtransport sowie zur Begleitung der Aufklärungsflugzeuge AWACS zur Verfügung zu stellen, verkündete Gross. Zuvor war er mit Verteidigungschef Jaroslav Tvrdík, Außenminister Jan Kavan und Vizepremier Vladimír Spidla zusammen getroffen, um die nach Eröffnung des Gegenschlags entstandene aktuelle Lage zu erörtern.

Der im Prager Stadtzentrum gelegene Sitz der Rundfunkstationen Radio Freies Europa/Radio Liberty (RFE/RL) war und ist tatsächlich von einem terroristischen Angriff bedroht. Die tschechischen Sicherheitsdienste haben über diese Gefahr konkrete Informationen erhalten, anhand derer entsprechende Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude des Rundfunksenders eingeleitet wurden. Dies erklärte der tschechische Innenminister Stanislav Gross am Freitag im Anschluss an die Verhandlung des ressortübergreifenden Krisenstabes der Tschechischen Republik auf Schloss Stirin bei Prag.

Des weiteren führte der Innenminister aus, dass der Krisenstab von einem erneuten Flugverbot für private Sportflugzeuge vorerst abgesehen habe. Die Sportflieger waren in Misskredit geraten, weil sie in den zurückliegenden Tagen mehrfach die Flugverbotszonen über den tschechischen Atomkraftwerken Dukovany und Temelin verletzt hatten. Gross appellierte bei dieser Gelegenheit an die Piloten dieser Maschinen, die im Land erhobenen Flugverbotszonen zu respektieren. Der Krisenstab war am Freitag nach einwöchiger Pause erneut zusammen getreten, um über die aktuelle Sicherlage des Landes im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA und dem erwarteten Vergeltungsschlag zu beraten. Bei der Sitzung der Vertreter des Innen-, Außen-, Verteidigungs- und Gesundheitsministeriums fehlte diesmal Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdík, der gemeinsam mit NATO-Generalsekretär George Robertson zu Verhandlungen in Bulgarien weilte. Tvrdík wurde durch Vizeverteidigungsminister Stefan Füle vertreten.